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Neuigkeiten vom Dart Developer Summit 2016

Finales Release von AngularDart 2 und die Zukunft von Google Dart

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / Olivier Le Moal

Eine moderne Web-Programmiersprache, die es mit JavaScript aufnehmen kann. Das und nicht weniger war Googles Ambition, als 2010 die Entwicklung von Dart begann. Auf dem Dart Dev Summit 2016 wurde nun, fünf Jahre nach Darts Erstvorstellung 2011 auf der GOTO-Konferenz, ein Resümee der letzten Jahre gezogen und ein Blick in die Zukunft gewagt.

Eine mehrheitlich firmenintern genutzte Programmiersprache für die Web-Entwicklung würde, wenn sie von irgendeinem Unternehmen designt worden wäre, kaum jemanden interessieren. Mit Dart ist es allerdings bekanntermaßen so, dass es von einem gewissen Unternehmen aus Mountain View entwickelt wurde. Die Rede ist natürlich von Google, einem der mächtigsten Unternehmen der IT-Branche weltweit.

Ein Unternehmen wie Google, dessen Macht und – das muss man selbst als kritischer Betrachter anerkennen – Produktqualität seit Jahren wächst, hatte an die Investition in eine eigene Programmiersprache für die Web-Entwicklung natürlich höchste Erwartungen. Kein Wunder also, dass Google Dart von nicht wenigen als „JavaScript-Killer“ angesehen wurde.

Ziel verfehlt

Doch was sich bereits während der Entwicklungsphase abgezeichnet haben musste, fasste Co-Founder Kasper Lund auf dem Dart Developer Summit in München im Gespräch mit Frederic Lardinois treffend zusammen:

[The original idea for Dart] may have been too ambitious a start. It was very hard for us to follow that strategy [of building out a Dart runtime in the browser] and target the entire modern web.

Google musste sich mit der Tatsache abfinden, dass die Technologie von JavaScript und besonders dessen gigantisches Ökosystem bereits uneinholbar geworden waren. Google hatte also die Wahl, das Projekt entweder ad acta zu legen, oder sich den Gegebenheiten anzupassen. Dass Google dazu durchaus in der Lage ist, bewiesen sie mit dem Schritt, Dart zu einer Compile-to-JavaScript-Sprache zu machen.

Intern der Renner

Während Google Dart also das Ziel verfehlt hatte, JavaScript zu beerben und sich mit einem weniger glamourösen Platz in der Welt der Programmiersprachen zufrieden geben musste, sieht es intern deutlich besser aus. Dem offiziellen Bericht des Dart-Teams zufolge ist Dart unternehmensintern die am schnellsten wachsende Programmiersprache: Die Zeilen Code, die in Dart geschrieben wurden, sind um das Dreieinhalbfache gestiegen.

Dass Google auch nach sechs Jahren noch voll hinter dem Projekt steht, macht sich zudem bezahlt: Die Web-Anwendungen, die auf Dart basieren, bringen dem Unternehmen nach eigenen Angaben jährlich über 70 Milliarden Dollar ein. Ob dies allerdings an Dart liegt oder daran, dass die Anwendungen die Bedürfnisse des Marktes und der Kunden befriedigen, erwähnt Google dabei nicht.

AdSense & AdWords

Das Commitment des Unternehmens zur eigenen Programmiersprache kann man aber nicht nur lesen, sondern auch sehen: Erst vor wenigen Wochen stellte Google das umfangreiche Redesign von AdSense vor.

Redesign von Google AdSense / Quelle: Google Dart

Redesign von Google AdSense / Quelle: Google Dart

Die kostenfreie Web-Anwendung, die Webseitenbetreibern dabei hilft, Geld durch Werbeplatzierungen zu verdienen, hat unter anderem ein neues User Interface. Dieses basiert jetzt auf Angular2 und Dart. Auch die neue Generation der Web-Anwendung Google AdWords wird in Dart programmiert, wie Google bereits zu Beginn des Jahres verkündete.

