Projekt-Kaleidoskop des Eclipse Juno Release Train

Das Release für die nächste Dekade: Eclipse Juno ist da!

Hartmut Schlosser

Es war im November 2001, als IBM den Quellcode seiner neuen Plattform „Eclipse“ der Öffentlichkeit präsentierte. Heute, nachdem wir auf der zurückliegenden EclipseCon Europe den 10. Geburtstag von Eclipse feiern durften, gilt Eclipse als etablierte Technologie, die die IT-Landschaft nachhaltig verändert hat: Jüngst ausgezeichnet mit dem prestigeträchtigen ACM-Award wird Eclipse in einem Atemzug genannt mit Java, Apache, das World Wide Web, Smalltalk und UNIX.

Doch hat Eclipse mit diesem Ritterschlag den Zenit noch nicht überschritten. Auch im vergangenen Jahr wuchs der Katalog an Projekten, die auf der Eclipse-Plattform aufsetzen und Lösungen für die verschiedensten Bereiche anbieten, weiter an. Um die Fülle an Eclipse-Projekten miteinander zu koordinieren und auf die Neuerungen der Basis-Plattform abzustimmen, wurde die Praxis der jährlichen Simultan-Releases eingeführt. Und heute wurde mit Eclipse Juno der neue Release Train freigegeben, an dem sich 72 Projekte beteiligt haben.

Die Idee: Koordinierte Projektentwicklung

Begonnen hat die Tradition der Simultan-Releases bereits 2004, als die Projekte „Test and Performance Tools Platform“ (TPTP) und „C/C++ Development Tools“ (CDT) ihre Veröffentlichungen mit der Eclipse-Plattform 3.0 abstimmten. Motiviert war diese Koordination dadurch, dass zwar immer mehr Projekte die modular aufgebaute Eclipse-Plattform als Basis für Erweiterungen wählten, durch die individuellen Release-Zeitpläne der Einzelprojekte und die gegenseitigen Abhängigkeiten allerdings ein konzertierter Einsatz erschwert wurde.

Im Jahr 2006 formalisierte die Eclipse Foundation die Praxis der Sammel-Veröffentlichungen und verlieh dem ersten „Eclipse Simultaneous Release Train“, dem sich mittlerweile 10 Projekte angeschlossen hatten, den eigenen Markennamen „Callisto„. Im „Europa„-Release 2007 beteiligten sich bereits 21 Projekte an der Koordinationsanstrengung, 2008 waren es 23 Projekte in „Ganymede„. „Galileo“ konnte 2009 insgesamt 33 Projekte, Helios 2010 schon 39 Projekte und Indigo 2011 dann 62 Projekte in einer Simultanveröffentlichung vereinen. In diesem Jahr wurde die Rekordmarke wieder um ein gutes Stück nach oben verschoben: 72 Projekte nahmen am Eclipse Juno Release teil.

Eclipse Juno: Highlights im Projekt-Dschungel

Bei einer solchen Projektmenge fällt es in der Tat schwer, den Überblick zu behalten. Eine der wichtigsten Innovationen in Juno ist aber unzweifelhaft die neue Eclipse-Plattform 4.2, die die bisherige 3.x-Plattform ablöst. Das Innovative an Eclipse 4.2 liegt in der größeren Flexibilität, Eclipse den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Über einen Modell-getriebenen Ansatz lässt sich die traditionelle Struktur von Editoren und Views komplett verändern und per CSS stylen. Zudem löst Dependency Injection alte Abhängigkeiten auf und vereinfacht so die Plug-in-Entwicklung.

Mit Eclipse Juno wird zwar parallel noch eine Version 3.8 der Plattform ausgeliefert, die nun im Download-Bereich des Eclipse-Plattform-Projekts zu finden ist. Für die 3.x-Entwicklungslinie wird es aber nur noch einige Fehlerbereinigungen geben, eine Version 3.9 wird nicht folgen.

