Das Android für die JVM

JAXenter: Was sind die Hauptvorteile, Android auf die JVM zu bringen?

Mario Torre: Nun, ich denke, ich habe schon einige angedeutet, beispielsweise die Möglichkeit, dass Android überall laufen kann wo auch Java läuft – und natürlich nochmals, dass wir hoffen, vom Rechtsstreit befreit zu werden.

Hinzufügen würde ich noch: Angry Birds auf meinem 1080p Linux Desktop zu spielen, wäre das ultimative Ziel. Auf der FOSDEM haben wir mit David Gilber von JFreeChart fame Witze darüber gemacht, dass es in der Android Distribution eine JFreeChart jar-Datei zu geben scheint, die allerdings Java2D benötigt.. Naja, kein Problem, dann benutzen wir eben Java2D in Android.

Gut, das kann man als alberne Witzelei abtun, doch es gibt in Wirklichkeit ein großes Potenzial, die Android APIs zu nutzen. Ich persönlich bin sehr daran interessiert, das JDK auf QNX zu portieren, gleichzeitig Android laufen zu lassen und dabei das GoogleTV Framework zu nutzen. Aber da gibt es noch unzählige kreativere Verwendungsmöglichkeiten, die nur noch gefunden werden müssen.

Letztlich glaube ich, dass Android das Potenzial hat, die Lücke zwischen Java SE und der Micro Edition zu schließen. Ich habe nie wirklich verstanden, warum diese Technologien getrennt wurden und nicht in einer besseren, größeren Umgebung koexistieren können. Ich denke, jetzt ist es an der Zeit, genau das zu tun.

JAXenter: Gibt es Pläne, IcedRobot auf andere Plattformen, außer Java, zu portieren?

Mario Torre: Nicht wirklich, zumindest nicht im Moment. Aber natürlich sollte es nach Fertigstellung der Plattform möglich sein, die Java APIs innerhalb von Jython, Clojure und so weiter zu nutzen. Wir könnten das Projekt derart ausweiten, dass auch Android-Anwendungen (wie in Dex Bytecode) direkt in diesen Sprachen laufen. Aber darauf liegt derzeit nicht unser Fokus.

JAXenter: Was sind die nächsten Schritte für das IcedRobot-Projekt?

Mario Torre: Wir müssen Daneel, den Dalvik-Interpreter, fertig stellen, das hat absolute Priorität. Wir werden weiterhin auch daran arbeiten, Dalvik zu entkoppeln. Das ist ein fortlaufender Prozess, der sehr wichtig ist, weil es nicht „nur“ darum geht, Dalivk autonom zu betreiben. Es geht hauptsächlich darum, die Frameworks so nutzen zu können, dass sie irgendwann von Daneel verwendet werden können. Dann werden wir versuchen, das ganze zusammen mit dem Replicant-Projekt laufen zu lassen (alternative Android-Distribution, A.d.R.).

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Mario Torre ist Java-Architekt im Kernteam bei JP Morgan Chase in Genf. Torre hat Beiträge zum OpenJDK und GNU Classpath Projekten geleistet. Sein Interessengebiet liegt bei der Musik, Kunst, dem Grafik-Design und bei spannenden Technologien.
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