Das Java-Jahr aus der JAXenter-Perspektive

Das war Java 2013 – der große Jahresrückblick 2.0

Hartmut Schlosser

©Shutterstock/ Botond Horvath

Das Jahr 2013 neigt sich dem Ende zu – und es war ein spannendes, ereignisreiches Jahr auch für die Java-Community! Die monatliche Zusammenschau der Technologie-Entwicklungen offenbart die brodelnde Aktivität im Java-Ökosystem, das wir auf JAXenter das ganze Jahr über journalistisch begleiten durften. Hier ist der Jahresrückblick aus unserer JAXenter-Perspektive: Kreatives, Kontroverses, Kurioses…

Mai: JAXenter 2.0, Android Studio und der sprechende Garbage Collector

Am 3. Mai begrüßten wir Sie auf einem rundumerneuerten JAXenter-Portal. Entledigt hatten wir uns einiger Altlasten (kennen Sie noch das CMS Powerslave?) und starteten mit neuem Design und den integrierten Seiten zum Java Magazin, Eclipse Magazin und Business Technology. Vielen Dank an Ihre zahlreichen Kommentare, die sehr behilflich waren, die neue Seite weiter zu verbessern! Gerne wiederholen wir den Aufruf von damals:

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Überrascht hat uns im Mai Google: Auf der Google I/O stellte der Suchgigant die brandneue Entwicklungsumgebung Android Studio vor. Basierend auf der IntelliJ IDEA Community Edition ging Android Studio als Konkurrent zur bisherigen Eclipse-basierten Android-Umgebung ins Rennen. Code Refactorings, „Live Layout“ und innovative Editor-Features sprechen für Android Studio.

Wir nahmen Android Studio in den folgenden Monaten natürlich etwas genauer unter die Lupe und mussten feststellen, dass der Einsatz in produktiven Projekten auch jetzt noch nicht wirklich empfohlen werden kann. Allerdings weiß das auch Google und bezeichnet die IDE deshalb immer noch als Early Access Preview.

Eine JAX-TV-Session von Kirk Pepperdine (Kodewerk Ltd) war der meist besuchte JAXenter-Beitrag im Mai: Is your Garbage Collector speaking to you?

Im Mai stellte Pivotal das Reactor Framework vor, Oracle präsentierte seine Vision eines Cloud- und Service-basierten Oracle-Portfolios, BlackBerry CEO Thorsten Heinz verkündet seine Ambitionen, Blackberry hinter Android und iOS auf dem Platz 3 der Smartphones zu platzieren. Auf der Release-Seite verzeichneten wir Jackrabbit 2.7.0, Tasktop 2.7, Neo4j  1.9, Gaelyk 2.0 und EclipseLink 2.5. Das Java Magazin 5.13 legte den Fokus auf: JavaFX.

Aufmacherbild: Fireworks von Shutterstock / Urheberrecht: Botond Horvath

[ header = Juni: Java EE 7, Eclipse Kepler und Rod Johnsons Scala-Kritik ]

Juni: Java EE 7, Eclipse Kepler und Rod Johnsons Scala-Kritik

Java EE 7 wurde im Juni releast. Der neue Enterprise-Standard hat drei Jahre lang auf sich warten lassen – und fiel weitaus unambitionierter aus, als geplant. Das große Thema „Cloud“ wurde ausgeklammert – zu unreif seien die Technologien für Provisioning, Multi-Tenancy und Elastizität in der Cloud derzeit noch, hatte Oracles Linda DeMichiel erklärt. Nichtsdestotrotz sind zahlreiche, teils seit langem überfällige Aktualisierungen vorgenommen und vier neue Komponenten integriert worden: Java-API for WebSocket 1.0 (JSR-356), Java-API for JSON Processing 1.0 (JSR-353), Concurrency Utilities for Java EE 1.0 (JSR-236) und Batch Applications for the Java Platform 1.0 (JSR-352).

Auf JAXenter interviewten wir Anil Gaur von Oracle, der in Java EE 7 drei Hauptthemen identifizierte: HTML5-Support (beispielsweise im so genannten „HTML5-friendly JSF Markup“), die Steigerung der Entwicklerproduktivität (etwa durch den generalüberholten Java Messaging Service und die Verallgemeinerung des Annotationskonzepts) und die Umsetzung wichtiger Enterprise-Anforderungen (wie der von Spring Batch inspirierte JSR-352 für Batch-Anwendungen).

Derzeit laufen die Diskussionen um den Inhalt von Java EE 8 – wird hier das Cloud-Thema nochmals neu angegangen? Die nächsten Wochen werden es zeigen!

Der Eclipse Kepler Train lief wieder gut geölt und pünktlich mit 71 Projekten an Bord in den Release-Hafen ein. Wichtig waren sicherlich die Bugfixes und Performance-Verbesserungen an der Eclipse-4.3-Plattform. Weitere Highlights: Java EE 7 Support, verbesserte Maven-Integration und neue Projekte wie die Business Process Management Suite „Eclipse Stardust“. Bemerkenswert war zudem, dass die Eclipse Foundation auch Projekt-Hostings auf GitHub erlaubte.

