Continuous-Delivery-Plattform für Unternehmen: CloudBees partnert mit Chef und Puppet

Hartmut Schlosser

Innovative Unternehmen begannen vor Jahren damit, die Komponenten ihrer Software nicht erst vor dem großen Release zusammenzubauen, sondern regelmäßig und automatisiert, sodass Probleme früh erkannt werden konnten. Die Effizienz und Sicherheit, die man mit solchen Continuous-Integration-Techniken erreicht, auf den gesamten Application Lifecycle zu übertragen, hat sich das Unternehmen CloudBees auf die Fahnen geschrieben. Wir sprachen mit CloudBees-Gründer Sacha Labourey über die aktuelle Ankündigung von CloudBees, die erste Enterprise-Plattform für Continuous Delivery bereit zu stellen.

CloudBees CEO Sacha Labourey

„Die klassischen Ansätze zum Entwickeln und Vertreiben von Software sind hochgradig ineffizient und verzögern Projekte, treiben Kosten in die Höhe und behindern Innovationen“, sagt Sacha Labourey, Geschäftsführer und Gründer von CloudBees. Mit der neuen, auf dem CI-Server Jenkins basierenden Continuous Delivery Platform sollen Unternehmen nun Reibungsverluste in ihren Entwicklungsprozessen vermeiden und eine wettbewerbsfähige Umgebung schaffen können.

Die Eckdaten dieser Enterprise-Plattform für Continuous Delivery klingen zunächst einmal wenig überraschend: Die Plattform basiert auf Jenkins und auf Komponenten der CloudBees PaaS. Bei Jenkins sitzt CloudBees quasi an der Quelle, kann es doch Jenkins-Hauptentwickler Kohsuke Kawaguchi in seinen Reihen zählen. In der Java-Welt dürfte das Tool die Nr. 1 unter den CI-Servern darstellen, jüngste Statistiken sprechen von 80.000 aktiven Installationen der CI-Software weltweit. Darüber hinaus ist Jenkins auch in anderen Communitys vertreten und kann per Plug-in auch PHP-, Ruby- oder .NET-basierte Projekte verwalten.

Neu sind nun Partnerschaften von CloudBees mit Chef Software und Puppet Labs. Durch die bessere Integration der verbreiteten DevOps-Werkzeuge Chef und Puppet kann Jenkins um Funktionalitäten im Betriebsbereich erweitert werden. Erstes Ergebnis dieser Partnerschaften ist eine verbesserte Jenkins Traceability, d.h. Operator wie Entwickler können erstmals mit Jenkins Code-Änderungen über den gesamten Application Lifecycle hinweg nachvollziehen, angefangen bei der Entwicklung, über die Installation bis hin zur Produktion.

Für Sacha Labourey ist diese Erweiterung in den DevOps-Bereich der nächste logische Schritt. „Unternehmen müssen auf den Marktdruck reagieren und in der Lage sein, Produkte und Produkt-Updates schnell und agil auszuliefern.“ Über strategische Partnerschaften soll es gelingen, die Fäden für eine durchgehende Continuous-Delivery-Plattform zusammenzuziehen, die so flexibel ist, um existierende Tool- und Middleware-Landschaften zu integrieren und sowohl On-Premise als auch in public, private oder hybriden Cloud-Umgebungen zu funktionieren.

Erst im Februar hatte CloudBees die Partnerschaft mit Telko-Anbieter Verizon bekannt gegeben, durch die Verizon-Kunden in die Lage gesetzt werden, auf der Verizon-Infrastruktur die CloudBees Enterprise-Services zu nutzen. Jetzt kommen mit Chef Software und Puppet Labs zwei neue Kooperationen hinzu, und dem nicht genug: Weitere gezielte Partnerschaften sind laut Labourey im Gespräch.

CloudBees wurde jüngst im Rahmen der JAX Innovation Awards von der Jury als eines der fünf innovativsten Open Tech Businesses ausgezeichnet. 2010 vom Ex-JBoss-CTO Sacha Labourey gegründet, positioniert sich das Unternehmen heute vom reinen PaaS-Vendor weg zum Anbieter einer Continuous Delivery Platform as a Service, in deren Zentrum ein Satz von Diensten steht, mit denen sich neue Business-Applikationen erstellen, deployen und mit anderen Diensten zusammenführen lassen.

Nach dem innovativen Beitrag CloudBees für die Community gefragt, verweist Labourey auf die Zeit vor fünf Jahren, als Continuous Delivery in der Cloud wegen einer heterogenen Tooling-Landschaft nur schwer zu erreichen war. So liege die Innovation CloudBees darin, die Komponenten für eine Continuous-Delivery-Plattform in der Cloud zusammenzuführen, eng miteinander zu integrieren und auf verschiedenen Kanälen verfügbar zu machen – und damit den Unternehmen den Weg zu ebnen, eigene Innovationen zu schaffen.

Aus aktuellem Anlass haben wir Sacha auch nach seiner Einstellung zur Spezifikation eines Cloud-Standards in Java EE gefragt. Gerade hat Java EE 8 Specification Lead Linda DeMichiel einen ersten Entwurf für das für 2016 geplante Java EE 8 vorgelegt, in dem der Ausbau der Java-EE-Cloud-Specs um Multiple-Tenants-Konzepte, erweiterte Security-Konfigurationen und REST-basierte APIs für Monitoring und Management enthalten sein sollen (wir berichteten).

Nun, Sacha mahnt hier zur Vorsicht. Zwar lägen in einer Java EE Cloud durchaus interessante Potenziale, doch sei die Geschichte der JSRs reich an Spezifikationen, die sich in der Praxis nicht bewähren konnten. Jetzt sei die Zeit noch nicht reif für eine Java EE Cloud, meint Sacha. Lösungen wie CloudBees, OpenShift, Cloud Foundry, etc. setzen derzeit die Maßstäbe, nicht Spezifikationen. Hier einen gemeinsamen Nenner zu finden, dürfte sich nicht einfach bewerkstelligen lassen.

Wie dem auch sei, CloudBees ist mit seinem Continuous-Delivery-Ansatz und den strategischen Partnerschaften auf einem guten Weg, Fakten zu schaffen, an denen auch eine Java-EE-Experten-Gruppe nicht vorbei kommt. Der Cloud-Markt bleibt in Bewegung, und das Gute daran ist, dass sich Lösungen nicht in Silos entwickeln, sondern sich durch offene Architekturen und Partnerschaften miteinander verzahnen.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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