Interview mit Bob Wiederhold

Couchbase: Wir haben keine Angst vor MongoDB

Bob Wiederhold

Das Unternehmen Couchbase ist 2011 aus der Verschmelzung des memcached-Spezialisten Membase und des CouchDB-Supporters CouchOne hervorgegangen. Technologisches Ergebnis des Mergers ist der Couchbase Server, dessen Enterprise Edition 2.5 gerade erschienen ist. Zudem wartet der NoSQL-Spezialist mit einem ungewöhnlichen „JSON Everywhere“-Angebot auf, das auf den Mobile-Wachstumsmarkt abzielt und den Platzhirsch MongoDB herausfordert. Wir sprachen mit Couchbase CEO Bob Wiederhold über die aktuelle Situation des NoSQL-Marktes und die neuesten Entwicklungen bei Couchbase.

JAXenter: Wie hat sich die Marktdynamik im NoSQL-Bereich verändert, seitdem Ihr mit Couchbase an den Start gegangen seid?

Bob Wiederhold: In den ersten paar Jahren zeichnete sich der NoSQL-Markt durch eine Art von Basis-Denken bei den Programmieren aus. Entwickler luden sich die Software herunter, spielten damit herum und verwendeten sie höchstens für kleine Anwendungen und nur relativ selten für tatsächliche Business-Anwendungen.

Ende 2012 und im Lauf des Folgejahres begann das Ganze sich im großen Stil zu ändern. Große Internet-Unternehmen kamen nach und nach zu der Überzeugung, dass ihnen NoSQL einen greifbaren strategischen Vorteil beim Aufbau einer IT-Infrastruktur bieten könne. Technische Analysen und Evaluationen der Mitbewerber folgten, und immer mehr Firmen begannen NoSQL einzusetzen.

In dieser Phase konnten wir spürbare Zuwächse bei NoSQL beobachten, da sich die Marktdynamik grundlegend änderte. Das Hauptaugenmerk lag zunächst auf dem Komfort bei der Entwicklung –  das führte dazu, dass MongoDB relativ stark wurde und in Bezug auf die Beliebtheit deutlich zulegte.

Inzwischen befinden wir uns in Phase 2: bei den business- und missionskritischen Anwendungen sind Skalierbarkeit und Performance inzwischen wesentlich wichtiger, da die Anwendungen bereits über eine gewisse Größenordnung verfügen und dementsprechend eine bessere Performance bieten müssen.

JAXenter: Wie wurde eure „JSON-auf-jedem-Gerät“ Strategie im Allgemeinen aufgenommen?

Bob Wiederhold: Fantatisch. Der mobile Bereich ist im Moment logischerweise ein heißes Thema. Es ist die neue Entwicklungsplattform, und für die Leute ist das spannend, weil sie genau wissen, dass dort im Moment ein großer Wandel stattfindet und sich die Dinge ändern.

Der zweite Punkt – und hier kann man ziemlich sichere Prognosen anstellen – ist der, dass mobile Geräte immer leistungsfähiger werden und mehr Rechenleistung sowie einen größeren Speicher bieten werden. Unsere Message ist die, dass wir glauben, dass in Zukunft ein größerer Teil der Anwendung auf dem Mobilgerät laufen wird, und wir aus diesem Grund eine ultraleichte mobile Datenbank brauchen, die sich im Mobiltelefon befindet.

Etliche Leute finden das im Moment extrem spannend, und egal, ob es sich um Entwickler handelt oder um Leute, die sich die Trends bei mobilen Anwendungen anschauen, gibt es derzeit meiner Meinung nach bei vielen eine feste Überzeugung, dass man eine mobile Datenbank benötigt, die sich direkt auf dem mobilen Gerät befindet.

