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Der neue RAD 7.0: IBM-Serverprodukte integrieren und unterstützen

Frank Pientka

Nachdem der WebSphere-Applikationsserver 6.0 schon länger verfügbar ist, steht jetzt mit dem Rational Application Developer (RAD) auch eine passende Entwicklungsumgebung zur Verfügung. Da die Integration und Unterstützung der IBM-Serverproduktpalette keine einfache Aufgabe ist, werden wir in diesem Artikel untersuchen, wie der RAD hilft, die Komplexität zu beherrschen und die Entwicklung zu vereinfachen.

Wird eine neue Software-Version vorgestellt, ist die erste zu beantwortende Frage, was das Produkt denn wirklich Neues bringt und welchen Nutzen man daraus ziehen kann. Dies gilt auch für den seit Ende 2006 verfügbaren Rational Application Developer (RAD) [1]. Er basiert auf Eclipse 3.2.2 und unterstützt damit die Java-5.0- und J2EE-1.4-Versionen mit Erweiterungen. In erster Linie zielt das neue Produkt IBM Rational Application Developer for WebSphere 7.0.0.2, wie der volle Name schon sagt, auf die verbesserte Entwicklung von Java-Anwendungen mit der WebSphere-Server-Familie.

Da diese mittlerweile sehr groß geworden ist, gibt es für die verschiedenen Entwicklungstätigkeiten analog auch spezialisierte Rational-Produkte, wie etwa den Software Architect Rational Systems Developer und den Rational Software Modeler, zu deren Familie auch der Rational Application Developer (RAD) gehört (Abb. 1). Die bisher verfügbare Einsteigerversion Rational Web Developer [Aaron Lloyd: What’s new in IBM Rational Application Developer V7.0?, developerworks, Dezember 2006] gibt es hingegen in der aktuellen Version nicht mehr. Damit wird nicht nur für Wartungskunden, sondern auch für potenzielle Neukunden die Einstiegspreishürde erst einmal angehoben. Für manche könnte der Lotus Component Designer, der von IBM eher für die Domino- und Portalentwicklungen positioniert wird, teilweise eine Alternative sein. Im Folgenden wird ein Überblick über die Funktionen des RAD geben und dabei dessen Neuerungen vorstellen.

Abb. 1: Einordnung in die Rational-Familie
Überblick

Die größte Motivation für den Einsatz des RAD ist die Unterstützung der aktuellen Serverprodukte (WebSphere Portal, Application Server und DB2). Ein weiterer Grund liegt sicher in der Möglichkeit, aktuelle Eclipse-Plug-ins und Java-Sprachfeatures verwenden zu können. Neben diesen Basisentwicklungsfunktionen wird vor allem die Entwicklung von Webanwendungen besser unterstützt, was sowohl das Design von Oberflächen mit JSF als auch die Entwicklung von Ajax, Web Services und Portalanwendungen betrifft. Im Gegensatz zu Eclipse enthält RAD eine große Anzahl von Plug-ins. Auch wenn nur eine minimale Auswahl getroffen wird, benötigt dies recht viel Platz (ca. 3,5 GB) auf der Platte. Im Gegensatz zur Vorgängerversion [Michael Müller: Das RAD neu erfunden? in Java Magazin 5.2005] lassen sich jedoch einige Plug-ins (Struts, CrystalReport, WebSphere, Portal) bei der Installation abwählen oder von einer existierenden Eclipse-Installation mitbenutzen. Außerdem gibt es die von Eclipse bekannte Möglichkeit, per Internet-Update Erweiterungen nachzuinstallieren (Abb. 2).

Abb. 2: Installationspakete

Die wesentlichen Unterschiede zu Eclipse sind die Erweiterungen für die IBM-Produkte. So gibt es Plug-ins für die Datenbank DB2 V9, Cloudscape, für die Versionsverwaltung ClearCase bzw. CVS, die Dokumentation des RUP-(Rational Unified Process-)Vorgehensmodells, das Reportingwerkzeug CrystalReports, Jython, die eigene EGL-Sprache und J2C Connectoren für CICS, COBOL, PL/I. Die über J2C erstellten JavaBeans können sogar visuell in einer JSF-Seite verwendet werden, was ganz neue Integrationsmöglichkeiten von Altanwendungen ins Web ermöglicht. Auch für die frühen Phasen der Entwicklung gibt es im RAD Schnittstellen für die Anforderungs- und Änderungsmanagement-Werkzeuge Rational RequisitePro und Rational ClearQuest. Doch auch zur Verbesserung der Codequalität und -leistung können die auf der Eclipse Test & Performance Tools Platform basierenden Werkzeuge für die automatisierte Codeanalyse und das Profiling eingesetzt werden. Wem das nicht ausreicht, der findet in den zusätzlich verfügbaren Produkten Rational Functional, Manual und Performance Tester weitergehende Erweiterungen.

RAD läuft unter verschiedenen LINUX- und Windows-Versionen, inklusive Vista. Neben einer aktualisierten Online-Hilfe [2] und Handbüchern bietet IBM einige Online-Artikel [Aaron Lloyd: What’s new in IBM Rational Application Developer V7.0?, developerworks, Dezember 2006] an, die das Arbeiten mit RAD 7.0 erläutern. Besonders hilfreich wird das kommende Redbook „Rational Application Developer V7 Programming Guide“ [Rational Application Developer V7 Programming Guide, Redbook, 2007] sein.