AngularDart 2 & Flutter

Eines der Highlights am ersten Tag des Dart Developer Summits war die öffentliche Bekanntmachung des finalen Releases von AngularDart 2. Wenige Wochen nach der Veröffentlichung von Angular 2 ist nun auch der hausinterne Dart-Fork fertiggestellt und betriebsbereit. Die Teams von AdSense und AdWords machen bereits seit einiger Zeit Gebrauch vom jetzt endlich fertiggestellten Framework.

So sieht es in AngularDart 2 aus / Quelle: Google Dart

So sieht es in AngularDart 2 aus / Quelle: Google Dart

Angaben von Google zufolge ist der Output von AngularDart 2 in den letzten vier Monaten um etwa 40 Prozent gesunken. Außerdem seien die Web-Anwendungen, die unter Verwendung von AngularDart entstanden sind, im gleichen Zeitraum um 15 Prozent schneller geworden. Google prognostiziert an dieser Stelle eine weitere Verbesserung in den kommenden Wochen und Monaten.

Mit AngularDart 2 hat der Suchmaschinenriese auch einige Material Design Widgets in Form einer Developer Preview veröffentlicht, die Google für die wichtigsten Web-Anwendungen verwendet. Diese sind ebenfalls komplett in Dart geschrieben.

Wer Dart für die Entwicklung von Apps für Smartphones verwenden möchte, wird sich über das Projekt Flutter freuen. Das Framework wurde ins Leben gerufen, um Entwicklern beim Erstellen von hoch-performanten und hochwertigen Mobile-Anwendungen aus einer einzigen Dart-Codebasis heraus zu helfen.

Neue Sprachfeatures

Natürlich gibt es nicht nur in Bezug auf Tools, die für oder mit Dart entwickelt wurden, Neuigkeiten, auch die Features der Sprache selbst wurden erweitert. Zukünftig soll es möglich sein, TypeScripts .d.ts-Deklarationen in Dart-Bibliotheken zu konvertieren. Dies soll die Verwendung von Dart mit existierenden JavaScript-Bibliotheken einfacher machen. Dank des Dart Dev Compilers soll außerdem die Kompilierung in JavaScript in sämtlichen modernen Browsern weniger als eine Sekunde dauern.

Eine Stärke von Google Dart ist die mächtige statische Analyse. Um diese noch weiter zu verbessern, hat das Team von Dart einen optionalen Strong Mode auf dem Summit angekündigt. Mit diesem wird Dart zu einer Sprache mit starker Typisierung, die sämtliche inkorrekten Programme abweist. Eine weitere Neuerung ist die Einführung der Unterstützung generischer Methoden in Dart.

Fazit

Die wichtigste Botschaft, die Google auf seinem Dart Summit verbreiten wollte, formulierte das Team im offiziellen Nachbericht recht eindeutig:

Dart has been here for a long time and it’s not going anywhere.

Die Zahlen, die Google vorlegt, überzeugen insofern, dass Dart intern auf der Erfolgsspur fährt. Unternehmen wie Wrike, Workiva, Soundtrap, Blossom, DG Logic und Sonar Design setzen laut Google ebenfalls auf Dart, zu beeindrucken wissen diese Namen allerdings nicht so richtig. Zu vermuten ist, dass sich Googles Web-Sprache mit der Zeit, weiteren Investitionen und harter Arbeit auf dem Markt deutlicher etablieren wird – Googles Macht im IT-Bereich sei Dank.

Ein Video der Keynote und der Talks vom ersten Tag des Dart Developer Summits wurde auf YouTube veröffentlicht. Wer die Sessions gerne ansehen möchte, kann sich den Mitschnitt (Dauer ~7,5 Stunden) hier bei uns ansehen. Den Stream der heutigen Veranstaltungen gibt es auf YouTube zu sehen.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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