Habt euch doch lieb! Aber nicht zu sehr ...

5 Argumente im (fruchtlosen) Streit zwischen Spring und Java EE

Michael Thomas

© Shutterstock/ostill

Die Frage, was denn nun besser sei – Spring oder Java EE – ist so alt wie die Technologien selbst. Doch ist sie überhaupt gerechtfertigt?

Der indische Java-Entwickler Siva Prasad Reddy, der nach eigenen Aussagen sehr gerne sowohl Spring als auch JavaEE nutzt, hat auf seinem privaten Blog Aspekte und Argumente herausgearbeitet, die seiner Erfahrung nach in der nicht enden wollenden – und wie er findet meist nutzlosen – Debatte „Spring versus Java EE“ immer wieder auftauchen.

1. Geschäftliche und (Unternehmens-)politische Aspekte

In vielen Organisationen, insbesondere Großunternehmen, beruht die Wahl einer Technologie nicht allein auf der Vorliebe der Entwickler. Vielmehr wird die Entscheidung für eine Plattform, Sprache, ein Framework oder die verwendeten Bibliotheken häufig von Architekturteams getroffen. Des Weiteren spielen beispielsweise auch Überlegungen im Hinblick auf den angebotenen kommerziellen Support oder Lizenzkosten eine Rolle, die ebenfalls nicht von den Entwicklern beeinflusst werden können.

2. Ist man in Spring oder Java EE bewandert, ist das Erlernen der jeweils anderen Technologie weniger herausfordernd

Reddy ist nach eigener Aussage immer überrascht, wenn ihm jemand gegenüber äußert, dass er ein Java EE-Experte sei, sich aber in Spring nicht auskenne – und umgekehrt. Denn, so Reddy weiter, obwohl sich die APIs in mancherlei Hinsicht unterscheiden, seien sie sich insgesamt doch sehr ähnlich. So ähnlich, dass es kaum verständlich sei, warum nicht beide Technologien gemeistert werden.

3. Was ist benutzerfreundlicher für den „Durchschnitts-Entwickler“?

Wie Reddy anmerkt: Nicht jeder Entwickler ist ein „Rockstar-Entwickler“, d. h. nicht jeder möchte sich kopfüber in Technologien stürzen und sie in- und auswendig erforschen, all ihre Tricks und Kniffe kennenlernen. Der Großteil der Entwickler wird – wie in fast jedem Gewerbe – von ganz normalen Leuten gebildet, die sich vor allem darum scheren, ihre Arbeit zu machen, weshalb Technologien so benutzerfreundlich wie möglich sein sollten. Spring, so Reddy weiter, mache dabei, u. a. durch zusätzliche Tools bzw. Komponenten wie SpringBoot, eine sehr gute Figur. Durch JBossForge, Wildfly, Swarm usw. sei jedoch auch JavaEE eine gute Wahl. Alles in allem kann man Reddy zufolge mit Java EE und Spring die selben Ergebnisse erzielen – nur in der Standardmäßigen Benutzerfreundlichkeit unterscheiden sie sich.

4. Dürftige Argumente ohne Kontext

Reddys Erfahrung zufolge drehen sich viele Streits im Spring-Java EE-Kontext im Grunde um Dinge, die entweder zweitrangig oder schlichtweg veraltet sind. Dazu gehört für ihn beispielsweise das Bashing von EJB und JSF, weil viele mit Problemen der Versionen EJB 2.x und JSF 1.x argumentieren, die in den aktuellen Versionen gar kein Thema mehr sind.

5. Niemanden dafür angreifen, dass er X verwendet und nicht versuchen, ihn zu einer Migration auf Y zu bewegen

Ein gängiges Muster in vielen Diskussionen (vor allem im Internet), in denen es auch nur ansatzweise um Kontroverses geht (und manches mal noch nicht einmal das): „Du machst/nutzt X, also bist du doof! Ich mache/nutze Y, deshalb bin ich toll. Du solltest auch Y machen/nutzen!“. Übertragen auf die Diskussionen „Spring versus Java EE“, die Reddys Ansicht nach zu 70% auf diese Art ablaufen, könnte man zunächst einmal einhaken: Wenn Spring/Java EE so doof und schlecht ist, warum benutzen es dann so viele Leute? Denn letztendlich finde sich in jeder Plattform viel Gutes, weshalb man seine Kontrahenten lieber über diese Qualitäten befragen sollte, anstatt sie von der selbst bevorzugten Technologie überzeugen zu wollen. Falls man gar nicht anders kann als zu missionieren, sollte man dies, so Reddy weiter, mit Fakten tun, also etwa Codebeispiele anbringen und so tatsächlich zeigen, warum die jeweilige Technologie überlegen ist.

Abschließend wünscht sich Reddy jedoch, dass die Debatte und der Streit zwischen den Technologien nie ganz zum Erliegen kommt. Denn so sei in jedem Fall sichergestellt, dass sie stetig weiterentwickelt werden und Entwicklern die bestmöglichen Plattformen zur Verfügung stehen – egal, welche davon letztendlich bevorzugt wird.

Aufmacherbild: one caucasian couple man and woman face to face screaming shouting dipute in studio silhouette isolated on white background von Shutterstock / Urheberrecht: ostill

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Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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