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Das eigene IT-Unternehmen: Gründer geben Tipps

Melanie Feldmann

© Shutterstock.com / Matej Kastelic

Sein eigenes Unternehmen gründen – davon träumen viele. Nicht immer erfüllen sich die Erwartungen. Wir haben zwei Unternehmensgründer gefragt, was sie besonders motiviert hat und mit welchen Herausforderungen sie anfangs nicht gerechnet haben.

„Wir haben mehrfach unsere Produkt gedreht, neue Ideen verfolgt und unglaublich viel ausprobiert.“

bruch_marcelDr. Marcel Bruch ist Projektleiter von Eclipse Code Recommenders, CEO von Codetrails und Wissenschaftler an der TU Darmstadt, wo die Ideen hinter IDE 2.0 bereits die Basis seiner Dissertation bildeten. Er spricht regelmäßig auf einschlägigen Konferenzen und gibt Schulungen zu den Themen OSGi und Eclipse e4. Mail: marcel.bruch@codetrails.com Twitter: @marcelbruch

Aus welcher Motivation heraus hast du dein Unternehmen gegründet?

Wir waren damals noch alle an der Uni und hatten ein ziemlich cooles Tool um eine gute Idee gebaut. Mit der Idee hatten wir einige Forschungsgelder eingesammelt und dann auch einen Investor gefunden, der mit uns die Idee weiter vorantreiben wollte. Aber letztendlich wollten wir nur eins: geniale Werkzeuge für Softwareentwickler bauen, die jeder benutzen und haben wollte. Das war unsere Motivation.

Welche Stolpersteine gibt es auf dem Weg zur Unternehmensgründung? Was hättest du gerne schon vorher gewusst?

Stolpersteine gibt es viele. Der wohl größte Stolperstein ist das Marketing und der Vertrieb. Dafür sollte man von Anfang an jemanden im Boot haben, der seine Sache wirklich versteht. Aber solche Leute sind schwer zu finden – vor allem wenn euer Produkt sehr technisch ist, trennt sich schnell die Spreu vom Weizen.

Welche Vorstellungen, die du vorher hattest, sind in Erfüllung gegangen? Und welche nicht?

Im Grunde ist nichts so geblieben oder geworden, wie anfangs geplant. Aber ist das nicht normal? Wir haben mehrfach unsere Produkt gedreht, neue Ideen verfolgt und unglaublich viel ausprobiert. Mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Wichtig ist zu erkennen, wann man feststeckt und warum. Und dann muss das Team bereit sein, etwas zu ändern.

Welchen entscheidenden Tipp würdest du Gründern mit auf den Weg geben?

Das ist leider sehr individuell und von (Gründer-)Team zu Team und von Produktidee zu Produktidee sehr verschieden. Ein ausgewogenes Team mit Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen ist ein Must-Have. Besteht dein Team nur aus Programmier-Geeks, wird der Vertrieb dein Sorgenkind. Hast du zu wenig Leute, die die Produktentwicklung machen, kommt dein Produkt dem Vertrieb nicht hinterher usw.

Am schönsten wäre es, wenn ihr euer ersten Prototypen schon gleich verkaufen könntet. Dann seht ihr frühzeitig, ob ihr auf dem richtigen Weg seid. Und wenn nicht, solltet ihr ständig fragen „warum nicht?”. Und seid bereit für einen Pivot. Der kommt früher oder später sowieso auf euch zu.

„Es lohnt sich, anders zu sein und nicht einfach andere Unternehmen zu kopieren.“

tilkov_stefanStefan Tilkov ist Geschäftsführer und Principal Consultant bei der innoQ Deutschland GmbH, Autor von „REST und HTTP“, Verfasser diverser Fachartikel, häufiger Sprecher auf Konferenzen und enthusiastischer Anhänger der „Eine neue Programmiersprache pro Jahr“-Philosophie.

Aus welcher Motivation heraus hast du dein Unternehmen gegründet?

