Der Duke entdeckt DIY: Open-Source-Hardware „DukePad“ auf der JavaOne vorgestellt

Diana Kupfer

Das Publikum auf der JavaOne staunte nicht schlecht, als die JavaFX-Experten Jasper Potts und Richard Bair ihre JavaFX-Demo am Ende der gestrigen Eröffnungskeynote mit einem Tablet-PC Marke Eigenbau bestritten: dem DukePad, dessen Bestandteile in der Summe nicht mehr als 300 Dollar kosten, wie Potts mitteilte. Es gibt sogar eine eigene Website mit Bauanleitung und Einkaufsliste. Das DukePad ist also offene Hardware, die jeder nachbauen kann.

Sein Herzstück ist ein Raspberry Pi, und zwar das neuere Modell B, das mit 512 MB Arbeitsspeicher wesentlich besser ausgestattet ist als der Vorgänger (Modell A mit 256 MB). Derzeit erhält man es für einen Marktpreis von ca. 35 US-Dollar. Auf dem DukePad läuft JavaSE Embedded 8 unter Raspbian, dem für den Raspberry Pi gängigen, Debian-basierten Betriebssystem. Außerdem kommt das Java-OSGi-Framework Equinox zum Einsatz.

DukePad: OpenSource-Hardware made by Oracle (Bild: https://wiki.openjdk.java.net/display/OpenJFX/DukePad)

Zusammenarbeit mit Chip-Herstellern

Das DukePad auf der Keynote-Bühne der JavaOne sendet ein wichtiges Signal an die DIY- bzw. Open-Hardware-Bewegung, die Ian Skerrett (Eclipse Foundation) auf dem M2M Summit neulich als Vorbild für die Open-Source-Entwicklung insgesamt bezeichnet hatte. Präsentiert wurde das selbstgemachte Tablet sicher nicht nur deshalb, weil zeitgleich an der Ostküste die New Yorker Elektronik-Bastler-Messe Maker Faire stattfand, wo Keynotes unter zunächst abenteuerlich klingenden Mottos wie „The Industrial Age is over: Welcome to the Maker Age“ oder „Solving World Challenges Through Making“ gehalten werden und mit den Hauptzutaten Arduino und Raspberry Pi gebastelt, gelötet und experimentiert wird, was das Zeug hält. Es geht vielmehr um die Anerkennung der Open-Hardware-Communities und – noch viel wichtiger – um eine intensivere Zusammenarbeit mit Chipherstellern wie ARM oder Gemalto, die sich auch unter den Sponsoren der JavaOne befinden. Kein Zweifel: Eine Vereinheitlichung der Java-Plattform, wie Nandini Ramani sie gestern ankündigte, erfordert eine enge Verzahnung der Software- mit der Hardware-Entwicklung.

Viele Gründe für DIY

Dass DIY-Hardware auch unter Entwicklern von Unternehmenssoftware immer mehr in Mode kommt, hat noch viele andere und teilweise sehr individuelle Gründe. Einer davon ist sicherlich der Wunsch nach Transparenz: Wer eine fundierte Kenntnis über das Zusammenspiel von Soft- und Hardware besitzt, kann die eigene Software besser auf die verfügbaren Hardware-Ressourcen abstimmen. Umgekehrt lässt sich „customized“ Hardware vorzüglich erweitern und damit an den eigenen Bedarf anpassen – und zwar nicht nur dadurch, dass man ein wenig Arbeitsspeicher hinzukauft.  

Gerade Einplatinenrechner wie der Raspberry Pi – aber mittlerweile gibt es schon eine ganze Reihe Alternativen wie das CubieBoard –, eignen sich zudem hinaus hervorragend als Prototypen, als billige Testsysteme.  

Ein nicht zu vernachlässigender Grund für den Einzug der Bastler-Kultur in die Unternehmenssoftwareentwicklung scheint jedoch ein wesentlich schlichterer zu sein: der Spaßfaktor. Der wurde gestern im Dialog zwischen Mark Reinhold und Jasper Potts sowie in der Reaktion des Publikums auf den kleinen Taschencomputer offensichtlich. Dass das DukePad etwas schwach auf der Brust ist und auch in Sachen Design nicht ganz mit den Pendants aus den Großfabriken mithalten kann, ist dabei zweitrangig, denn: Wer nicht nur die Software entwickelt, sondern auch die Hardware selbst gebaut hat, für den ist das Erfolgserlebnis umso größer.

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Diana Kupfer
Diana Kupfer
Diana Kupfer war Redakteurin bei S&S Media für die Zeitschriften Java Magazin, Eclipse Magazin und das Portal JAXenter. 
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