Das Java-Jahr aus der JAXenter-Perspektive

Das war Java 2013 – der große Jahresrückblick

Hartmut Schlosser
©Shutterstock/ Botond Horvath

Das Jahr 2013 neigt sich dem Ende zu – und es war ein spannendes, ereignisreiches Jahr auch für die Java-Community! Die monatliche Zusammenschau der Technologie-Entwicklungen offenbart die brodelnde Aktivität im Java-Ökosystem, das wir auf JAXenter das ganze Jahr über journalistisch begleiten durften. Hier ist der Jahresrückblick aus unserer JAXenter-Perspektive: Kreatives, Kontroverses, Kurioses…

Januar: Zoff um Vert.x, der Security-Hype um Java und JavaScript für Java-Entwickler

Gleich mit einem Aufreger starteten wir ins Java-Jahr 2013. Tim Fox, der führende Kopf hinter dem asynchronen Framework Vert.x, wurde nach seinem Wechsel von VMware zu RedHat von seinem alten Arbeitgeber angehalten, alle administrativen Rechte an Vert.x abzugeben. Das Ergebnis der langen Diskussionen um die Rechte an einem aufstrebenden Open-Source-Projekt führten glücklicherweise nicht zu einem Fork, wie im Falle Hudson/Jenkins, sondern zur Übergabe von Vert.x an die anbieterneutrale Eclipse Fundation. Wir finden: eine gute Lösung!

Bis in die Popularmedien hatte es im Januar leider das Sicherheitsproblem des Java-Browser-Plug-ins gebracht. Das US-amerikanische Department of Homeland Security warnte vor einem Java Bug, woraufhin Reuters dankend den Ball aufnahm und in einem Anti-Java-Artikel den Sicherheitsexperten Adam Gowdiak zitierte: Man wage es selbst nach dem letzten Java-Patch durch Oracle nicht, Usern zu sagen, es sei wieder sicher, Java zu aktivieren.

Im Artikel „Der Hype um die Java Security Bugs: Was ist wirklich dran am Sicherheitsrisiko Java?“ wiesen wir auf die gefährliche Vermischung von realer Bedrohung und Gerüchteküche hin, die dem Ruf der ganzen Java-Community schaden könnte: „Java war einmal das sichere C++ für alle Plattformen. Diesen Ruf muss sich die Enterprise-Sprache Nr.1 nun erst wieder verdienen.“ Oracle müsse jetzt reagieren und einen neuen, agilen Sicherheitsservice einrichten, der zu den besten der Welt gehören sollte.

Ist dies Oracle im Jahr 2013 gelungen? Wir meinen: Noch nicht ganz, doch ist der größere Fokus auf Sicherheitsfragen schon zu spüren gewesen – leider auf Kosten des Java-8-Release-Termins!

Dass JavaScript auch für Java-Enwickler ein immer größeres Thema wird, zeigte der am meisten besuchte JAXenter-Artikel des Monats Januar: „Warum AngularJS auch für Java-Entwickler interessant ist“ von Philipp Burgmer. Philipps Antwort: „Angular bringt viele, gerade im Java-Bereich etablierte Konzepte in den Browser und stellt somit einen Funktionsumfang bereit, mit dem sich erstaunlich schnell auch komplexere Frontends entwickeln lassen“. Spannend!

Auf der Release-Seite brachte uns der Januar Hudson 3.0, Groovy 2.1 und Gradle 1.4. Titelthema in Java Magazin 1.13: JavaScript für Java-Entwickler.

