Was ist Java's Zukunft?

Coding für Desktop und Mobile mit HTML5 und Java EE 7

Geertjan Wielenga

© Shutterstock / McIek

Ausgewachsene Applikationen für den Browser sind zur Zeit das große Ding, sagt Geertjan Wielenga, Entwickler und Autor bei Oracle sowie Sprecher auf der diesjähirgen JAX London. Was bedeutet das aber für Java? Im Vorfeld der Konferenz gibt er bereits einen kleinen Einblick in das Thema seiner Session und stellt entscheidende Fragen für Java’s Zukunft.

Wir können nicht länger Mutmaßungen darüber anstellen, wo und wie die von uns entwickelten Applikationen genutzt werden. Ursprünglich waren HTML, CSS und JavaScript dafür gedacht, Dokumente auf nette und freundliche Art und Weise zu präsentieren. Mittlerweile sind die Nutzungsmöglichkeiten des Browsers geradezu explodiert, mehr als wir es uns je haben vorstellen können. Und nein, damit ist nicht nur Multimedia gemeint – soll heißen: nein, es geht nicht nur um Video und Audio und dergleichen. Vielmehr geht es um ausgewachsene Apps, die heute für den Browser programmiert werden können. Warum der Browser? Weil er überall ist: auf Ihrem mobilen Gerät, auf Ihrem Tablet, auf Ihrem Laptop auf Ihrem Desktopcomputer.

Aus der Perspektive des Java-Ökosystems betrachtet ist diese Entwicklung eine kleine Enttäuschung. Die ganze Zeit über haben wir gedacht, dass die JVM siegreich sein würde, d.h. wir haben gedacht, wir könnten unser ‚Write once, run anywhere’-Mantra weiterhin als exklusives Terrain für Java-Entwickler betrachten. In vielfacher Hinsicht stimmt das natürlich noch, insbesondere wenn man Android als Java für Mobile versteht. Dann ließe sich argumentieren, dass auf allen Geräten Aspekte von Java zu finden sind. Verkompliziert wird dieses Argument allerdings dadurch, dass die meisten Ihrer User Java gar nicht installiert haben, d.h. sie müssten es physisch tun oder Ihre Applikation müsste Java physisch auf dem Gerät Ihres Users installieren. Ob Sie nun ein Java-Enthusiast sind oder nicht, Sie müssen zugeben, dass aktuell der Browser eine sehr viel größere Reichweite besitzt und viel eher als vorhanden vorausgesetzt werden kann als Java.

Also, wie können wir mit dieser Realität umgehen? Wie können wir sicherstellen, dass unsere nächsten Apps all die unterschiedlichen Geräte mit ihren je eigenen Spezifika und Verschrobenheiten unterstützen? Auf ganz banaler Ebene: jedes Device hat seine eigene Bildschirmgröße. Auf einer komplexeren Ebene: nicht jedes Gerät muss auf die gleiche Weise mit Ihrer App interagieren. Manche Geräte haben größere Probleme mit Akkulaufzeiten als andere. Responsive Designs via CSS reichen vielleicht nicht aus, weil CSS zwar DOM-Elemente versteckt, was aber nicht verhindert, dass Ressourcen geladen werden. Das wiederum bedeutet, dass die mächtige Map-Technologie, die Sie eigentlich für Tablet-User intendiert hatten, ebenso von Mobile-Nutzern heruntergeladen wird, obwohl sie dank CSS überhaupt nicht angezeigt wird.

Wussten Sie schon?

Wussten Sie schon, dass es diese Sache namens ‚responsives JavaScript’ gibt, die viel leistungsfähiger ist als ‚responsives CSS’? Wussten Sie, dass es eine ganze Reihe von Techniken gibt, die Sie benutzen können, um unternehmensgroße JavaScript-Applikationen zu erstellen, Modularity via RequireJS inbegriffen? Wussten Sie, dass AngularJS nicht die einzige Lösung bei JavaScript-Application-Frameworks ist?

Und sind Sie sich schlussendlich über die bedeutende Rolle bewusst, die Java und besonders Java EE weiterhin in der schönen neuen Welt von JavaScript spielen werden?

Diese Fragen und andere Bedenken werden in meiner Session bei JAX London unter Zuhilfenahme einiger Beispiele und kleiner Code-Snippets zur Sprache kommen, d.h. sie werden sicherlich ebensoviel Code und technische Tipps und Tricks sehen, wie sie Slides sehen werden. Zweifellos werden Sie die Session mit vielen neuen Einsichten und Fragestellungen verlassen, die Sie bei Ihrer nächsten unternehmensgroßen Applikation berücksichtigen werden, ganz gleich ob in JavaScript oder in Java.

Aufmacherbild: Programming code via Shutterstock / Urheberrecht: McIek

Geschrieben von
Geertjan Wielenga
Geertjan Wielenga
Geertjan Wielenga ist Product Manager der NetBeans IDE und lebt in Amsterdam. Er ist enthusiastischer Java-Nutzer, Evangelist, Trainer, Sprecher und Autor über Java, NetBeans und verwandte Themen.
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1 Kommentar auf "Coding für Desktop und Mobile mit HTML5 und Java EE 7"

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Oliver Skawronek
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Es ist ja nicht so, dass Java keine tolle Technologie besitzt, um moderne Apps zu entwickeln. Ganz vorne sehe ich JavaFx für modern-aussehende UIs. Es gibt keine App, die man mit Java und JavaFx nicht auch entwickeln könnte. Aber warum läuft JavaFx offiziell nicht auf Android? (JavaFx-Ports in allen Ehren, es ist aber Third-Party) Und viel wichtiger: Warum werden Applets so sperrig behandelt? Selbst mit Zertifikat (ohne kann man ja als Hobby-Entwickler nicht mehr Applets schreiben) wird der Endnutzer mit Warnhinweisen und Sicherheitswarnungen bombardiert. Er muss Sorge tragen, immer die neuste Java-Version zu installieren. Bis die JVM für’s Applet hochgefahren… Read more »