Abb. 3: Die RAD-Oberfläche

Der Schwerpunkt des neuen RAD liegt jedoch auf der verbesserten Entwicklung von Webanwendungen mit WebSphere Application Server 6.1, Portal V6 und UDB V9. Andere Applikationsserver (JBoss, Tomcat, Geronimo) werden über die Eclipse Web Tools Platform unterstützt. Auch wenn die älteren WebSphere-Serverprodukte unterstützt werden, sind die aktuellen Versionen oft Voraussetzung, um die neuesten Versionen von WS, AJAX und JSF verwenden zu können. Hier liefert IBM mit der JSF Widget Library (JWL) eine JavaScript-basierte Erweiterung für JSF mit. Das Entwickeln und Testen wird mit Wizards unterstützt, sodass dadurch die Arbeit, nicht nur mit Web-2.0-Funktionen, vereinfacht wird. Zudem werden das Deployment und das Debuggen von Serveranwendungen durch die Integration mehrerer WebSphere-Umgebungen erleichtert. Für das Entwickeln und Testen von Web Services und XML werden die bekannten Standards – genau wie die IBM-Erweiterungen DADX, DB2 XML und SDO – unterstützt. Das gilt auch für das Arbeiten mit dem XML-Datentyp in DB2. Ebenso können mit dem RAD User Defined Functions (UDFs), Stored Procedures (SPs) und SQLJ für DB2-Datenbanken erstellt werden. Für die Modellierung wird zwar die aktuelle UML-Version 2.1 unterstützt, aber leider nur für die Typen Klassen- und Ablaufdiagramm. Möchte man auch andere UML-Diagrammarten verwenden, so ist dafür das Produkt IBM Rational Software Architect vorgesehen.

Steckbrief IBM Rational Application Developer for WebSphere Software V6.0

  • Betriebssysteme:
    Windows 2000 Professional/ Server (SP4), Windows XP (SP2), Windows
    Server 2003, Windows Vista, Red Hat Enterprise Linux Workstation, Version 4.0 (alle Service Packs),
    SUSE LINUX Enterprise Server, Version 10 (alle Service Packs)
  • Unterstützte Technologien:
    J2EE 1.2, 1.3, 1.4
    UDDI 2.0 and v3, SOAP 1.1, WSDL 1.1, WSIL, WS-I/-N/-BA/-S und AXIS
    WS-Security OASIS Standard 1.0, WS-I Basic Profile 1.1.2, Simple SOAP Binding Profile 1.0.3, Attachments Profile 1.0, JAX-RPC v1.0 für J2EE 1.3, v1.1 für J2EE 1.4, JR 109 J2EE 1.3, SR 921 J2EE 1.4, JSR 116 SIP
    Struts 1.1 und JavaServer Faces 1.1
    Portlet Development für WebSphere Portal und JSR 168 Portlets
    Service Data Objects (SDOs)
    XML, XSLT, DTD, XML Schema, XPath
    JUnit, ANT
    UML 2.1 (Klassen- und Sequenzdiagramme)
    Rational Unified Process
    IBM WebSphere Application Server 5.0, 5.1, 6.0, 6.1, IBM WebSphere Portal 6.0
Fazit

Verglichen mit seinen direkten kommerziellen Wettbewerbern NetBeans und JBuilder ist RAD ein Spätstarter, der im Gegensatz zu seiner Mutter Eclipse aktuelle Java-Standards immer noch nicht unterstützt. Da viele WebSphere-Kunden in den nächsten Monaten ihre Server auf die aktuelle Version 6.1 umstellen werden, um weiterhin die volle Supportleistung zu erhalten oder deren Neuerungen zu nutzen, werden auch einige Entwicklungsumgebungen auf RAD 7.0 umgestellt werden. Ein Muss ist der aktuelle RAD für die Entwicklung von interoperablen Web Services, SDO-, JSF- oder Portal-Anwendungen mit WebSphere.

Eine weitere Stärke des RAD liegt in der Integration von Alt- und Standardanwendungen, wie COBOL, CICS, SAP und Siebel, da er dafür die in den WebSphere-Produkten enthaltenen Konnektoren verwenden kann. Die noch fehlende Unterstützung der aktuellsten Webstandards wird parallel zu WebSphere mit den nächsten Aktualisierungen nachgeliefert. RAD-Anwender werden hier mit einer schnelleren und aktuelleren Entwicklungsumgebung belohnt, die sehr gut mit anderen IBM-Produkten harmoniert.

Da es jedoch mit Eclipse und seinen Erweiterungen für den Einstiegsbereich kostenlose Alternativen gibt, stellen sich einige Kunden die Frage, ob sie alle vom neuen RAD 7.0 angebotene Funktionen nutzen wollen. Denn erst dann rechnet sich die Investition in dieses Produkt. Wenn es nur um das vereinfachte Deployment und Testen von J2EE-Anwendungen auf WebSphere geht, so bietet IBM selbst dafür mit dem Application Server Toolkit for WebSphere Application Server (ASTK) (Abb. 1) eine kostengünstigere Alternative. Was die Unterstützung aktueller Java-Versionen (JDK 6.0, JEE 5.0) betrifft, so hinkt RAD weiterhin nicht nur Eclipse, sondern auch Konkurrenzprodukten hinterher.

Frank Pientka arbeitet als Senior Consultant bei der IMPAQ AG in Dortmund. Er ist seit mehreren Jahren im Bereich Java und J2EE tätig. Seine Schwerpunkte sind Applikationsserver (WebSphere, Geronimo, JBoss), Build-Management und Software-Architektur. Kontakt: frank.pientka@impaqgroup.com
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Frank Pientka
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