Kohsuke Kawaguchi im Interview

Gründung der Continuous Delivery Foundation: Eine neue Heimat für Jenkins & Co.

Dominik Mohilo

© Shutterstock / sculpies

CloudBees, Google, die Linux Foundation und die Communitys von Jenkins bzw. Jenkins X haben sich zusammengetan, um die Continuous Delivery Foundation zu gründen. Ziel des Ganzen ist natürlich die Weiterentwicklung und Verbreitung der Projekte sowie das Schaffen von Industriestandards und das Definieren von Best Practices.

Wer heute an Projekte wie Kubernetes, Prometheus oder containerd denkt, bei dem erscheint auch irgendwo die Cloud Native Computing Foundation. Beim Thema Cloud kommt einem vielleicht auch Cloud Foundry oder die Open Container Initiative in den Sinn. Was im Cloud-Bereich die CNCF etc. sind, ist im JavaScript-Bereich die JS Foundation, unter deren Dach Projekte wie Grunt oder jQuery angesiedelt sind. Für die Blockchain gibt es das Hyperledger-Projekt mit seinen vielen Unterprojekten und sogar eine GraphQL Foundation gibt es – hier ist (wenig überraschend) die GraphQL-Spezifikation zuhause.

Gründung der Continuous Delivery Fondation

All diese Organisationen, Initiativen, Foundations und Großprojekte haben einen gemeinsamen Nenner: Sie sind alle unter dem Dach der Linux Foundation angesiedelt. Über 50 Subfoundations gibt es mittlerweile, jetzt gibt es eines mehr: Die Continuous Delivery Foundation (CDF). Vorangetrieben wurde die Gründung vor allem von CloudBees, der Firma hinter Jenkins, in Zusammenarbeit mit Google, der Jenkinks Community und natürlich der Linux Foundation. Doch auch andere Industriegrößen wie GitLab, Microsoft, Red Had und Netflix haben an der Formierung mitgearbeitet.

Initial wird die neue CDF Projekte wie Jenkins / Jenkins X, Spinnaker und Tekton umfassen, doch die Foundation möchte natürlich zukünftig als Anlaufstelle für eine ganze Reihe von unterschiedlichen Projekten dienen. Am Ende soll ein Ökosystem für Continuous Delivery geschaffen werden, dass für jedes Problem eine (quelloffene) Lösung bietet. Portabilität und Interoperabilität möchte man dabei groß schreiben.

Gerade für das beliebte Jenkins-Projekt könnte sich dieser Schritt vorteilhaft auswirken, vermutet Sacha Labourey, CEO und Mitgründer von CloudBees:

Wir glauben, dass dies der richtige Weg für die Projekte Jenkins und Jenkins X sowie für die Industrie ist. Bis heute war CloudBees der wichtigste Unterstützer für alles, was Jenkins betrifft – und das wird auch weiterhin so bleiben. Der Beitritt von Jenkins zur CDF bedeutet jedoch, dass das Projekt noch schneller wachsen wird als bisher, mit mehr Mitgliedern und mehr Beiträgen. Die CDF wurde von CloudBees mit ins Leben gerufen und wir halten die Organisation für unerlässlich, um Continuous Delivery zu fördern. Wir werden alle davon profitieren.

— Sacha Labourey, CEO CloudBees

Interview mit Kohsuke Kawaguchi

Kohsuke Kawaguchi, der Erschaffer von Jenkins und CTO bei CloudBees, stellt im exklusiven Interview mit JAXenter die Ziele der neuen Foundation genauer dar und spricht über die Vorteile für Projekte und deren Communitys.

JAXenter: Hallo Kohsuke und danke, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten. Zweiundzwanzig Unternehmen – u.a. CloudBees, GitLab, Google, Microsoft, Netflix und Red Hat – haben gemeinsam mit der Linux Foundation die Gründung der Continuous Delivery Foundation (CDF). Was sind die Ziele der neuen Organisation?



Kohsuke Kawaguchi: Die CDF ist eine neue Heimat für Mitglieder und Projekte, die an die transformative Kraft von Continuous Delivery für die Softwareentwicklung und damit auch für Unternehmen glauben. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Open-Source-Projekten zu fördern, die sich über den gesamten Software-Delivery-Lifecycle erstrecken.

JAXenter: Jenkins, dein Baby, und Tools wie Jenkins X, Tekton und Spinnaker sind initial als Projekte bei der CDF dabei. Welche Vorteile hat es für Projekte und deren Mitglieder, wenn sie sich der Continuous Delivery Foundation anschließen?

Die CDF ist offen und kein exklusiver Kreis von ‚Insidern‘.