Alle Eclipse-Standard-Distributionen basieren mit Eclipse Juno ab sofort auf der Plattform 4.2. Im Einzelnen sind dies:

  • Eclipse IDE for Java EE Developers
  • Eclipse Classic 4.2
  • Eclipse IDE for Java Developers
  • Eclipse for RCP and RAP Developers
  • Eclipse IDE for Java and Report Developers
  • Eclipse IDE for C/C++ Developers
  • Eclipse for Parallel Application Developers
  • Eclipse for Scout Developers
  • Eclipse Modeling Tools
  • Eclipse for Testers

Mit von der Partie sind zudem die zwei neuen Distros:

  • Eclipse IDE for Automotive Software Developer (Tools und Frameworks für das Entwickeln eingebetteter Systeme in der Automotive-Branche, maßgeblich bereitgestellt von der Eclipse Automotive Industry Working Group)
  • Eclipse for Mobile Developers (Eclipse-Installation in Verbindung mit zahlreichen Mobile-SDKs)

Auf der Suche nach weiteren Highlights in Juno können wir uns zunächst an die offizielle Ankündigung der Eclipse Foundation halten. Dort werden die drei neuen Projekte Code Recommenders, Virgo und Koneki hervorgehoben. Worum handelt es sich dabei?

  • Code Recommenders macht die automatische Code-Vervollständigung im Java-Editor intelligenter, indem durch die Analyse eines Korpus an Quellcode Best Practices identifiziert werden, die dem Entwickler direkt über die Code Completion zugänglich gemacht werden. Ein spannendes Projekt, das das Potenzial hat, den Alltag eines jeden Java-Entwicklers zu erleichtern.
  • Just like Amazon recommends shopping suggestions, Code Recommenders recommends proper API usage.

  • Eclipse Virgo ist aus dem SpringSource dm Server hervorgegangen und auf die Entwicklung OSGi-basierter Enterprise-Java- und Spring-Anwendungen spezialisiert. Erstmalig ist Virgo mit einem neuen Kernel namens Nano ausgestattet, der das Entwickeln leichtgewichtiger OSGi-basierter Anwendungen ermöglicht.
  • Das Koneki-Projekt stellt eine IDE für die im Gaming-Bereich verbreitete Sprache Lua bereit. Wichtig ist Koneki im Eclipse-Kontext auch für die Eclipse M2M Industry Working Group (spezialisiert auf die Machine-to-Machine-Kommunikation), die sich maßgeblich an der Entwicklung beteiligt hat.

Sicherlich gibt es zahlreiche weitere Highlights in Eclipse Juno wie der OGSi-R5-Support in Equinox und der DSL-Debugger in Xtext – oder solche, die in der Ankündigung der Eclipse Foundation nicht genannt werden, wie der Eclipse-Team-Provider EGit und die Common Build Infrastructure auf Basis von Hudson und Maven Tycho. Zu den erstmalig an einem Eclipse Release-Train teilnehmenden Projekten gesellen sich auch die Brwoser IDE Orion, der BPEL Designer sowie die Projekte EMF Query2, Intent, Model Focusing Tools, Sapphire und Xtend.

Letztlich wird im Katalog der 72 Projekte jeder seine eigenen Höhepunkte finden. Um uns ein Bild über Ihre Präferenzen zu machen, können Sie uns auf JAXenter übrigens ihren Favoriten in einem Quickvote mitteilen:

Welches Projekt ist Ihr persönliches Highlight in Eclipse Juno?

Einen anderen Schwerpunkt setzt Mike Milinkovich, Exekutiv-Direktor der Eclipse Foundation, der die Verdienste der Eclipse-Community hervorhebt. Denn diese habe gezeigt, dass die Open-Source-Bewegung zu großen Leistungen fähig sei und ein Garant für Innovation darstelle:

Jedes Jahr demonstrieren die Eclipse Committer mit ihrem Einsatz und ihrer Hingabe, dass Eclipse ein Paradebeispiel für das Modell der verteilten Open-Source-Entwicklung ist – ein Modell, das Releases nach einem verlässlichen Zeitplan ermöglicht und sich bis auf mehrere Millionen Quellcode-Zeilen skalieren lässt.

Ich bin insbesondere zufrieden mit der Tatsache, dass Juno auf der Eclipse 4.2-Plattform basiert und somit eine stabile Grundlage für weitere Innovationen in der Eclipse Community gelegt wurde.

In der Tat stellt Eclipse Juno mit seiner neuen Plattform ein Schlüssel-Release dar, mit dem sich Eclipse nach den erfolgreichen 10 ersten Jahren die Zukunftsfähigkeit erhält. Nicht alle hätten der „alten Dame Eclipse“ diese Wandlungsfähigkeit zugetraut. Wir wünschen viel Erfolg für die nächsten 10 Jahre und sind gespannt darauf, was da noch kommen mag!

Und nun wenden wir uns Eclipse Juno in seiner vollen epischen Dimension zu: Welches sind die 72 Projekte des Eclipse Juno Release Train?

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
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