Interview mit Dr. Christian Kurze

Multi-Cloud-Cluster: „Viele Unternehmen richten ihre Strategie zunehmend auf mehrere Cloud-Provider aus“

Dominik Mohilo

Dr. Christian Kurze

Nach dem Sprung in die Cloud steht für viele Unternehmen nun die Frage im Raum: Auf welche Cloud sollen wir setzen? Mittlerweile ist die Tech-Branche allerdings schon wieder einen Schritt weiter, die neue Strategie lautet Multi-Cloud-Cluster, also das Verteilen der Daten auf mehrere Clouds unterschiedlicher Anbieter. Wir sprachen mit Dr. Christian Kurze, Principal Solutions Architect bei MongoDB, über die Möglichkeiten des Multi-Cloud-Clusterings und darüber, wann der Einsatz sich wirklich lohnt.

JAXenter: Hallo Herr Kurze, MongoDB stellt seit wenigen Tagen Multi-Cloud-Cluster bereit. Was genau ist damit gemeint?

Dr. Christian Kurze: Multi-Cloud-Cluster in MongoDB Atlas bedeuten, dass die Vorteile der nativen Tools und Services auf AWS, GCP und Azure gleichzeitig und ohne zusätzliche Komplexität im Datenmanagement genutzt werden können. Atlas verteilt die Daten automatisch über die Clouds hinweg und stellt sie somit für die jeweils nativen Cloud-Services bereit. Entwickler und Administratoren können sich also auf die Nutzung der Services zur Umsetzung neuer Features konzentrieren und sich zurücklehnen, was das Datenmanagement angeht – Atlas übernimmt.

JAXenter: Wie sieht das Ganze auf technischer Ebene aus? Also wie kann eine Datenbank gleichzeitig in mehreren Clouds bereitgestellt werden?

Dr. Christian Kurze: Da es sich bei MongoDB um ein von Haus aus verteiltes Datenbanksystem handelt, ist auch die Bereitstellung über mehrere Clouds möglich. Multi-Cloud-Cluster nutzen denselben Ansatz und bieten die gleichen Funktionen wie Cluster, die sich über mehrere Regionen innerhalb einer Cloud erstrecken. Das beinhaltet auch Cloud Backups, automatisches Data Tiering, die Trennung von operativ-transaktionalen und analytischen Workloads. Das Management derartiger Cluster ist sehr einfach: Man sucht sich aus, wo die Daten liegen sollen und Atlas kümmert sich um den Rest – ergo Management und Migration. Daten werden automatisch verteilt und Änderungen an der Konfiguration oder Upgrades werden wie gewohnt rollierend ohne Auswirkung auf die nutzenden Applikationen durchgeführt.

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JAXenter: Welche Vorteile hat der Betrieb von Multi-Cloud-Clustern? Gibt es besondere Anwendungsbeispiele, für die sich diese Art des Hostings lohnt?

Dr. Christian Kurze: Ja, MongoDB Atlas hilft bei der Umsetzung einer flexiblen Multi-Cloud-Strategie. Über AWS, GCP und Azure hinweg kann eine Datenbank global verteilt in derzeit 79 Regionen ausgerollt werden. Daraus ergeben sich eine Reihe von Vorteilen: Die Nutzung der best-of-breed Funktionalität in verschiedenen Clouds, z. B. AWS Lambda-Funktionen, Google Cloud AI/ML und Azure IDE Tools; Mobilität zwischen Clouds, das heißt mit Multi-Cloud-Clustern können Daten ohne Downtime zwischen den Providern migriert werden; Hochverfügbarkeit über die Grenzen eines Cloud-Providers hinweg, das heißt selbst bei regionalen oder gar kompletten Ausfällen eines Hyperscalers funktioniert die Datenbank nahtlos weiter. Kunden bestimmen selbst, dass Daten niemals eine definierte Region verlassen, z.B. können Cluster in Frankfurt über AWS, GCP und Azure hinweg erstellt werden.

Typische Anwendungsgebiete sind immer dort zu sehen, wo Endkunden die Verfügbarkeit von Daten auf verschiedenen Cloud-Providern einfordern. SaaS- und B2C-Unternehmen können ihren Kunden mit Multi-Cloud-Clustern eine Auswahl an Regionen anbieten, wo Daten gespeichert werden – entsprechend ihrer Wünsche und Compliance-Anforderungen. Ebenso können Daten in zusätzlichen Regionen mit minimaler Latenz angeboten werden, z. B. in Ländern, in denen derzeit nur ein bestimmter Provider verfügbar ist.

JAXenter: Warum nicht auf eine Cloud setzen – für welche Art der Anwendungen ist Multi-Cloud-Clustering eher ungeeignet?

Dr. Christian Kurze: Es ist vollkommen klar, dass nicht jede Applikation einen Multi-Cloud-Cluster benötigt. Wir sehen bei unseren Kunden viele Projekte, die auf einer einzelnen Cloud implementiert sind. Dennoch richten viele Unternehmen ihre Strategie zunehmend auf mehrere Cloud-Provider aus; und genau dafür bieten Multi-Cloud-Cluster auch eine Sicherheit, denn es kann zu jeder Zeit ohne Downtime über einen rollierenden Vorgang der Provider zu Datenhaltung entweder gewechselt oder auf zusätzliche Provider erweitert werden.

JAXenter: Wie sieht es mit der Sicherheit aus? EINE Cloud abzusichern ist schon schwierig – aber gleich mehrere?

Dr. Christian Kurze: MongoDB Atlas wird bei Firmen wie Bosch, Cisco und Forbes eingesetzt. Dabei liegt der Fokus natürlich unter anderem auf Enterprise-Features, insbesondere die Umsetzung hoher Sicherheitsanforderungen. So können beispielsweise Basisabsicherungen, wie der verschlüsselte Datentransfer zwischen Applikationen und Datenbank sowie zwischen den Datenbank-Nodes selbst nicht deaktiviert werden. Die volle Automatisierung in Atlas verhindert manuelle Fehlkonfigurationen, etwa bei Firewall-Regeln oder Zertifikaten. Wir haben auch permanent weitere Innovationen eingeführt, wie beispielsweise Client-Side Field-Level Encryption. Das ist eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Daten, sodass selbst Administratoren lediglich verschlüsselte Informationen zu sehen bekommen.

Dr. Christian Kurze arbeitet als Principal Solutions Architect bei MongoDB. Als Experte für Datenmanagement und Datenintegration liegt sein Fokus in der Generierung von Mehrwert aus Daten. Vor seiner Tätigkeit bei MongoDB war er in den Feldern Datenvirtualisierung, Business Intelligence und aktivem Metadatenmanagement aktiv. Herr Kurze promovierte zur Automatisierung von Data Warehouse Systemen und ist Autor von Fachbeiträgen sowie regelmäßiger Sprecher auf Konferenzen.

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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