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Compuware & dynaTrace: State-of-the-Art der Performanz-Analyse

Hartmut Schlosser

Nichts Geringeres als das Setzen eines neuen Standards für das Application Performance Management (APM) hat sich das Unternehmen dynaTrace Software auf die Fahnen geschrieben. Genauer beschreitet die seit Kurzem verfügbare Version 4 der dynaTrace APM-Lösung neue Wege in der Performanz-Analyse von Java-, .NET- und Webanwendungen, und macht als wichtigste Neuerung auch vor dem Bereich User Experience Management (UEM) nicht Halt.

Nun wird es Beobachtern der Szene nicht entgangen sein, dass dynaTrace Software vor wenigen Tagen vom amerikanischen IT-Anbieter Compuware übernommen wurde. Wohin geht die dynaTrace-Reise also tatsächlich? Wird hier ein weiteres erfolgreiches Unternehmen von einem IT-Riesen geschluckt – ganz zum Leidwesen der dynaTrace-Nutzer? Oder ergeben sich aus der Übernahme womöglich synergetische Effekte und Mehrwerte für die Community? Darüber und über die Zukunft des Application Performance Management sprachen wir mit dynaTrace-Gründer Bernd Greifeneder.

Aufzeichnung geschäftskritischer Transaktionen in dynaTrace 4
Compuware & dynaTrace: Zwei APM-Spezialisten vereint

dynaTrace ist ein noch recht junges Unternehmen, doch beileibe kein Unbekannter in der IT-Szene. Seit der Gründung im Jahr 2005 ist es dem im österreichischen Linz verwurzelten Spezialisten gelungen, mit der sogennanten PurePath-Technologie den Bereich der Performanz-Analyse neu zu beleben. Während frühere Lösungen stark auf statistische Extrapolationen setzten, ist es mit dynaTrace möglich, jeden Server-Request einzeln nachzuvollziehen und aufzuzeichnen, wodurch ein reales und feingranulares Abbild des Performanz-Verhaltens komplexer Anwendungen möglich wird. Darüberhinaus kann dynaTrace in das Application Lifecycle Management (ALM) System eines Entwicklungsprozesses eingebettet werden und verfügt über Business Intelligence (BI) sowie Business Transaction Monitoring (BTM) Funktionen, mit denen geschäftsrelevante Informationen in Echtzeit zur Verfügung gestellt werden können.

Über Compuware muss man wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Gegründet bereits 1973 hat das Unternehmen eine wechselhafte Geschichte hinter sich, konnte sich vor allem in den 90ern durch Unternehmensübernahmen als führender Anbieter von Performanz-Lösungen etablieren. Heute unterhält Compuware über 80 Büros in 30 verschiedenen Ländern und verfügt über ein facettenreiches Produktportfolio, das von Virtualisierungslösungen bis zu Werkzeugen für die Durchführung von Web-Lasttests reicht.

Eine zentrale Technologie stellt bei Compuware die sogenannte Gomez-Plattform dar, eine APM-Suite, die als „führende Lösung zur Optimierung der Performanz, Verfügbarkeit und Qualität von Web-, Desktop-, Mobile-, Streaming- und Cloud-Applikationen“ vermarktet wird. Sofort drängt sich hier die Frage auf: Wie geht das neue Duo Compuware/dynaTrace mit den auf den ersten Blick offenbar vorhandenen Technologie-Überschneidungen um?

Compuwares Gomez-Plattform
Synergien

Keine gravierenden Redundanzen, vor allem komplementäre Ergänzungen wird die Übernahme hervorbringen, so berichtet dynaTrace-Gründer Greifeneder im Gespräch mit JAXenter. Hintergund der Übernahme ist laut Greifeneder gewesen, dass man bei dynaTrace zunehmend mit Kundenanfragen konfrontiert wurde, die Funktionalitäten der dynaTrace-Software auszubauen, was aus Kapazitätsgründen allerdings nicht immer umgesetzt werden konnte. Das Bedürfnis nach organischem Wachstum sei deshalb immer manifester geworden.

