Im Gespräch: Philipp Lee, Präsident der Object Design Division von eXcelon

Das Web wandelt die Begriffe

Sebastian Meyen

Object Design, Anbieter des objektorientierten Datenbanksystems Object Store, machte sich eines Tages daran, sich von einer Single-Product Company zu einem Unternehmen mit mehreren Produkten im Portfolio zu mausern. So entstanden der EJB-Daten-Cache Javlin sowie die Produktreihe eXcelon. Zwischenzeitlich setzte man voll und ganz auf die XML-Produktpalette, bevor sich die Strategie abermalig änderte. Philipp Lee, Präsident der Object Design Division beim Unternehmen eXcelon, erzählt, wo das Unternehmen heute steht.

Java Magazin: Aus Raider wurde eines Tages Twix und auf allen Plakatwänden war zu lesen: Raider heißt jetzt Twix. Aus Object Design wurde eines Tages 2000 eXcelon, aber schon nach einem Jahr gab es wieder Object Design. Was ist passiert? Hat sich die Ausrichtung des Unternehmens als derartig nachteilig erwiesen, dass schnell gehandelt werden musste?
Philipp Lee: eXcelon existiert noch immer: Object Design ist ein Geschäftsbereich der eXcelon Corporation. Im Januar 2000 haben wir die Firma in eXcelon Corporation umbenannt, um deutlich zu machen, dass wir neben unseren marktführenden OODB-Produkten eine vollständige B2B-Lösung mit XML-Technologie anbieten. Aufgrund der wachsenden Marktakzeptanz von ObjectStore, PSE/Pro und Javlin sahen wir eine riesige Chance, diesen Markt durch die strategische Ausrichtung unserer Ressourcen auszuschöpfen. Der CEO von eXcelon, Bob Goldman, holte mich, um den Geschäftsbereich Object Design profitabler zu machen. Der Geschäftsbereich Object Design wurde als eigenständige Organisation mit eigenen Vertriebs-, Marketing-, Kundenservice- und Technikabteilungen gegründet.

JM: Wie genau pictureet sich nun die neue Struktur auf das Unternehmen oder besser: die Unternehmensteile in Deutschland ab?
Lee: In Deutschland verfügt der Geschäftsbereich Object Design über ein eigenes Vertriebs- und Marketingteam, das für den deutschen OODB-Markt zuständig ist. Wir arbeiten sehr eng mit unseren B2B/XML-Kollegen zusammen, um gemeinsame Kunden zu erschließen.

JM: Wie wichtig ist dem Gesamtunternehmen eXcelon/Object Design der deutsche und europäische Markt im Vergleich zum weltweiten Markt? Im Netz gibt es keine deutschsprachige Object Design-Website…
Lee: Der deutsche und der europäische Markt sind absolut entscheidend für den zukünftigen Erfolg der eXcelon Corporation und des Geschäftsbereichs Object Design. Mit Kunden wie Siemens, Deutsche Telekom, British Telecom, Orange, Ericsson, AXA, Swiss Re und Laing haben wir in diesem Raum sehr wichtige Kunden, die einen beträchtlichen Beitrag zum Umsatzaufkommen der Object Design Division und der eXcelon Corporation leisten. Es stimmt zwar, dass wir unseren Web Content nicht lokalisieren, aber wir bieten deutschsprachige Marketing- und Werbematerialien sowie Seminare in deutscher Sprache an.

JM: Letztes Jahr sagte Ihr Unternehmen in einem Interview im Java Magazin, sie wollten im Markt für B2B-Lösungen und Portal-Technologien die Erfolgsstory von Object Design wiederholen – hat Ihr Unternehmen heute die dynamischen Erfolgsstories satt und setzt eher auf Konsolidierung?
Lee: Ganz und gar nicht: Wir haben kürzlich die Fusion der eXcelon Corporation mit C-Bridge bekannt gegeben, um den B2B/XML-Markt auszubauen. Durch die Zusammenlegung der Ressourcen unserer B2B-Organisation und der vertikalen Lösungen von C-Bridge haben wir uns eine gute Ausgangsposition verschafft, um den ECM-Markt (Enterprise Commerce Management) zu erschließen. Durch EMC erhalten Unternehmen die Möglichkeit, die Systeme der nächsten Generation aufzubauen, die sich über die gesamte Wertschöpfungskette des Unternehmens erstrecken und die Lieferanten, Kunden und Handelspartner eines Unternehmens einbinden. Object Design wird sich weiterhin darauf konzentrieren, Datenmanagementprodukte an Unternehmen zu verkaufen, die Infrastrukturkomponenten benötigen. Dabei ergänzen sich die Strategien in hohem Maße. So wird beispielsweise Object Design das Produkt Javlin, ein Cache Manager für Applikationsserver wie BEA WebLogic Server, anbieten.