Für reichlich Diskussionsstoff sorgte eine Keynote von Spring-Gründer Rod Johnson auf den Scala Days 2013. Johnson, der ja bereits in das Board of Directors des Scala-Unternehmens Typesafe gerufen wurde, stellte seine Vision von Scala im Jahr 2018 vor. Scala werde das „biggest thing since Java“ sein, eine führende Sprache, die sich außer in „Twitter-like high demand consumer apps“ vor allem im Bereich der traditionellen Enterprise-Applikationen durchsetzen werde.

Allerdings sei es dafür notwendig, sich mehr dem Mainstream anzunähern, sich stärker in das Java-Ökosystem zu integrieren und auch die Innovationsgeschwindigkeit in Sachen neuer semantischer Erweiterungen zu drosseln – zugunsten von Abwärtskompatibilität, Compiler-Verbesserungen und Tooling-Ausbau. Mehr als die Sprache müsse sich jetzt die Community entwickeln: mehr Pragmatismus, größerer Fokus auf Real-World-Probleme und eine einladendere Haltung Scala-Newbies gegenüber seien gefragt.

Ende des Jahres flammt die Diskussion um Scala wieder auf, als sich Scala-Gründer Martin Odersky über die vermeintlich unverhältnismäßige Scala-Kritik wunderte.

Vermischtes: Peter Kriens kehrte zur OSGi Alliance zurück, Oracle kooperierte mit Microsoft in Sachen Cloud. Releases gab es von Lift 2.5, CloudStack 4.1.0, Subversion 1.8 und Rails 4.0.Titelthema im Java Magazin 6.13: Scala & Akka.

[ header = Juli: Reactive Programming, OSGi-Offensive und Dauerbrenner GWT ]

Juli: Reactive Programming, OSGi-Offensive und Dauerbrenner GWT

Jonas Bonér und Bruce Eckel machten mit ihrem „Reactive Manifesto“ auf eine neue Art der Programmierung aufmerksam: Im Zentrum stehen dabei vier Werte:

  • react to events: Anwendungen sollten Ereignis-getrieben sein.
  • react to load: Fokus auf Skalierbarkeit anstatt Performance für einzelne Anwender.
  • react to failure: Systeme sollten belastbar sein, in dem Sinne, dass Fehler auf allen Ebenen behoben werden können.
  • react to users: Die oben genannten Punkte sind zu kombinieren und mit einer interaktiven User Experience umzusetzen.

Auch wenn das Manifest aus dem Umfeld des Scala-Unternehmens Typesafe stammt und der Typesafe-Stack mit Scala, Akka und Play als maßgeschneiderte Lösung für reaktive Programmierung erscheint, wurden diese Ideen und Werte in den folgenden Monaten immer häufiger auch von anderen als Ideal genannt. Ob sich hier eine populäre Bewegung um das Manifest bilden können wird, ähnlich wie beim Agile Manifest oder der Software Craftmanship Initiative, wird sich 2014 zeigen!

OSGi-Begründer Peter Kriens machte nach seiner Rückkehr zur OSGi Alliance seinem Ruf als kontroverser Blogger alle Ehre. Offensiv lautete seine Aussage im Juli: Die meisten Java Web Frameworks wie JSP, JSF, Vaadin, Struts, Spring MVC oder Wicket würden im Laufe des nächsten Jahrzehnts verschwinden. Auch die Zeiten, als Java-Entwickler noch Rebellen waren, seien vorbei. Jetzt liege es an einer anderen Technologie, die Rolle des Erneuerer zu übernehmen: HTML5. Im nächsten Jahrzehnt müssten deshalb viele Webanwendungen neu geschrieben werden, und dabei biete sich der Wechsel zu OSGi mit seiner modularen, skalierbaren Architektur geradezu an.

Angekündigt hatte Kriens in diesem Kontext auch ein neues OSGi-Anwendungsframework (Codename: Babysteps), mit dem die OSGi-Entwicklung so einfach wie bei Ruby-on-Rails werden sollte. Bäumt sich hier eine 15 Jahre alte Dinosaurier-Technologie zum letzten Mal auf? Oder hat OSGi mit neuen Impulsen tatsächlich die Chance, eine Mainstream-Technologie zu werden? Wir sind in dieser Frage noch etwas unentschlossen …

Am meisten geklickt wurde im Juli der Artikel „GWT 2.5 – Technische Evolution und ein wichtiges Signal“ von Ferdinand Schneider. Ungebrochen populär scheint also das Google Web Toolkit auch nach dem Übergang weg von Google hin zu einem unabhängigen Steering Committee zu sein. Ferdinand stellte uns das erste wichtige Release dieser neuen GWT-Ära vor und konkludierte:

Mit GWT 2.5 wurden viele Wünsche der Community angegangen und eine Preview auf kommende Key-Features wie bspw. den Super Dev Mode und das Elemental API gegeben. […] Sollte der Kurs der Offenheit und Anwenderorientierung beibehalten werden, wird GWT in Zukunft wohl noch mehr an Bedeutung gewinnen und den Entwicklern auch weiterhin viel Freude bereiten.