Aus technologischer Sicht werden die dynaTrace- und Gomez-Plattformen dahingehend miteinander verbunden, dass zunächst einmal alle APM-Module der Gomez-Plattform durch dynaTrace ersetzt werden. Darüberhinaus sollen die Komponenten über Schnittstellen miteinander in Verbindung gebracht werden. Beispielsweise lassen sich die Load-Tests aus der Gomez-Plattform auf die Analyse-Funktionalität von dynaTrace anwenden. Von der Gomez-Plattform gesammelte Daten können mittels dynaTrace-Technologien analysiert und ausgewertet werden.

Auch die neuen Fähigkeiten des User Experience Management von dynaTrace 4 sollen sich komplementär zu den UEM-Möglichkeiten aus Gomez nutzen lassen. Was es mit UEM in dynaTrace 4 auf sich hat, beschreibt man auf der dynaTrace-Seite mit „PurePath im Browser“. Über eine lückenlose Aufzeichnung der Klickfolge eines Anwendungsnutzers werden wichtige Messgrößen wie Verfügbarkeit und Interaktivität der Webanwendung, fehlerfreies Funktionieren der Website und einzuhaltende Service Levels erfasst.

Beispielsweise werden so Abweichungen der Applikationsgeschwindigkeiten aus Sicht des Nutzers und aus Sicht der Entwicklungsabteilung zu Tage gebracht – ein durch zahlreiche Studien belegtes Phänomen und Problem, um schnelle Interaktionen in Hinblick auf einen zeitgemäßen Web-2.0-Auftritt zu gewährleisten.

User Experience Management in dynaTrace 4

Traditionell wurde das User Experience Management getrennt von der Backend-Analyse durchgeführt und war Tool-seitig kaum in die restlichen ALM-Prozesse integriert. Mit dynaTrace 4 wird es möglich, Application Performance Management quasi aus der Sicht des Anwenders zu betreiben. Die Messdaten können nach Nutzerverhalten, Standort, Browser- und Endgerätetyp oder anderen für das jeweilige Geschäft typischen Einteilungen kategorisiert und ausgewertet werden.

Application Performance Management in der Cloud

Zur vierten Generation des APM gehört auch ein weiteres Zukunftsthema: die Cloud. Bereits jetzt ist dynaTrace 4 offen für den Betrieb von privaten und öffentlichen Clouds. Mit Blick auf zukünftige Entwicklungen spricht Greifeneder davon, dem Trend der Konvergenz von On-Premise und Cloud-Service Rechnung zu tragen. Im Klartext heißt dies, dass wir in absehbarer Zeit mit der Verfügbarkeit eines SaaS-Angebots von DynaTrace-Diensten rechnen können, die bedarfsgerecht skalierbare Performanz-Analysen als Cloud Service erlauben werden.

Bernd Greifeneder, CTO dynaTrace Software

Ein interessantes Zukunftsbild malt uns Greifender hier, hält der Trend hin zur Cloud gemäß sämtlicher IT-Analysten doch ungebrochen an. Dabei hält Greifeneder nicht mit seiner Haltung vor dem Berg, dass es nicht die Aufgabe von APM-Werkzeugen sein kann, die Verwaltung von Cloud-Instanzen zu übernehmen. Diese Verwantwortung liege in zunehmendem Maße in den Händen der Software-Architekten, die das Cloud-Thema schwerlich an spezialisierte Tools delegieren könnten.

Die abschließende Frage: Wie geht es nun weiter mit dynaTrace? Laut Greifeneder befindet man sich aufgrund der Übernahme aktuell in einer gewissen Übergangsphase. Zum jetzigen Zeitpunkt steht beispielsweise noch nicht fest, ob die Marke dynaTrace bei einem gemeinsamen Go-To-Market also solche beibehalten wird. Sicher ist allerdings, dass das gesamte dynaTrace-Team am Linzer Standort weiterbeschäftigt wird. dynaTrace wird also als eigenständige Einheit weiter bestehen bleiben, es gibt sogar Pläne, den Standort auszubauen und in den nächsten Monaten bis zu 40 neue Mitarbeiter einzustellen.

Einen genauen Zeitpunkt der Verfügbarkeit eines gemeinsamen Compuware/dynaTrace-Produktangebots konnte uns Greifeneder noch nicht nennen. Verlassen könne man sich indes darauf, dass dynaTrace den eingeschlagenen Innovationsweg weiter verfolgen werde und dem Kundenkreis durch die Verschmelzung beider Technologie-Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnet werden.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
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