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Interview mit Kohsuke Kawaguchi: „Vielleicht war Jenkins einfach nur zur rechten Zeit am rechten Ort“

Coman Hamilton

Kohsuke Kawaguchi

Der Jenkins-Schöpfer Kohsuke Kawaguchi sprach mit uns über Continuous Delivery, Jenkins, und darüber, welche Vorteile man als First-Mover in der IT hat.

JAXenter: Zu allererst, kannst du uns ein wenig darüber erzählen, welche Verbesserungen CloudBees in neuester Zeit für Jenkins mit sich gebracht hat?

Kohsuke Kawaguchi: Die finden sich eigentlich in jederlei Hinsicht, aber lass mich mit Jenkins Workflow beginnen. Das Plug-in stellt ein völlig neues Subsystem dar, das Jenkins beträchtlich erweitert. Einfach gesagt lässt es einen eine vollständige Automatisierungskette als Skript beschreiben. Es kann sehr leicht mit Parallelismus, Tasks die mehrere Computer einbeziehen, Human Approvals und externen System-Interaktionen umgehen. Es ist ein ideales Werkzeug für die Beschreibung der Continuous Delivery-Pipeline. Es ist ein zentraler Ermöglicher für die Zukunft von Jenkins.

Des Weiteren gab es verschiedene UI- und UX-Verbesserungen in Jenkins Core. Wir haben CSS aufgefrischt und die UI responsiv gemacht. Außerdem sind die Icons jetzt plugabble, und wir haben einen Mechanismus geschaffen, um Themes einzuführen.

Zudem wurden auch Verbesserungen in denjenigen Bereichen realisiert, die man nicht zu Gesicht bekommt. Wir haben kontinuierlich Flaschenhälse bei der Skalierbarkeit sowie Concurrency-Probleme, von denen wir durch größere Deployments unserer Kunden erfahren haben, beseitigt. Da mehr und mehr User Jenkins mit elastischem Build Slave ausführen, wurde der entsprechende Teil von Jenkins ebenfalls stark überarbeitet.

Im Rahmen der anstehenden Jenkins User Conferences werden wir über vieles von dem sprechen und auch verraten, was wir zukünftig in diesen Bereichen machen wollen. Einige aufregende neue Features werden dort ebenfalls präsentiert werden.

JAXenter: Was möchtest du denjenigen Fans von CD und Jenkins sagen, die wegen organisatorischen Gründen bislang nicht auf Continuous Delivery umsteigen konnten?

Kohsuke Kawaguchi: Continuous Delivery ist keine binäre Angelegenheit, und es ist beispielsweise nicht wie ein Auto oder ein Haus, das man in einem Rutsch bezahlt und bekommt. Vielmehr sehe ich Continuous Delivery eher wie einen Prozess von langsamen aber stetigen Verbesserungen über die Zeit hinweg bzw. als eine Aneinanderreihung kleiner Schritte. Ich denke, wenn man als einzelner Mitarbeiter frustriert über die Langsamkeit des Wandlungsprozesses ist, ist es produktiver und befriedigender, sich während der sich hier und dort ergebenden freien Zeit jeweils nur ein einzelnes kleines Problem in Angriff zu nehmen. Manchmal glaube ich, dass das der schnellste Weg ist, um den Leuten diese Idee nahezubringen. Die Geschichte vom Hasen und der Schildkröte sozusagen.

Ich glaube, ähnliches trifft auf diejenigen zu, die für den Wandel in Organisationen verantwortlich sind. Zuerst nur ein Projekt in Angriff nehmen, schauen wo es steht, und schrittweise voranbringen. In den Teams jeweils Champions fördern und ihnen die Idee vermitteln, dass sie Rückschau halten sollten und dass sie die Art und Weise, wie sie Dinge angehen, durch Automatisierung verbessern können. Sich immer vor Augen halten, dass es nicht das Ende der Welt ist, wenn nicht jeder es auf die selbe Art macht.

Und der Knackpunkt ist, dass wir alle den Zufluss neuer Ideen gebrauchen können. Verschiedene Herangehensweisen an Probleme sind ebenso nützlich wie etwa zu sehen, wie andere Menschen ähnliche Probleme lösen; Dinge zu suchen, die man zu seinem Vorteil nutzen kann. Und das alles bekommt man, wenn man mit der Community interagiert, und das ist auch einer der Hauptgründe, warum die Leute die Jenkins User Conferences besuchen.

JAXenter: Warum ist Jenkins in der Community so erfolgreich geworden?