Aufmacherbild: Fireworks von Shutterstock / Urheberrecht: Botond Horvath

[ header = Februar: TCK-Dilemma, JavaFX für Android und glückliche Entwickler ]

Februar: TCK-Dilemma, JavaFX für Android und glückliche Entwickler

Die TCKs (Test Compatibility Kits) für Java Specification Requests (JSR) waren im Februar Gegenstand kontroverser Debatten. Das Problem: In der Praxis werden diese TCKs nicht durch die JSR-Expertengruppen definiert, sondern durch Oracle, was zu der komischen Situation führt, dass Implementierer von JSRs bis zur Fertigstellung einer Spezifikation eigentlich keine Möglichkeit haben, ihre Implementierungen zu testen. Oliver Gierke empfahl deshalb im JAXenter-Interview:

Erstens sollte das Erarbeiten des TCK mit der Spezifikation einhergehen. Man könnte zum Beispiel darauf bestehen, dass kein API spezifiziert werden kann, ohne dass es klare Testfälle für eben dieses gibt. […] Der zweite Punkt, den ich begrüßen würde, ist eine Regelung, wie mit TCK-Lücken umgegangen wird. Es muss einen Weg geben, die Testsuite kontinuierlich zu verbessern.

Hat sich an dieser Situation etwas zum Positiven verändert? Nun, JAXenter ist hier jedenfalls nichts bekannt geworden …. 

Die Aussicht, JavaFX auch auf Android- und iOS-Devices zu bringen, fasziniert die Java-Community. JavaFX-Projektleiter Richard Bair berichtete im Februar, dass Oracle erste Rohversionen für entsprechende Ports entwickelt hat und diese im Rahmen des OpenFX-Projektes zur Verfügung stellt. Allerdings machte er auch klar, dass von nun an die Community gefordert sei, diese Projekte zur Produktionstauglichkeit zu führen Was folgte, war zwar nicht gerade ein Entwickler-Sturm, doch immerhin scheint es eine echte Perspektive zu geben, das JavaFX-Android-iOS-Projekt zu einem positiven Ende zuführen. Das Jahr 2014 mit seinem Java(FX) 8 Release wird es weisen.

Eine schöne Botschaft brachte es im Februar auf den Platz 1 der beliebtesten JAXenter-Beiträge: Entwickler sind die glücklichsten Arbeitnehmer! – zumindest, wenn man den alljährlich von Glassdoor aufgestellten Employees‘ Choice Awards Glauben schenkt, in denen Arbeitnehmer ihr Unternehmen und die eigene Arbeitszufriedenheit beurteilen können. Auf den vorderen Plätzen finden sich auffällig viele Tech-Unternehmen: Facebook auf Platz 1, Riverbed Technology auf Platz 3 und auf Platz 5 Google.

Ebenfalls ein Hinklicker war die Session von Angelika Langer: Funktionale Programmierung für Java-Entwickler:

Und sonst:

Die Eclipse Foundation eröffnete eine neue Initiative für ortsabhängige Technologien, das JCache API schaffte es nicht in Java EE 7, User forderten Oracle in einer Online-Petition auf, Java-Installationen bitte ohne „Crapware“ wie die Ask Toolbar auszuliefern. Releases: Vaadin 7, Infinispan 5.2., Play 2.1, RAP 2.0, NetBeans 7.3. Titelthema in Java Magazin 2.13: Java EE 7.

[ header = März: Bye Bye Andy Rubin, Mobile Trends 2013 und Unternehmen mit Innovationsschulden ]

März: Bye Bye Andy Rubin, Mobile Trends 2013 und Unternehmen mit Innovationsschulden

Andy Rubin gab im März seinen Rücktritt als Chef des Android-Teams bei Google bekannt. Rubin gilt als Vater des Google-Betriebssystems, das er 2003 noch im eigenen Startup ins Leben rief und in welches er auch nach dessen Übernahme durch Google 2005 sein gesamtes Herzblut steckte. Neuer Android-Chef ist seitdem Sundar Pichai, der bei Google auch das Chrome-Team leitet – was zu Spekulationen verleitete, ob die Entwicklungen von Chrome/Chrome OS und Android nicht in eine gemeinsame Bahn gelenkt würden. Wie verchromt ist Androids Zukunft?, fragten wir auf JAXenter. Nun, Android KitKat und Chrome OS zeigen jedenfalls noch keine Verschmelzungstendenzen….

