Interview mit Stephan Schmidt

Der Mitarbeiter steht im Mittelpunkt – auch bei der Kündigung

Melanie Feldmann

Stephan Schmidt

Die Mitarbeiter sind der Kern jedes Unternehmens. Das ist jedoch leichter gesagt als gelebt. Der Berater und Interim CTO Stephan Schmidt gibt auf dem New Work Day auf der JAX 2016 Tipps und Ratschläge wie Unternehmen den Mitarbeiter wirklich ins Zentrum ihres Handels stellen können.

JAXenter: In Ihrem Talk auf der JAX dreht sich alles um den Mitarbeiter. Wir sorge ich als Unternehmen dafür, dass der „Mitarbeiter im Mittelpunkt“ keine leere Worthülse ist?

Stephan Schmidt: Ich spreche immer vom Mitarbeiter-Life-Cycle. Dieser stellt den Mitarbeiter in den Vordergrund und dreht sich um den Mitarbeiter: von der Stellenanzeige, dem Interview, der Betreuung nach der Vertragsunterzeichnung, Welcome und Onboarding bis zu Mentoring und Karriereplanung. Und sollte sich der Mitarbeiter entschließen, dass er in einem anderen Unternehmen besser aufgehoben ist oder sich entwickeln kann, bedeutet es, ihm beim Übergang zum neuen Unternehmen zu helfen und danach in Kontakt zu bleiben. Zugegeben, es ist es nicht immer einfach den Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen, wenn er gekündigt hat. Hier zeigt sich aber, ob es sich um eine leere Worthülse handelt oder nicht.

Der Mitarbeiter-Life-Cycle stellt den Mitarbeiter in den Vordergrund und dreht sich um den Mitarbeiter.

JAXenter: Wie bekommen auch kleinere Firmen oder Start-ups ein Konzept in ihre Mitarbeiterentwicklung?

Stephan Schmidt: Wie bereits angesprochen geht es darum den Mitarbeiter in einem Life Cycle zu betrachten und nicht als Element in unterschiedlichen Prozessen. Dann gilt es daran die Interaktionen mit dem Mitarbeiter auszurichten. Wenige Firmen verstehen was ihre Mitarbeiter möchten. Beginnen würde ich mit einer Befragung über die Vorstellungen, Wünsche und Ängste der Mitarbeiter. Dabei gilt es auch die Kompetenz des Managements festzustellen. Gerade in jungen Unternehmen oder Start-ups sind viele Manager, die noch wenig Erfahrung im Umgang und der Förderung von Mitarbeitern haben. Diese Manager gilt es abzuholen, zu schulen und von der Wichtigkeit guter Mitarbeiterentwicklung zu überzeugen. Wenn der Mitarbeiter im Mittelpunkt steht, ist es nicht so wichtig das perfekte Konzept zu besitzen, sondern zu machen.

JAXenter: Was kann ich als Team- oder Abteilungsleiter dafür machen?

Stephan Schmidt: Alles. Der Teamleiter ist der Dreh- und Angelpunkt der Mitarbeiterstrategie. Beginnen würde ich immer mit regelmäßigen One-on-Ones, Treffen mit dem Mitarbeiter in denen der Mitarbeiter im Mittelpunkt steht. Dadurch öffnet sich die Firma neben dem Feedback Kanal vom Mitarbeiter einen direkten Kanal zum Mitarbeiter auf dem alles andere aufbauen kann. Gerade in kleinen Firmen oder Start-ups fällt das oft unter den Tisch und Vorgesetzte haben keine Ahnung worüber ihre Mitarbeiter nachdenken, wie sie Meldungen aus dem Unternehmen aufnehmen oder wie sie sich fühlen. One-on-Ones können sehr informell sein, ein Spaziergang bietet sich geradezu an. Ungemein wichtig ist, dass sie regelmäßig stattfinden, nicht verschoben werden und auf keinen Fall Projektstatus-Meetings sind. Die Zeit gehört dem Mitarbeiter.

Der Teamleiter ist der Dreh- und Angelpunkt der Mitarbeiterstrategie.

JAXenter: Wie halte ich gute Mitarbeiter? Was macht Sie wirklich glücklich – außer Obstkörbe?

Stephan Schmidt: Das zentrale Element für Mitarbeiter, die bleiben, ist eine Perspektive. Mitarbeiter, die keine Perspektive haben, wechseln zu einem anderen Unternehmen, das ihnen eine Perspektive bietet. Eine Perspektive kann die Vision der Firma sein, meist ist es aber eine persönliche Perspektive. Der Mitarbeiter muss sich in drei Jahren noch in der Firma sehen. Am wichtigsten dafür ist Mitarbeiterentwicklung und, dass man sich um den Mitarbeiter kümmert. Kennt man als Mentor oder Vorgesetzter was der Mitarbeiter für seine Entwicklung möchte? Wo seine Stärken sind? Wie ihn die Firma dabei unterstützen kann? Dies erfordert einiges an Zeit, mitunter Monate für das Definieren der Wünsche. Es führt aber dazu, dass Mitarbeiter eine Perspektive sehen und dann auch in der Firma bleiben. In meiner Beratungstätigkeit sehe ich hier immer wieder Schwächen in Unternehmen.

JAXenter: Vielen Dank für das Gespräch!

schmidt_stephanStephan Schmidt arbeitet mit übercto als Berater und Interim CTO für Start-ups. Er hilft, Firmen auf die nächste Stufe zu heben, und ihre technischen Herausforderungen in den Bereichen Sicherheit, Skalierung und Teamaufbau. Zuvor war er in technischen Managementrollen bei Immobilienscout24 und als CTO bei brands4friends/eBay Inc. tätig.

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Geschrieben von
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
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