Kohsuke Kawaguchi: Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass es den Leuten Teile an die Hand gegeben hat, die sie selber wieder zusammensetzen können. Es hat den Leuten etwas gegeben, das sie unmittelbar verwenden, daraus Vorteile ziehen können. Und im Gegensatz zu Autos oder Häusern kann man mit Jenkins viel einfacher und gleichzeitig auf einer viel tieferen Ebene herumbasteln. Das heißt wenn man damit umgehen kann, kann man es dem individuellen Stil des Teams anpassen, anstatt dass man das Team sozusagen in eine vorgefertigte Form presst. Wenn man in seinem Auto eine zusätzliche Tür haben möchte, dann muss man ein neues kaufen. Bei Jenkins reicht es, ein neues Plug-in hinzuzufügen. In anderen Worten: Erweiterbarkeit ist der Schlüssel.

Genauso wahrscheinlich ist auch, dass ich einfach Glück hatte. Es gibt in der Softwareentwicklung einen umfassenden Drall in Richtung mehr Automatisierung und vielleicht war Jenkins einfach nur zur rechten Zeit am rechten Ort. Bei Software hat man definitiv einen Vorteil, wenn man First-Mover ist.

JAXenter: Insbesondere Devs scheinen Jenkins beim Thema Infrastructure as Code zu nutzen – wird das deiner  Ansicht nach in der Community so aufgenommen?

Kohsuke Kawaguchi: Ja, das Thema Infrastructure as Code ist heutzutage eine treibende Kraft. Sagt man „Infrastructure as Code“ könnte man an Chef, Puppet usw. denken, aber die gleiche Idee wird auf andere Dinge angewendet. Wir nutzen beispielsweise roadworker und sein Konvergenz-basiertes DNS als Code. Wir verwenden auch Terraform und dessen Cloud-Server-Bereitstellung als Code.

Ich denke, ein Mitgrund für den Trend in Richtung „X als Code“ ist, dass es uns dadurch erlaubt wird, die gleichen Tools, Idiome und Prozesse auf diese Bereiche, in diesem Falle den Ops-Bereich, anzuwenden. Eines dieser Tools ist Git, denn sobald man nach dem Motto „X als Code“ vefährt, setzt man sie unter Versionskontrolle, macht Code-Reviews usw. Ich denke, Jenkins ist ein weiteres Tool dieser Art, weil der Code kompiliert, statisch analysiert, getestet, integriert usw. werden muss. Jenkins treibt diese Prozesse an.

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JAXenter: Die Jenkins-Community in Europa wächst. Was tut sich da, und wie können die Leute mitmachen?

Kohsuke Kawaguchi: Ich glaube die Community wächst überall. Allerdings sehe ich in Europa eine große Konzentration von Jenkins-Entwicklern, die sich aktiv an der Community beteiligen. Vielleicht liegt das teilweise daran, dass die Firmen und Individuen dort eine größere Bereitschaft aufweisen, zu teilen und öffentlich über das zu sprechen, was sie mit Jenkins anstellen. Vor einigen Jahren hatte ich ein Treffen bei Nokia in Kopenhagen, und dort tauchten auch einige Leute von Sony Ericsson auf und teilten ihre Jenkins-Erfahrungen und -Plug-ins mit uns. Das sind zwar konkurrierende Unternehmen, aber die Leute kennen sich. Verglichen damit habe ich den Eindruck, dass asiatische und amerikanische Unternehmen etwas geheimniskrämerischer sind und diese Dinge lieber für sich behalten.

Hilfreich ist wahrscheinlich auch, dass geographisch alles näher beieinander liegt. Als ich zum Beispiel ein Treffen in Hamburg hatte, kamen Leute aus Berlin und Köln dazu. Als ich ein Treffen in Brüssel hatte, kamen Leute aus Schweden herüber. Wenn man ein Treffen in San Francisco hat ist es schon schwer, Leute aus Chicago dabei zu haben.

Kohsuke Kawaguchi is a well-respected developer and popular speaker at industry and Jenkins community events. Before joining CloudBees, where he currently serves as CTO, Kohsuke was with Sun Microsystems and Oracle, where he worked on a variety of projects and initiated the open source work that led to Jenkins. He’s often asked to speak about his experience and approach in creating Jenkins, a CI platform that has become a widely adopted and successful community-driven open source project.

 

Aufmacherbild: Tram tracks in the night von Shutterstock / Urheberrecht: Jne Valokuvaus

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Coman Hamilton
Coman Hamilton
Coman was editor of JAXenter.com at S&S Media Group. He has a master's degree in cultural studies and has written and edited content for numerous websites and magazines, as well as several ad agencies.
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