Apropos Mobile:

Im März fand die MobileTech Conference 2013 statt, in der es auch für Android-Entwickler viel Spannendes zu entdecken gab. In seiner Session „Mobile Trends 2013“ präsentierte uns Markus Bokowsky seine Top 10 der Mobile-Entwicklungen des Jahres:

Trend 1: TABLETS

8,2 Millionen Deutsche nutzen inzwischen ein Tablet, um ins Netz zu gehen. Nur unverhältnismäßig weniger als die 13,7 Millionen Smartphone-Nutzer.

Trend 2: SPRACHSTEUERUNG

Bei Sprachsteuerungen à la Siri beschränken sich die Use Cases zwar meist auf das Einleiten von Anrufen und das Diktieren von Messages. Eine Nutzungssituation hat jedoch eine durchaus erfolgversprechende Zukunft: das Auto.

Trend 3: DIGITAL DRIVESTYLE

Mercedes hat kürzlich die Integration von Siri in einer seiner Modellreihen vorgestellt – andere Hersteller sollen nachziehen.

Trend 4: CAR SHARING

Bei Anbietern wie DriveNow lassen sich Autos per mobiler App oder sogar per SMS reservieren und anmieten. Beim Peer-to-Peer CarSharing teilt man mit fremden Leuten sein Auto. Interessantes Konzept, aber hat es eine Zukunft?

Trend 5: QUANTIFIED SELF

Heute findet das Quantified Self, also das quantifizierte oder mit Zahlen charakterisierte Ich, seinen Ausdruck in Apps wie Runtastic oder in Hardware wie Google Glass.

Trend 6: AUGMENTED REALITY

Das Thema hat zwar inzwischen etwas an Reiz verloren. Die drei AR-Felder, die jedoch auch in den kommenden Monaten weiter präsent sein werden, sind Gesichtserkennung, Texterkennung und 3D-Musterkennung.

Trend 7: SECOND SCREEN / SOCIAL TV

Die Nutzung von Tablet und Smartphone während des Fernsehens ist schon weit verbreitet und wird sich immer weiter durchsetzen.

Trend 8: MOBILE PAYMENT

Ein Trauerspiel: Während man in Asien und Afrika schon lange und weit verbreitet mit mobilen Geräten bezahlen kann, hinkt Europa hinterher.

Trend 9: MUSIK STREAMING

25 Prozent der Zeit, die Deutsche online verbringen, entfällt auf Musik-Streaming.

Trend 10: CLOUD COMPUTING

Egal ob man als Unternehmen selbst eine Cloud betreiben, OS-Dienste à la iCloud oder Google Drive nutzen oder 3rd-Party-Dienste wie Dropbox einsetzen möchte – die Cloud wird auch im nächsten Jahr ein stetiger Begleiter sein.

Der JAXenter-Top-Beitrag beschäftigt sich mit dem Thema Innovationsschulden„. Analog zum Begriff „Technical Debt„, die man sich auflastet, wenn man nicht von vorneherein in eine saubere Codebasis investiert, sprach Technologie-Evangelist Peter Bell in einem viel beachteten Blogeintrag von Innovationsschulden eines Unternehmens: Genauso wie bei den technischen Schulden wird ein Unternehmen immer mehr Probleme bekommen, wenn es nicht in seine Entwickler investiert.

Langweilige Technologien, nicht vorhandene Freiräume und fehlende Bildungsangebote machen aus einem produktiven Entwicklerteam bald eine Truppe, die nicht mehr in der Lage ist, die hauseigene Legacy-Anwendung anständig zu warten.  Wer auf Innovation verzichtet riskiert laut Bell:

  • Die besten Entwickler werden das Weite suchen
  • Neue Kräfte zu finden wird schwieriger
  • Die Produktivität des Teams wird sinken
  • Die Software wird immer altbackener

Welche Innovationsschulden haben sich in Ihrem Job angehäuft?