Das ist eines der Dinge, die wir anbieten – wir nennen das Couchbase Lite. Am besten kann man es als auf JSON-basierende, ultra-leichtgewichtige und sichere Datenbank für Mobilgeräte bezeichnen. Mit ihrer Hilfe kann man mit den Daten interagieren, selbst wenn man gerade keine Internetverbindung hat, außerdem bietet es dem User eine wesentlich bessere Responsivität in Bezug auf die Performance der App, da sich ein Großteil der Daten ganz einfach auf dem Gerät befindet. Eine lokale Datenbank bietet eine Menge Vorteile, und da viele Leute im Moment auf NoSQL und JSON umsteigen, ist die Tatsache, dass es auf JSON basiert, natürlich äußerst interessant.

JAXenter: Welche großen Problemfelder in der IT-Industrie werdet Ihr als nächstes angehen?

Bob Wiederhold: Der zweite Aspekt unserer Strategie ist, die mobile Datenbank mit der Datenbank in der Cloud zu synchronisieren. Wir haben da etwas, das wir Couchbase Sync Gateway nennen – im Grunde ein Framework, das einem erlaubt, die mobile Datenbank sehr einfach mit der Cloud zu synchronisieren.

Man sollte das auf keinen Fall unterschätzen: Die Synchronisation richtig hinzubekommen ist äußerst schwierig. Das Ganze nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, und für die Entwickler ist es ein Kampf. Unsere Lösung wird das Synchronisieren auf dramatische Art und Weise vereinfachen, und deshalb sind die Leute natürlich extrem neugierig.

Mit unserer Synchronisation kann man seine eigenen Geräte synchronisieren, also werden viele es für ihre Smartphones, ihre Tablets und ihre Laptops verwenden. Man kann aber nicht nur die persönlichen Geräte selbst, sondern ganze Personengruppen vernetzen. Prinzipiell bietet unsere Lösung dem User also die Möglichkeit, mit anderen zusammenzuarbeiten und sich mit beliebigen Leuten zu vernetzen.

Außerdem ist es natürlich wichtig, dass man Backups von seinen Daten machen kann, gerade bei Mobiltelefonen: Sie gehen kaputt, sie fallen ins Wasser, man verliert sie oder was auch immer. Deshalb wird es für Mobilgeräte immer wichtiger, dass man seine Daten mit der Cloud synchronisieren kann.

Bis jetzt sind wir der einzige NoSQL-Anbieter mit dieser Technologie –  in dem Punkt sind wir den anderen also ein gutes Stück voraus. Gerade gestern haben wir unsere Beta-2-Version releast, und wir planen die endgültige Version in den nächsten Monaten allgemein verfügbar zu machen. Das Interesse daran ist definitiv vorhanden. Wir sind zwar eine Open-Source-Firma, aber die Leute laden unsere Software herunter, benutzen sie und entwickeln Apps damit, und die Resonanz war fantastisch.

75% unserer User verwenden bei der Entwicklung mobiler Anwendungen bereits Couchbase, aber sie entwickeln, ohne die Daten lokal auf dem mobilen Gerät zu speichern. Diese Möglichkeit bieten wir ihnen jetzt: Wer will, kann seine Daten jetzt direkt auf dem jeweiligen Gerät speichern.

Außerdem gibt es inzwischen innovative Entwickler sowohl in großen Unternehmen als auch in Startups, die sich sehr genau mit der Technologie befassen und nach Wegen suchen, bessere Anwendungen zu entwickeln, die schneller und responsiver sind und eine bessere Synchronisation und Zusammenarbeit ermöglichen. Das Ganze ist aber nicht nur auf Einzelpersonen oder Startups beschränkt – es gibt ein breites Spektrum von Leuten, die die Software herunterladen und benutzen.

JAXenter: Ist der Enterprise-Bereich eurer Meinung nach die spezielle Nische von Couchbase, oder wollt Ihr euch lieber breiter positionieren?

Bob Wiederhold: Im Moment läuft es ganz gut, weil auch die Entwickler-Basis unsere Produkte verwendet. Wir sind in dem Bereich natürlich nicht annähernd so populär wie Mongo, aber Enterprise ist für uns der Mainstream. 

