Über den Sinn und Nutzen von Programmierwettbewerben

Karriere-Boost durch Competitive Programming: Mehr als nur Ruhm und Ehre

Michael Thomas

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Für den IT-Unternehmer Jasun Prain ist die Teilnahme an Programmier-Wettbewerben eine von fünf Eigenschaften, die in seinen Augen einen „Rockstar-Programmierer“ ausmachen. Doch jenseits dieser Weihen, jenseits von Ruhm und Ehre gibt es durchaus auch etwas handfestere Gründe, die für Competitive Programming sprechen: So zum Beispiel als Vorbereitungshilfe für Vorstellungsgespräche.

Die englischsprachige Wikipedia definiert Competitive Programming als einen Denksport, der in der Regel über das Internet oder ein lokales Netzwerk betrieben wird und dessen Teilnehmer versuchen, ein vorgegebenen Spezifikationen folgendes Computerprogramm zu schreiben, wobei zumeist mathematische oder logische Probleme im Mittelpunkt stehen. Sollten Sie Ihre Sporen als Programmierer im Rahmen eines Hochschulstudiums erworben haben, stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass Sie bereits dort über den Begriff gestolpert sind: Einer der ältesten Wettbewerbe dieser Art ist der ACM International Collegiate Programming Contest (kurz ACM-ICPC oder ICPC), dessen Ursprünge bis in die 1970er Jahre reichen und der mancherorts im Rahmen von Seminaren aufgegriffen wird.

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Mittlerweile existieren zahlreiche, kurzfristig wie langfristig ausgerichtete Competitive-Programming-Veranstaltungen, die mitunter auch mit barer Münze locken: Die Online-Plattform TopCoder beispielsweise lizenziert den im Zuge der dort veranstalteten (und über einfache Algorithmen hinausgehenden) Wettbewerbe geschaffenen Code und schüttet attraktive Geldprämien an die Gewinner aus. Doch abgesehen davon es gibt es, worauf aktuell der Unternehmensblog von Gainlo (Online-Plattform, die Arbeitssuchenden die Möglichkeit bietet, Probe-Vorstellungsgespräche mit erfahrenen Personalern von Großunternehmen zu führen) hinweist, noch einen weiteren Grund, warum derartige Wettbewerbe nicht nur für Studenten, Vollblut-Nerds und Co. interessant sein können.

Training für’s Vorstellungsgespräch

Im Beispiel von TopCoder werden nämlich auch kleinere, regelmäßig wechselnde Contests geboten, in deren Rahmen innerhalb von 75 Minuten bis zu drei verschiedene Probleme gelöst werden müssen. Je schneller geschrieben und korrekter der Code ist, desto mehr Punkte erhalten die Teilnehmer dabei. Hier zeigen sich deutliche Parallelen zu einer Situation, mit der so manch ein Programmierer im Vorstellungsgespräch konfrontiert wird: Viele Unternehmen beschränken sich nicht mehr nur darauf, dass Bewerber fertige Codebeispiele mitbringen und diese präsentieren. Mancherorts wird von den potentiellen Bewerbern vielmehr verlangt, ein vorgegebenes Problem innerhalb einer eng begrenzten Zeitspanne zu lösen und dabei möglichst guten Code abzuliefern. Da die grundlegenden Aufgabenstellungen häufig denjenigen von Competitive-Programming-Wettbewerben ähneln, können letztere dazu genutzt werden, die dazu notwendigen Fähigkeiten zu schärfen.

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Dabei sollte man natürlich nie vergessen, dass Coden alleine nicht der einzige ausschlaggebende Faktor bei einem Bewerbungsgespräch darstellt; auch bei Programmieren spielen andere Fähigkeiten – Stichwort Soft Skills – eine Rolle (selbst wenn lange nicht jeder diese Meinung vertritt). Unbedingt erforderlich sind Erfahrungen mit dem Competitive Programming für eine erfolgreiche Bewerbung im Endeffekt also nicht. Aber schaden können sie mit Sicherheit auch nicht nicht.

Lesetipp: Einen informativen Überblick über die Grundlagen des Competitive Programming bietet das (in der ersten Auflage kostenlos erhältliche und insbesondere für Programmierneulinge gedachte)  E-Book „Competitive Programming: Increasing the Lower Bound of Programming Contests“ von Steven und Felix Halim.

Aufmacherbild: Asian businesswoman running and holding a laptop on the track von Shutterstock / Urheberrecht: Creativa Images

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Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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