Was hatte der Juli sonst npch zu bieten?  Akka 2.2.0, Netty 4.0.0, Vert.x 2.0 und NatTable 1.0.0. Titelthema im Java Magazin 7.13: JVM rocks!

[ header = August: Jigsaw die zweite, Googles 20% und die neue Freiheit für Entwickler ]

August: Jigsaw die zweite, Googles 20% und die neue Freiheit für Entwickler

Jigsaw, zweiter Versuch“, so titelte Oracles Java-Plattform-Chefentwickler Mark Reinhold im August auf der Mailing-Liste und kündigte an, einen „vereinfachten Ansatz“ verfolgen zu wollen, um die Ziele von Jigsaw, die Modularisierung des JDK, zu erreichen.

Das Projekt Jigsaw, nach etlichen Vorarbeiten 2008 vorgeschlagen, für Java 7 vorgesehen, dann an Java 8 durchgereicht und schließlich aufgrund „technischer Probleme“ erneut auf Java 9 verschoben, sollte also nochmals neu angegangen werden. Viele stimmte diese Nachricht nachdenklich, schien es doch nicht um die Vollendung bzw. das Finetuning der bisherigen Arbeiten zu gehen, sondern um eine erneute Richtungsänderung. Ein Zeichen dafür, dass Jigsaw in einer Sackgasse steckt?

Nun, böse Zungen behaupten, dass Oracle nach der Einführung der Profile eigentlich nicht mehr wirklich an einem Modulsystem für Java interessiert ist. Und so richtig Fahrt nahm Jigsaw denn in den letzten Monaten auch nicht wirklich auf. Bezeichnend ist Gavin Kings Bemerkung im JAXenter-Interview vom November 2013:

Die letzten Neuigkeiten von der Devoxx scheinen darauf hinzudeuten, dass der Plan, echte Modularität für Java-Entwickler anzubieten, aufgegeben wurde. Wenn wir das richtig verstehen, dann wird sich die angestrebte Modularität nur auf das Java SDK selbst beziehen. Ursprünglich hatten wir ja erwartet, dass Java 8 die Modularität auf Plattform-Niveau bringt – und das ist nicht passiert. Und jetzt sieht es so aus, dass es niemals passieren wird.

Was ist los mit Googles 20 Prozent?, fragten wir in einem JAXenter-Beitrag. Das Wirtschafts-Magazin Quartz hatte gemeldet, dass nicht mehr die Möglichkeit für Google-Mitarbeiter bestehe, zwanzig Prozent ihrer Arbeitszeit für Projekte außerhalb ihrer Haupttätigkeit zu nutzen. Dabei sind dieser freizügigen Politik Projekte entsprungen, die später Milliarden von US-Dollars einbringen sollten: Googlemail, Talk, News und allen voran AdSense.

Larry Page senkte wohl nach seinem Amtsantritt als Google CEO die Zahl der offenen Projekte, um die übriggebliebenen mit jeweils größeren Teams zu versehen.  Und während die Innovationen vorher offen zur Schau gestellt wurden, verschwanden aktuelle Forschungsprojekte in den Google X Labs, in die nur wenige Mitarbeiter Einblicke erhalten.

Im März dieses Jahres hatte Yahoo-CEO Marissa Mayer bereits ein Homeoffice-Verbot ausgesprochen.

Zwei Trends, die auch heute noch heftig diskutiert werden! Ziehen nun strengere Zeiten für Entwickler ein? Vertraut man den Wertschöpfungspotenzialen kreativer Freiheiten nicht mehr?

Nun, konträr zu diesen Trends positioniert sich ein anderer Top-Artikel im August: Diese Sätze aus dem JAXenter-Interview mit James Governor küren wir zum Ziat des Jahres 2013:

Entwickler müssen nicht machen, was ihnen gesagt wird, und sie müssen keine Sprachen nutzen, die sie nicht wollen. Wenn dir die Technologien, für die sich dein Arbeitgeber entscheidet, nicht gefallen, dann kündige! Es gibt eine Vielzahl von Entwicklerstellen da draußen. Wir stehen am Beginn einer neuen Epoche der Freiheit für Softwareentwickler, besonders für die talentierten unter ihnen.

Im August erschienen sind Klaros-Testmanagement 3.8, Gradle 1.7 und Atlassian Confluence 5.2. Das Java Magazin 8.13 beschäftigte sich mit Vaadin, Android Studio und Apache Hadoop.

Lesen Sie Teil 3 unseres Jahresrückblicks am 30.12.2013!

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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