„Komplexität bringt dich um“

Der kontraintuitive CIO: Je fortschrittlicher das Unternehmen, desto simpler die IT

Nigel Moulton

© Shutterstock.com / Nuk2013

Für CIOs besteht das Paradoxon im Zentrum der IT darin, mit dem Bedürfnis nach einem höheren strategischen Wert einerseits und der Wichtigkeit des Managements der IT-Infrastruktur andererseits zu jonglieren. Nigel Moulton, Speaker auf der JAX London 2015, teilt seine Gedanken über die Notwendigkeit, die Einfachheit in der IT zurückzuerobern, mit uns.

Vor 10 Jahren befragte ein IT-Journalist Paul Coby, den damaligen CIO von Britisch Airways, über seine Pläne. Coby war damals gerade dabei, mit einer massive Überarbeitung der IT der Airline zu beginnen. Cobys Antwort war knapp: „Den Prozess verstehen und ihn vereinfachen. Komplexität bringt dich um.“

Die von ihm vorgenommenen Veränderungen sorgten nicht nur zu betrieblichen Einsparungen in der IT in Höhe von 40 %, sondern führten auch zur einer besseren Funktionalität, Qualität und Integration der Technologie im ganzen Unternehmen. Er hat ba.com buchstäblich transformiert und dadurch die Art und Weise, wie wir auf dem Luftweg reisen, verändert.

Es kann CIOs – die immer häufiger Teil des Leitungsteams sind – leicht passieren, sich in kommerziellen Angelegenheiten zu verstricken, wie etwa dem Unternehmenswachstum, dem Wettbewerb und dem störenden Einfluss des sich ändernden Kundenverhaltens. Vor dem Hintergrund, dass ihr Fokus zunehmend auf die Rolle der Technologie als Ermöglicher der Kundenerfahrung, Mobilität und Zusammenarbeit gerichtet ist, gibt eine wachsende Zahl von ihnen an, dass sie die operative IT gerne delegieren würden (siehe auch: Moving from the back office to the front line, CIO Insights from the Global C-Suite Study, IBM Institute for Business Value, November 2013).

Genau das ist das Paradoxon im Herzen der IT. Einerseits wollen und müssen CIOs mehr Zeit damit verbringen, den strategischen Wert zu erhöhen und weniger damit, die IT Infrastruktur zu managen; andererseits ist eine gut gemanagte IT-Infrastruktur für den aktuellen und künftigen Geschäftserfolg essentiell.

Die Welt verändert sich, und das in den nächsten Jahren immer weiter und schneller. Grenzen verschwimmen: Branchenübergfreifend und zwischen Geschäftsfeldern; zwischen der realen und der virtuellen Welt; zwischen verschiedenen digitalen Kanälen und Geräten; und sogar zwischen „Dingen“. Die Welt ist jetzt ein Computer und jeder und alles bewegt sich  darin umher, erstellt Clouds aus Daten, die erfasst, verarbeitet, analysiert und gespeichert werden können.

Unabhängig davon, ob Sie Gummibänder herstellen oder in der Robotik-Branche tätig sind, werden diese Veränderungen die Art und Weise, wie Sie Neuerungen einführen, Produzieren, Verkaufen, mit Kunden interagieren und in Wettbewerb treten, beeinflussen. Diese Veränderungen haben außerdem weitreichende Konsequenzen für Ihre IT-Infrastruktur.

Viele Unternehmen haben mit der Zeit komplexe und unverbundene IT-Systeme aufgebaut, bei denen mehr als die Hälfe des IT-Budgets (57 Prozent) nur dafür verwendet wird, diese am Laufen zu  halten. Solche Komplexität verlangsamt aber Innovationen, reduziert die Produktivität, bindet wertvolle IT-Expertise und bereitet Organisationen schlecht auf die Art von responsiver, agiler, integrierter und kreativer IT vor, die sie brauchen, um erfolgreich zu sein.

