Community-Bylaws für OpenJDK angenommen

Hartmut Schlosser

Die neuen Community Bylaws für das OpenJDK-Projekt wurden ratifiziert. In der Abstimmung hat eine deutliche Mehrheit von 70 Teilnehmern sich für das neue Regelwerk ausgesprochen. Neun Enthaltungen hat es gegeben, keine Nein-Stimme. Eine klare Sache also?

Bei genauerem Hinblicken fällt das Ergebnis allerdings nicht so eindeutig aus, wie diese von Mark Reinhold verkündeten Zahlen vermuten lassen. Immerhin 46 wahlberechtigte Personen haben sich nicht an der Abstimmung beteiligt. Auch ist deutlich erkennbar, dass das Gros der Wahlmänner aus dem Hause Oracle stammt, von den 70 Ja-Stimmen sind dies 61. Genau diese ungleichmäßige Besetzung wird in den Kommentaren zur Wahl angesprochen.

So kritisiert Omair Majid von Red Hat, dass die Vergabe von Privilegien für zwei Unternehmen (gemeint sind Oracle und IBM) inakzeptabel, da undemokratisch sei.

In the interest of continued progress on OpenJDK, I am abstaining. I do
not feel that an unelected body consisting of (many) non-contributors
should be in charge. I also feel that giving special privileges to two
corporations is not very democratic. I hope these issues can be resolved
going forwards. Omair Majid

In das gleiche Rohr stoßen Mario Torre und Andrew Haley, die sich beide der Stimme enthalten haben und in den Kommentaren von fehlender Offenheit sprechen:

While I don’t want to delay any progress with OpenJDK, the way the
GB itself is constituted (with a permanent imposed voting majority
of Oracle and IBM employees) means that I can’t vote in favour. Andrew Haley

I believe that an healthy Community should be supported with Open
rules, while the current GB rules favour a GPL based project lead by
few with veto rights, not a Community project. I do not feel this is
the right thing, but my hope is that things will improve in the
future, and I will, together with the Community, try to help to build
more Open rules of participation. Mario Torre

Mark Reinhold merkt in seiner Verlautbarung an, dass er wohl sehe, dass nicht jeder mit der jetzigen Form der Bylaws einverstanden sei. Den vergangenen Gesprächen entnehme er jedoch, dass die meisten die Bylaws als brauchbare Arbeitsgrundlage für kommende Verbesserungen ansähen.

Mit den neuen Community Bylaws sollen die Beteiligungsbedingungen am OpenJDK-Projekt offener und transparenter gestaltet werden. Bereits 2007 hatten diese Arbeiten an neuen Bylaws begonnen, waren dann durch Oracles Sun-Übernahme ins Stocken geraten und Anfang dieses Jahres unter Beteiligung von IBM und Apple wieder aufgenommen worden.

Die neuen Bylaws treten nach einer Übergangsphase in Kraft, die Mitte Juli enden soll.

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Hartmut Schlosser
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