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Interview zur IoT Conference mit Dr. Tobias Brombach

Data Science in der Industrie: Nicht reden, sondern loslegen!

Thomas Petzinna

© Shutterstock.com / wk1003mike

Glaubt man vielen Zukunftsszenarien, so ist die Arbeitswelt von morgen vorgezeichnet: Der Mensch wird im Rahmen der technischen Datenevolution zunehmend entmündigt. Doch ist die datengestützte Technologie nur negativ zu bewerten? Anlässlich der Internet of Things Conference in München sprachen wir zu diesem spannenden Thema mit dem Speaker und Data Science-Spezialisten Dr. Tobias Brombach.

Er macht Mut. In packenden Anwendungsfällen zeigt Dr. Tobias Brombach in seinen Vorträgen, dass KI & Co schon heute klassische Arbeitsfelder bereichert und Raum für Innovation schafft, aber auch, wie herrlich schief das blinde Vertrauen in IoT und Big Data gehen kann. In unserem Interview beschreibt er die Chancen und Risiken der datengestützten Technologien in der Industrie.

Auch kleine Data-Science-Analysen können einen Mehrwert bringen

JAXenter: Glaubt man den gängigen Zukunftsszenarien, so werden Maschinen die Menschen ersetzen und diese in die Arbeitslosigkeit führen. Teilen Sie diese pessimistische Einschätzung?

Dr. Tobias Brambach: Nein. Viele Maschinen gibt es ja ohnehin schon, und in der Vergangenheit hat neue Technologie fast immer zu höherer Produktivität und schlussendlich mehr Beschäftigung und Wohlstand geführt. Inwiefern sich durch die Technologien rund um die Datenökonomie gängige Wirtschaftsmodelle verändern, ist aber noch sehr schwer absehbar.

JAXenter: Daten sind das neue Öl. Wie können Daten-Science-Anwendungen die Industrie unterstützen?

Dr. Tobias Brambach: Data-Science ist die Raffinerie für das Öl. Sie hilft, aus dem Rohstoff nicht nur heiße Luft, sondern ein hochwertiges Produkt zu machen. Vor allem in den hippen Themenfeldern Predictive Maintenance und Predictive Quality, in denen Fehler möglichst schnell und sicher erkannt werden müssen, bevor sie wirtschaftliche Auswirkungen haben. Hier lohnt es sich, neben den betriebswirtschaftlichen Aspekten auch Wert auf eine wissenschaftliche Methodik zu legen.

JAXenter: Viele Unternehmen scheuen sich davor, in die Big-Data-Technologie einzusteigen. Warum lohnt es sich, „klein“ zu starten?

Dr. Tobias Brambach: Weil nicht immer der Predictive Maintenance Business Case auf der Straße liegt. In vielen Fällen konnten wir schon durch einen spezifischen Blick auf die Daten oder kleine Analyseprojekte mit direktem Anwendungsbezug einen internen Mehrwert für Service, Produktion und Entwicklung erzeugen. Dabei legen wir sehr viel Wert auf die Weiterbildung unserer Kunden in Bezug auf ihre Daten und die daraus entstehenden Möglichkeiten.

JAXenter: Innovationen werden von Menschen gemacht, weil diese kreativer als Maschinen sind. Stimmt dieser Satz in Zeiten von KI noch?

Dr. Tobias Brambach: Meine ganz persönliche Einschätzung? In der Industrie noch mindestens für die nächsten 10 Jahre. Ich würde mich sogar freuen, wenn es schneller ginge, aber die Technologie ist in vielen Anwendungsfeldern noch nicht weit genug, und in der Industrie haben wir noch einige Hausaufgaben zu lösen.

JAXenter: Welche Erkenntnis sollte jeder Besucher Ihrer Session auf der diesjährigen Iot Conference in München mit nach Hause nehmen?

Dr. Tobias Brambach: Das kann ich so gar nicht sagen. Meistens nimmt sich jeder etwas anderes mit. Dass man auch mit kleinen Datenmengen loslegen und Mehrwerte erzeugen kann, dass Daten sammeln auch immer bedingt, sich früh mit der Datenqualität zu befassen, oder warum die prestigeträchtigen Anwendungsfälle künstlicher Intelligenz noch ein ganzes Stück von der Industrieapplikation entfernt sind. Außerdem machen Daten Spaß.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

Dr. Tobias Brambach hat Physik studiert und im Rahmen seiner Forschungsarbeiten am CERN im Jahr 2013 an der TU Dortmund promoviert. Er hat danach in der Industrie im Bereich Informationsmanagement und Digitalisierung gearbeitet und Anfang 2016 mit zwei Kollegen die Point 8 GmbH als Data-Science-Startup gegründet.
 
Geschrieben von
Thomas Petzinna
Thomas Petzinna
Thomas Petzinna studierte Wirtschaftskommunikation an der FHTW Berlin. Als Spezialist für strategisches Content Marketing, SEO und Social Media liegt sein Fokus darüber hinaus auf das Thema Digitalisierung. Bei Software & Support Media ist er als Redakteur für entwickler.de und das PHP Magazin zuständig.
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