Eine Reaktion darauf könnte darin bestehen, abgeschlossene IT-Systeme durch eine schlanke, konvergente Infrastruktur zu ersetzen. Ein integriertes Angebot, das die disparaten Rechen-, Speicher- und Netzwerktechnologien des Unternehmens zusammenführt und somit der IT-Infrastruktur ermöglicht, die verfügbaren Ressourcen und Kapazitäten optimal zu nutzen.

Der Geschäftsimperativ für solche integrierten IT-Systeme findet sich leicht. Ein Beispiel ist das Bedürfnis nach einem besseren Kontakt zu den Kunden.

In seinen Technologie-Prognosen bis 2020 hebt der Industrie-Analyst Forrester das Spektrum der auf den Kunden fokussierten Aktivitäten, die jetzt von einer integrierten IT abhängig sind, hervor. Dies beinhaltet innovative, kundenzentrierte und kontextuelle Dienstleistungen, untermauert von Konnektivitäts-Lösungen, die Kunden auf noch mehr Wegen auf noch mehr Geräten erreichen können. Diese Services und Lösungen verlangen sowohl nach fortgeschrittenen Analysen, als auch nach beschleunigten Software-Plattformen und Tools, die im Idealfall einen „einfach mal ausprobieren“-Ansatz in der Entwicklung erlauben und die rasche Bereitstellung neuer Services und Anwendungen unterstützen.

All dies steht und fällt mit der Qualität der Infrastruktur. Forrester prognostiziert, dass es sich für eine zunehmende Zahl von Unternehmen dabei um eine agile, leistungsfähige und konvergente IT-Infrastruktur handeln wird. Die besten davon werden für eine für eine maximale betriebliche Effizienz und Flexibilität fortschrittliche Möglichkeiten wie Virtualisierung, softwaredefinierte Technologien und die Cloud nutzen.

Laut eines von der IDC gesponsorten Papers über die Vorteile konvergenter Infrastrukturen für die Agilität von Unternehmen sind diese bereits jetzt zu beobachten. Dazu gehören eine Vervielfachung der Geschwindigkeit, mit der neue Produkte und Services auf den Markt gebracht werden, eine Verfünffachung der Zahl an Anwendungen, die entwickelt und in Unternehmen ausgeliefert werden können, Einsparungen bei den IT-Kosten von einem Drittel, sowie eine 41 %ige Reduktion der Wartungs- und Service-Zeit –  was die IT-Expertise frei macht für wertsteigernde strategische Initiativen und Innovationen.

Im Licht von alldem betrachtet ist es kaum verwunderlich, dass die Verbreitung konvergenter Systeme zunimmt. Der IDC erwartet, dass im Jahr 2015 von je 10 US-Dollar, die für IT-Infrastruktur ausgegeben werden, je 1 Dollar in integrierte Systeme investiert wird. Dieser Anteil soll bis 2018 auf 6 Dollar steigen. Wenn es um die IT-Infrastruktur geht, hat für viele Unternehmen die Zukunft bereits begonnen.

Fakt ist: Die Welt ist in einem schnellen Wandel begriffen. Die IT muss sich mit ihr wandeln, da uns das, was bis hierhin funktioniert hat, nicht weiterbringen wird. Ein guter Ausgangspunkt ist der Kokon aus operativer Komplexität, den IT-Abteilungen um sich selbst herum gesponnen haben. Es ist an der Zeit, Gewicht abzuwerfen und zur Einfachheit zurückzukehren. Denn die Welt ist schon kompliziert genug, so wie sie ist.

Aufmacherbild: Complexity communication wires von Shutterstock.com / Urheberrecht: Nuk2013

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Geschrieben von
Nigel Moulton
Nigel Moulton
Nigel Moulton ist EMEA CTO bei VCE, der Virtualised Computing Environment Company, in London. Moulton hat über 25 Jahre Erfahrung in der IT- und Telekommunikations-Industrie. Zu seinen früheren Arbeitgebern gehören 3Com, DLink und Cisco Systems.
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