JM: Anfang 2000 hieß es ferner, der Markt für Datenbanken sei gesättigt, hier seien keine ernstlichen Wachstumspotenziale zu sehen. Ist die Situation heute gravierend anders?
Lee: Hier muss man sehen, wie der Trend zu Web-Applikationen zu einem Wandel der Begriffe und der Nachfrage nach dem, was wir unter Datenbanksoftware verstehen, führt. So hat beispielsweise Larry Ellison, CEO bei Oracle, auf der JavaOne über die Notwendigkeit einer hohen Performance von Java-Applikationen gesprochen und dabei gesagt, dass es im Wesentlichen drei Möglichkeiten zur Steigerung der Java-Performamce gibt: Caching, Caching und nochmals Caching. Die Implementierung von Caching-Strategien auf Unternehmensniveau macht eine Datenbank erforderlich. Die Anbieter von Datenbanken haben erkannt, dass sich die Paradigmen des Markts gewandelt haben, und definieren Produkte jetzt auf eine etwas andere Weise, d.h. wir positionieren Javlin als EJB Data Cache Manager. Die Wachstumstrends im Markt für Applikationsserver dürften ein besserer Indikator dafür sein, in welchem Bereich die Datenbanktechnologie zukünftig eine Rolle spielen wird. Und natürlich gibt es auch andere Wachstumsfelder.

JM: Welche Ihrer Technologien und Produkte sind heute in welchen der beiden Unternehmensteile angesiedelt?
Lee: Object Design vermarktet und vertreibt unsere Datenmanagementprodukte auf Java- und C++-Basis, darunter ObjectStore (Java und C++), Javlin – der EJB Data Cache Manager für Applikationsserver – und PSE Pro (Java und C++) – eine kompakte, einbettungsfähige Datenbank – sowie unsere vor kurzem vorgestellte RTEE – für die schnelle Erfassung und Analyse von Echtzeitereignisdaten. Der (mit C-Bridge fusionierte) B2B-Bereich wird die Enterprise-Commerce-Management-Lösungen vermarkten und vertreiben, darunter XIS (eXcelon Information Services), BMP (Business Process Manager) sowie Stylus als XML-Edition.

JM: Arbeiten die Entwicklungsabteilungen der beiden Häuser zusammen oder getrennt? Immerhin sind die Technologien von Object Design und eXcelon eng miteinander verwandt …
Lee: Wir haben getrennte Entwicklungsteams für Object Design und eXcelon, die im selben Gebäude untergebracht sind. Wie Sie wissen, sind Funktionen von ObjectStore in einige Produkte wie XIS und BPM eingebettet, sodass sie weiterhin die wichtigsten OEM-Applikationen von ObjectStore bleiben.

JM: Welche Rolle spielt heute die Java-Technologie in Ihrem Hause? Sind neben Ihrem Datenbankgeschäft weitere Produkte in Vorbereitung?
Lee: Java ist eine Technologie, die für Object Design von entscheidender Bedeutung ist. Wir sind in mehreren Standardisierungsgremien für die Weiterentwicklung der Sun Java-Gemeinde vertreten und helfen, die Richtung speziell für Datentechnologien in Java festzulegen. Ein Produktbereich, mit dem wir uns beschäftigen, sind domain- oder lösungsspezifische APIs (Application Programming Interfaces); ein Beispiel hierfür ist unsere Real Time Event Engine (RTEE).

JM: Ihr Daten-Caching-Produkt Javlin arbeitet mit BEA WebLogic und IBM WebSphere zusammen. Sind weitere vergleichbare Partnerschaften in Planung (iPlanet, Borland, …)?
Lee: Javlin kann zusammen mit jedem Applikationsserver auf J2EE-Basis eingesetzt werden. Die technische Integration mit BEA und IBM, deren Anteil am Markt für EJB-Applikationsserver bei etwa 50 Prozent liegt, haben wir inzwischen abgeschlossen. Genau wie beim BEA WebLogic Server Javlin kann auch die Performance einer iPlanet-Applikation durch Javlin um das Dreißigfache gesteigert werden. Wir werden auch mit anderen Anbietern enge Partnerschaften eingehen, wenn sich die entsprechenden Investitionen rechnen.

JM: Nach dem Schock der Dotcoms im letzten Jahr gibt es in diesem Jahr wieder ein neues Schlagwort, das jeder verwendet: Web Services. Wie steht Ihr Unternehmen dazu?
Lee: Viele unserer derzeitigen Kunden liefern Web Services. In Deutschland gehören hierzu ClickShip Direct und Siemens. Wir ergänzen die Kernprodukte durch zusätzliche Funktionen und liefern auf der Basis dieses Kerns Produkte mit APIs, die insbesondere für Unternehmen wertvoll sind, die Applikationen für Web Services entwickeln. Ein gutes Beispiel hierfür ist die vorhin erwähnte RTEE; wir verstecken die Komplexität von ObjectStore und liefern eine Plug-and-Go-Schnittstelle, die Unternehmen eine schnelle Hinzufügung von Funktionen für die Echtzeiterfassung und -abfrage von Ereignisdaten für die umfangreichen und unvorhersagbaren Datenmengen ermöglichen, die im Web auftreten können.

JM: Vielen Dank für das Gespräch.

Philipp Lee ist seit Mai 2001 Präsident von Object Design. Er ist verantwortlich für die Strategieentwicklung, daneben für Verkauf, Marketing, Professional Services sowie für Produktplanung- und Entwicklung. Davor war Philipp Lee Präsident und CEO von Domain Pharma Corp. Lexington, Mass. Vor dieser Tätigkeit war Lee Vize-Präsident für weltweiten Handel und Services bei der BBN Software Products Corp.
Philipp Lee hatte außerdem Positionen bei Interleaf. Inc, Oracle Corporation, Digital Equipment Corporation und General Motors inne. Er hat einen Bachelor of Science Degree und den Master’s of Engineering Degree in Operations Research und Industrial Engineering von der Cornell University in Ithaca, N.Y.

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Sebastian Meyen
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