Kohsuke Kawaguchi: In der Softwareentwicklung ist jedes Team von einer Vielzahl an Open Source Tools abhängig, um Software bereitzustellen. Führen wir unsere Projekte zusammen und arbeiten gemeinsam an ihnen, können wir Herausforderungen schneller angehen und Probleme effektiver lösen.
 
 
JAXenter: Wird es so etwas wie einen Inkubator für neue Projekte geben, wie man es von der Eclipse Foundation, der Apache Software Foundation oder der CNCF kennt? Wer wird entscheiden, welche Projekte unter das Dach der Continuous Delivery Foundation kommen?

Kohsuke Kawaguchi: Die CDF wurde gerade erst gegründet. In den kommenden Wochen wird folglich noch viel passieren, um solche Strukturen aufzubauen. Unser Vorteil ist aber, dass die Linux Foundation über viel Fachwissen und etliche Experten verfügt, die bereits an den ersten Projekten beteiligt waren und einen starken Open-Source-Hintergrund haben. Die Grundvoraussetzungen sind also gegeben. Zudem ist die CDF eine offene Organisation und ist nicht nur als ein exklusiver Kreis von „Insidern“ konzipiert.

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JAXenter: Welche Organisationsform wird die neue Foundation haben? Wird es zum Beispiel ein ganzes Board of Directors geben, das gewählt wird, oder nur einen „Chef“?

Kohsuke Kawaguchi: Die Satzung der CDF beschreibt dies ausführlich. Grob gesagt: es gibt das Governance Board, das sich mit Finanzen und der Kontrolle beschäftigt. Ein weiteres Organ ist das Technical Oversight Committee, das projektübergreifend koordiniert, Projekte fördert und so weiter. Und ja, all diese Positionen werden durch Wahl bestimmt.

JAXenter: Ist eine Art neuer Lizenz geplant (wie die Apache-2.0-Lizenz oder die Eclipse Public License)?

Kohsuke Kawaguchi: Davon habe ich nichts gehört. Die Nachhaltigkeit von Open Source ist ein wichtiges Thema in der Branche. Einige Gruppen haben versucht, Lizenzen zur Lösung dieser Herausforderung einzusetzen. Meiner Meinung nach haben sie zwar durchaus die richtigen Probleme identifiziert, und ich begrüße ihre Bemühungen in dem Bereich, aber ich glaube nicht, dass es auf diese Art und Weise funktionieren wird.

JAXenter: Wie wird die Zusammenarbeit an Projekten durch die Community vonstattengehen? Wird es Mailing-Listen oder einen Slack-Server für die Kommunikation geben? Wird es auf technischer Ebene auf GitLab bzw. GitHub hinauslaufen oder ist etwas anderes geplant?

Open-Source-Projekte brauchen in verschiedenen Phasen unterschiedliche Strukturen.

Kohsuke Kawaguchi: Eines der Dinge, die ich durch das Jenkins-Projekt gelernt habe, ist, dass Open-Source-Projekte in verschiedenen Phasen unterschiedliche Strukturen benötigen. Ich rechne damit, dass jedes Projekt autonom agieren wird, um je nach Anforderung priorisieren zu können. Auf CDF-Ebene denke ich, dass verschiedene Strukturen nützlich sein könnten, um das Engagement von Unternehmen voranzutreiben – beispielsweise in Form von Arbeitsgruppen und speziellen Interessengruppen, die sich regelmäßig treffen.

JAXenter: Zum Schluss vielleicht noch die Frage, was das Jahr 2019 für die Projekte Jenkins und Jenkins X noch in petto?

Kohsuke Kawaguchi: Das kann ich – ehrlich gesagt – nicht sagen! Aber ich weiß, dass immer mehr Leute an den Projekten arbeiten und viel passiert (z.B. findet gerade eine Zusammenarbeit zwischen Jenkins X und Tekton statt). Wenn also die ersten Monate des Jahres 2019 ein Wegweiser für die Zukunft sind, dann wird es ein weiteres verrücktes Jahr werden!

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Kohsuke Kawaguchi ist der Gründer von Jenkins. Er ist ein angesehener Entwickler und gefragter Referent in der Industrie und bei Jenkins Community-Events. Vor seinem Eintritt bei CloudBees war Kawaguchi bei Sun Microsystems und Oracle beschäftigt, bei denen er an einer Vielzahl von Projekten gearbeitet hat und er das Open-Source-Projekt, das zu Jenkins führte, startete. Kawaguchi wird oft nach seinen Erfahrungen und seiner Vorgehensweise bei der Schaffung von Jenkins befragt. Jenkins ist eine CI-Plattform, die sich zu einem weitverbreiteten und von der Community weiterentwickelten Open-Source-Projekt entwickelt hat.
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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