Nachdem ich ein paar Jahre als Angestellter unterwegs und in eine Position gerutscht war, in der ich mich hauptsächlich mit Personalgesprächen, Urlaubsanträgen und Bestellformularen beschäftigen musste, habe ich als nächstes kurz mein Glück als Freiberufler versucht. Das war zwar wieder technisch genug für meinen Geschmack, aber allein kann man einfach zu wenig bewegen. Deshalb haben wir innoQ wir mit Gleichgesinnten gegründet, die wie wir ein großes technisches Interesse hatten und spannende Dinge tun wollten – und dabei all den bürokratischen und demotivierenden Unsinn vermeiden, unter dem wir bei unseren vorherigen Arbeitgebern gelitten haben.

Welche Stolpersteine gibt es auf dem Weg zur Unternehmensgründung? Was hättest du gerne schon vorher gewusst?

Die Gründung ist heute formal ja noch einfacher als damals (vor immerhin 17 Jahren). Wenn man Dienstleistungen anbietet, ist auch der Investitionsbedarf nicht sonderlich hoch. Was wir vielleicht vorher gerne schon gewusst hätten: Für ein ordentlich laufendes Geschäft, bei dem nicht jedes abgesagte Projekt sofort zur Existenzkrise führt, ist eine kritische Masse wichtig. Also entweder ganz klein halten (eine Handvoll Leute, von denen sich jeder selbst trägt) oder eine etwas größere Gruppe aufbauen (vielleicht ab 20 Mitarbeiter), damit sich das Risiko streut. Mindestens dieses erste Wachstum hätten wir besser schneller erreichen und daher von Anfang an so einplanen sollen.

Welche Vorstellungen, die du vorher hattest, sind in Erfüllung gegangen? Und welche nicht?

Wir wollten eine Umgebung schaffen, in der man mit anderen, die sich für ähnliche Dinge interessieren, inhaltlich diskutieren und auch mal streiten kann – und Spaß dabei hat. Viele von uns waren bei ihren vorherigen Arbeitgebern diejenigen, die von Kollegen um Rat gefragt wurden. Das ist zwar prima fürs Ego, aber auf Dauer entwickelt man sich nicht so weiter, wie man es könnte. Das haben wir definitiv erreicht, der kontinuierliche Austausch über „unsere“ Themen ist der vielleicht wichtigste Teil unserer Firmenkultur. Eine andere Vorstellung war, dass wir immer nur Mitarbeiter einstellen, die schon großartig sind. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir verstanden haben, dass man auch Berufseinsteigern eine Chance geben muss und es die richtige Mischung ist, die fürs Unternehmen insgesamt den maximalen Nutzen bringt.

Welchen entscheidenden Tipp würdest du Gründern mit auf den Weg geben?

Seid mutig! Es lohnt sich, anders zu sein und nicht einfach andere Unternehmen zu kopieren. Wenn man eine Vorstellung davon hat, wohin sich das Unternehmen entwickeln soll (und zwar am besten mit einem Horizont von drei oder fünf Jahren und nicht 12 Monaten), sollte man sie von Anfang auch konsequent verfolgen, anstatt konservativ und risikoscheu immer nur den nächsten Schritt zu planen.

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Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
Kommentare
  1. Brigitte Lemmel2017-01-24 15:44:56

    Als Jungunternehmerin schließe ich mich Ihren Ausführungen an, auch wir (meine 3 Mitgründer) und ich haben uns schon in der Uni kennen gelernt und gemeinsam eine Idee entwickelt. Für uns bestand die Herausforderung auch darin, uns das nötige Marketing und Vertriebler-Wissen anzueignen. Dafür haben wir viele Seminare und Kurse besucht und uns auch von einer externen Firma beraten lassen. Aber nicht nur am fehlenden Know How wären wir fast gescheitert.. Unser Problem war auch hier in Hamburg günstige Büroräume zu finden, die uns nach außen hin sehr gut repräsentieren.. Wir wollten gerne an einer renommierten Adresse zu finden sein und nicht in irgendeinem wahllosen Viertel. Wir sind dann bei UBC auf virtuelle Offices aufmerksam geworden. Zusätzlich können wir dort Räume mieten, die modern und hochwertig eingerichtet sind. Unsere Start Up Atmosphäre haben wir uns dann allerdings an einer nicht so renommiertne Adresse in einer Art Loft bewahrt :) Auf diese Weise werden unsere Kunden einen gleich professionellen Eindruck erhalten und die Gefahr sinkt, dass Sie unsere noch nicht so ausgereifte Unternehmenserfahrung bemängeln.

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