Der Android auf dem Handy

Das SDK

Um Applikationen für Android zu entwickeln, bietet Google seit Mitte November eine Preview des Adroid SDKs an, welches neben Development und Debugging Tools die Android Libraries, einen Device Emulator sowie eine Dokumentation mit Beispielprojekten, Tutorials und FAQs bereitstellt. Voraussetzung für das SDK ist eine x86-Plattform. Es sind wahlweise Versionen für Windows XP/Vista, Mac OS X ab Version 10.4.8 oder Ubuntu Linux verfügbar. Wer nicht auf der Kommandozeile arbeiten möchte, der kann das Eclipse-Plug-in verwenden, das Eclipse 3.2 sowie die entsprechenden Java Development Tools voraussetzt. Die Android Tools umfassen einen Emulator, einen Debug Monitor, eine Debug Bridge, ein Packaging Tool, SQLite, einen Trace Visualizer, einen Disk Image Generator, den Bytecode Translator sowie ein Tool zum Erstellen von Ant-Skripten. Mithilfe des Eclipse-Plug-ins wird eine komfortable Entwicklung in der Eclipse-Entwicklungsumgebung möglich. Der im SDK enthaltene Emulator ist ein Hardware-Emulator, der verschiedene Gerätetypen emulieren kann, sodass man Anwendungen mit verschiedenen Displaygrößen und Ausrichtungen und mit Tastatur oder Touch Screen testen kann.

Marktfragmentierung

Obwohl Jonathan Schwarz – CEO von Sun – die Aktivitäten von Google und der Open Handset Alliance und vor allem ihre Unterstützung von Java in seinem Blog gelobt hat, ist klar zu erkennen, dass sich Google aus dem bisherigen Java System, das über den 1999 von Sun ins Leben gerufene Java Community Process (JCP) standardisiert wird, loslöst und eigene Wege einschlägt. Android ist nicht Teil des JCP, da dieser laut Google für Android nicht geeignet sei. Um Performanz und Offenheit zu verbessern, will Google mit Dalvik eine auf Geräte mit beschränkten Ressourcen optimierte Umgebung schaffen. Hierbei liefere man im Gegensatz zu anderen Organisationen keine Java- bzw. Plattform-Spezifikationen, sondern ein fertiges Produkt. Interessanterweise ist Google selber Mitglied im JCP Executive Committee – allerdings nur für den Bereich Java SE und EE. Auch Motorola als ein wichtiges Mitglied in der Open Handset Alliance ist zugleich sehr aktiv im JCP und in der Java ME Standardisierung und Entwicklung.

Google liefert zwar mit Android eine in sich konsistente und optimierte Plattform, die vom Betriebssystem bis zum Application Framework den gesamten Stack abdeckt und Google dadurch eine einfachere und schnellere Anwendungsentwicklung verspricht, erhöht aber durch die proprietäre Java-Umgebung ganz klar die Fragmentierung im Markt, was die Komplexität für Entwickler erhöht, die jetzt eine weitere Plattform unterstützen müssen. Als Entwickler kann man zwar sein Java Know-how zum größten Teil wiederverwenden, die Applikationen müssen allerdings komplett neu entwickelt werden, da sich Android an so gut wie keinen der bestehenden Java Standards hält. Android-Anwendungen sind nicht mit anderen Java-Plattformen kompatibel, da sich sowohl das Class-File-Format als auch die verfügbaren APIs sowie das Anwendungsmodell unterscheiden. So gibt es unter Android zum Beispiel keine MIDlets mehr, sondern das Standardanwendungsmodell ist die Activity-Klasse. Durch das komplett neue Framework muss man sich als Entwickler erst einmal neu einarbeiten. Die ohnehin schon große Fragmentierung im mobilen Java-Bereich, die man durch Initiativen wie die Mobile Service Architecture im JCP versucht zu reduzieren, wird durch Android noch weiter erhöht.

Wie geht es weiter

Google hat zwar im Moment kein eigenes Handy angekündigt, hat die Möglichkeit eines eigenen Gerätes aber auch nicht verneint. Außerdem hat man die Möglichkeit angedeutet, dass sich Android grundsätzlich auch für KFZ-Navigationssysteme, Set-Top-Boxen oder die von Intel forcierten Mobile Internet Devices (MID) eignen würde. Vor allem scheint es Google aber darum zu gehen, die Anzahl mobiler Internetnutzer insgesamt und damit auch den Zugriff auf Google Services zu erhöhen, was sich dann wieder positiv auf die Werbeeinnahmen auswirkt. Auf jeden Fall versucht Google mit der Teilnahme an der Versteigerung des 700 MHz Mobilfunkspektrums in den USA im Januar 2008 bereits den nächsten Coup zu landen. Eine eigenen Advanced Wireless Network Technologie testet man bereits jetzt in der Google Firmenzentrale im Kalifornischen Mountain View.

Kay Glahn ist unabhängiger IT-Berater mit den Schwerpunkten Wireless Applications und Mobility. Er berät internationale Kunden bei der Umsetzung von Projekten im Mobile-Bereich.

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