Es geht hier um eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Anwendungen. Für Unternehmen und Internetfirmen werden Internet-basierte und mobile Anwendungen zunehmend wichtiger für den geschäftlichen Erfolg. Deshalb sehen wir Enterprise als Mainstream. Wenn man sich die NoSQL-Industrie anschaut, liegt das größte Wachstumspotentials meiner Meinung nach bei diesen Unternehmen, bei ihren Geschäftsmodellen und bei den entsprechenden missionskritischen Anwendungen.

Wir schätzen, dass – rein unternehmerisch betrachtet – in den nächsten drei bis fünf Jahren genau dieser Bereich der IT-Industrie am stärksten wachsen wird. Und ich glaube, wir haben alle irgendwie auf diesen Wandel gewartet: darauf, dass Unternehmen und die großen Internetfirmen die Technologie endlich für so ausgereift befinden, dass sie anfangen, sie in den wichtigen, den strategisch entscheidenden Anwendungen einzusetzen. Für die NoSQL Industrie ist dieser Umbruch natürlich großartig, und der Trend wird sich in den nächsten ein bis drei Jahren noch beschleunigen.

JAXenter: Ist für Couchbase dieses Jahr noch etwas anderes geplant?

Bob Wiederhold: Mit anderen Anbietern verglichen, vor allem mit Mongo und DataStax, sind wir erst relativ spät an den Markt gegangen. Während sie bereits 2007 anfingen, ging es für uns erst 2010 los. Das ist auch einer der Gründe, warum wir nicht so bekannt sind. Jetzt, da wir rapide wachsen, große Erfolge verzeichnen und unsere Erfolge in regelmäßigen Abständen einem immer breiteren Kundenkreis mitteilen, wird aber auch unser Name immer bekannter.

Wir werden dieses Jahr noch eine ganze Reihe von Ankündigungen machen. Ich glaube, dass es viele, viele Leute gibt, egal ob man Blogs liest oder Interviews in der Presse, die mit den Performance-Problemen von MongoDB genau vertraut sind. In Zukunft wollen wir noch stärker betonen, dass das ein Bereich ist, in dem wir besonders stark sind und wo wir uns von den anderen abheben. Wenn einem das wichtig ist, sollte man auf jeden Fall zu Couchbase wechseln.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Bob Wiederhold ist CEO und Präsident von Couchbase und seit 25 Jahren im High-Technology-Sektor tätig. Bis 2008 war er Vorstandsvorsitzender, Präsident und CEO von Transitive Corproration, einem Weltmarktführer im Bereich Cross-Plattform-Virtualisierung mit mehr als 20 Millionen Benutzern. Wiederhold hat zudem umfassende Erfahrungen als Aufsichtsratsmitglied – er saß in den Gremien von sowohl öffentlichen (Certicom, HLDS) als auch privaten Unternehmen (Snaketech, Tality, Transitive, FanfareGroup).

Das Interview wurde von Lucy Carey geführt und ist in englischer Sprache erschienen auf JAXenter.com.

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Ada
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hallo schönen guten Morgen, ich bin Student und beschäftige mich aktuell mit dem Themen Datenbanken und der MongoDB. ( In einigen Unternehmen werden die Daten mit Oracle SQL Developer hochgeladen (csv datein) in deren Server und dann über MongoDB weiterverarbeitet und letztendlich Reports erstellt). Es wird also zwischen 2 Datenbanken umgeswitched. Hierbei ist von Wichtigkeit: Die Performance, Skalierbarkeit, Indexierung, Datenvolumen (Big Data), Datenschema etc. Da ich mich gerne im Bereich MongoDB vertiefen möchte, bräuchte ich eine kleine Hilfestellung von Ihnen als Experte. 1. a) Kann man oder wie wäre es möglich/machbar das Sternschema aus Oracle in die Mongo DB zu… Read more »