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Interview mit Andreas Mohrhard

„Den klassischen App-Server finden wir in Cloud-Umgebungen eher selten wieder“

Hartmut Schlosser

Andreas Mohrhard

Mit Amazon Web Services Lambda und API Gateway lassen sich ohne expliziten Server Microservices in der Cloud deployen. Ein spannender Ansatz, über den wir uns Im Rahmen der DevOpsCon 2015 in München mit Andreas Mohrhard (CoSee) unterhalten haben.

JAXenter: Hallo Andreas! Du beschäftigst dich auf der DevOpsCon mit Amazon Web Services Lambda und API Gateway. Worum geht es dabei?

Andreas Mohrhard: Lambda erlaubt es, mehr oder weniger kleine Code-Stücke in der Cloud zur Ausführung bereitzustellen. Diese Funktionen können auf verschiedene Events reagieren. Anfangs waren hier nur Amazon-interne Aktionen möglich. Zusammen mit API Gateway können Lambda-Funktionen mittlerweile auch über HTTP angesprochen werden. Damit lassen sich sehr einfach kleine, skalierbare (REST)-Services entwickeln, die dazu noch kostengünstig zu betreiben sind.

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JAXenter: Weshalb ist der AWS Lambda Service für dich persönlich so interessant?

Andreas Mohrhard: Den Reiz einer auf Lambda aufbauenden Architektur ist im Wesentlichen das Preismodell. Anders als bei virtuellen Maschinen in der Cloud wird hier nicht im Stundentakt abgerechnet. Bei Lambda bezahlt man nur die tatsächlich verbrauchte Rechenleistung auf die Zehntelsekunde genau. Gerade für Umgebungen, die nur sporadisch benutzt werden, ist das Modell besonders interessant, da hier nur bei Benutzung Kosten entstehen, und wenn plötzlich mehr Anfragen gestellt werden, skaliert Lambda automatisch und ohne große Vorlaufzeit.

JAXenter: Wie würdest du AWS bzw. den Lambda Service im Vergleich zu anderen Cloud-Angeboten bewerten? Gibt es anderswo etwas Vergleichbares?

Andreas Mohrhard: Der einzige mir bekannte Dienst, der schon länger ähnliche Funktionalität anbietet, ist iron.io. Bei IronWorker hat man mehr Kontrolle über die Bearbeitung der Aufgaben, und es werden mehr Programmiersprachen unterstützt, wie z.B. Go, Ruby oder Scala. Die Umgebungen, in denen der Code ausgeführt wird, basieren auf Docker-Containern, und somit werden hier kaum Grenzen gesetzt.

Auf der diesjährigen re:Invent hat Amazon diverse neue Services vorgestellt, die auf Lambda zurückgreifen: AWS Config Rules und die neue IoT Platform setzen beide auf Lambda-Funktionen, um dem Entwickler die Möglichkeit zu geben, eigenen Code laufen zu lassen. Der Vorteil von Lambda liegt defintiv in der tiefen Integration in andere AWS-Dienste. Eine der ersten Integrationen war die Möglichkeit, auf Datei Uploads in S3 über Lambda zu reagieren und damit Aktionen auszulösen. Beispielsweise kann eine Lambda-Funktion automatisch Thumbnails für hochgeladene Bilder erzeugen.

JAXenter: „Ganz ohne Server?“, das ist die Frage, die du in deiner DevOpsCon-Session mit „Ja“ beantwortest. Würdest du sagen, dass die guten alten App-Server ein Auslaufmodell sind?

Andreas Mohrhard: Den klassischen App-Server finden wir als Produkt in Cloud-Umgebungen eher selten wieder. Bei genauerem Hinsehen bewegen wir uns aber sehr nahe an dessen Modell. Jedoch sucht man sich hier genau das aus, was man für den jeweiligen Service benötigt, um eine maßgeschneiderte Umgebung zur Verfügung zu haben.

JAXenter: Wo liegt die Verbindung von Lambda und API Gateway zu DevOps?

Andreas Mohrhard: Obwohl wir immer wieder Anleihen bei den „Großen“ nehmen, haben wir nicht die Kapazitäten wie beispielsweise Netflix, um umfangreiche Toolings zu entwickeln. Deshalb kommt jede Chance gelegen, den DevOps-Aufwand gering zu halten. In Lambda und API Gateway sehen wir eine solche Chance.

Lambda ermöglicht es, in bestimmten Bereichen sehr schlanke Lösungen zu entwickeln und zu betreiben, ohne dass Betriebssystem Updates oder Sonstiges relevant wären. Noch stellt Amazon kaum Möglichkeiten zur Verfügung, größeren Applikationen einfach Herr zu werden. Hier gibt es noch einige Herausforderungen, die man unter „DevOps“ einsortieren könnte. Mir persönlich geht es bei DevOps auch immer darum, mit möglichst wenig Aufwand möglichst gute Ergebnisse zu erhalten. Mit Lambda sehe ich da einen Service, der es erlaubt, sich voll und ganz auf die Kernfunktionaltität zu konzentrieren.

JAXenter: Vielen Dank für diese interessanten Einblicke!

Andreas Mohrhard entwickelt bei CoSee hochskalierbare Plattformen für die Auslieferung von digitalem Content. Aktuell beschäftigt er sich mit Microservice-Architekturen, Build Automation, Container-Technologien wie Docker und Infrastructure as Code.
Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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