Vermischtes: Bei Eclipse wurde die neu Modeling-Plattform Sirius vorgeschlagen (mit dem Running Gag : Are you Sirius?), IBM und OpenStack gingen eine Partnerschaft ein, Red Hat übernahm die Regie über das OpenJDK 6. Auf der Projektseite sahen wir Jetty 9, Jubula 2.0, Scala IDE 3.0 und Xtend 2.4 erscheinen. Titelthema in Java Magazin 3.13: Web-Apps mit Play.

[ header = April: Ein Nashorn auf dem Vormarsch, Quadrocopter auf der JAX und Java 8 in Verzug ]

April: Ein Nashorn auf dem Vormarsch, Quadrocopter auf der JAX und Java 8 in Verzug

Im April fand die JAX 2013 in Mainz statt. Die Themenbreite war wieder einmal beeindruckend – von Java Core über Java EE, Spring, Big Data, Embedded bis zu Agile, Continuous Delivery und DevOps.

Wir greifen drei Schlaglichter heraus:

JavaFX war ein heißes Thema, einfach deshalb, weil langsam jedem bewusst wird, dass die Zukunft von Swing begrenzt ist. Im Grunde muss sich jetzt jeder ernsthafte Java-Entwickler mit JavaFX auseinandersetzen – und viele tun das durchaus mit Begeisterung. Dass dabei auch die vorhandenen Begrenzungen des aktuellen JavaFX auffallen, liegt wohl in der Natur der Sache:

Zum ersten Mal veranstalteten wir auf einer JAX eine Embedded-Werkstatt – als kurzweilige Krönung des Embedded Experience Days sozusagen. In der Tat erblüht der altehrwürdige Bereich der eingebetteten Software im Licht der Machine-to-Machine-Kommunikation bzw. dem „Internet of Things“ in völlig neuer Pracht. Und das Schöne dabei: Java-Entwickler sind aufgrund der weiten Verbreitung der Sprache und der hervorragenden Tooling- und Library-Landschaft mit ganz vorne dabei.

Zu Gast hatten wir Marcus Lagergren vom Projekt Nashorn, der uns von den Fortschritten am Projekt berichtete, eine komplett neue JavaScript-Implementierung auf der JVM bereit zu stellen. Was wir sahen, war durchaus beeindruckend: Die bisherige JavaScript Engine Rhino ist in Sachen ECMAScript-Abdeckung und Performance längst überholt – und das, obwohl noch gar nicht richtig an der Optimierung gearbeitet wurde. „Performance, Performance, Performance“ stand deshalb für den Rest des Jahres auf dem Nashorn-Plan, damit zum Java 8 Release im März 2014 auch alles wirklich rund laufe. Interessant war die Bemerkung, dass sich die JVM mit Java 8 zu einer echt polyglotten VM entwickeln könnte. Project Nashorn sieht sich jedenfalls als eine Art Referenz und Proof of Concept für Invokedynamic.

Wo wir gerade bei Java 8 sind. Erinnern Sie sich daran, dass wir Ihnen das Jahr 2013 als spannendes Jahr angekündigt hatten, da es ja mit Java EE 7 und Java 8 zwei Meilenstein-Releases bringen sollte? Ja, Java 8 war eigentlich für 2013 geplant – doch kurz vor der JAX verkündete Mark Reinhold die Hiobsbotschaft: Projekt Lambda brauche doch noch etwas mehr Zeit – März 2014 sei realistisch! Schuld daran seien „auch“ die verstärkten Bemühungen im Bereich Sicherheit: Offenbar wurden Ressourcen vom Java-8-Team ins Security-Team umstrukturiert – angesichts der heiklen Situation des Java-Browser-Plug-ins und der schlechten Presse verständlich, aber eben doch nicht gerade schön.

Die Releases im April: Weld 2.0.0, Go 1.1, Tabris 1.0. Google stellte die Google Glass APIs vor, CDI-Projekt DeltaSpike wurde Apache Top-Level-Projekt, JBoss AS nannte sich in WildFly um. Im Java Magazin 4.13 behandelten wir Node.js & vert.x.

Lesen Sie Teil 2 unseres Jahresrückblicks am 27.12.2013!

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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