CodeSpells

Spielerisch Programmieren lernen: Monster, Magie und JavaScript

Michael Thomas

© Shutterstock/yyang

Lernspiele gibt es wie Sand am Meer, die meisten sind jedoch leider recht enttäuschend. Auf CodeSpells trifft dies – wissenschaftlich nachgewiesen – nicht zu. In einem Fantasy-Setting können die Spieler in der Rolle von Magiern allerhand Schabernack mit Physik-Effekten treiben. Der Clou: Mithilfe eines JavaScript-basierten Interfaces können spielerisch die Grundlagen der Programmierung erlernt werden.

Lernspiele haben nach wie vor keinen leichten Stand. Obwohl gut gemeint, leiden sie oft unter einer drögen Präsentation und können ihren erzieherischen Charakter nie ganz verschleiern. Spaß machen sie häufig auch keinen. Dass es auch anders geht, versuchten einige Doktoranden der University of California mit CodeSpells zu zeigen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts sollte das Spiel einer Gruppe von vierzig Mädchen zwischen zehn und zwölf Jahren die grundlegenden Konzepte der Java-Programmierung vermitteln.

Offenbar mit vollem Erfolg: Wie der anschließend veröffentlichten Studie zu entnehmen ist, waren ausnahmslos alle Versuchspersonen enttäuscht, dass sie nicht weiterspielen durften, viele wünschten sich auch, eine Kopie des Programms mit nach Hause nehmen zu dürfen. Sie durften: Die damalige „Forschungs-Version“ steht bis heute zum Download bereit. Damit war allerdings noch nicht Schluss; beflügelt von dem Erfolg des Pilotprojekts starteten die Macher eine Kickstarter-Kampagne, die mit rund 164.000 US-Dollar rund dreimal mehr Kapital einsammelte, als das Finanzierungsziel ursprünglich vorgesehen hatte.

Mit JavaScript zum Meisterzauberer

Seit wenigen Tagen steht den Kickstarter-Backern nun die Beta-Version von CodeSpells zur Verfügung. Im Vergleich zum Vorgänger aus Forschungstagen ist die aktuelle Version graphisch zwar deutlich aufgebohrt worden, hinkt aktuellen Spielen in dieser Hinsicht jedoch deutlich hinterher – was aufgrund des bescheidenen Budgets auch nicht weiter verwundern dürfte. Um die (im Grunde recht ansehnliche) Grafik geht es allerdings auch gar nicht.

Denn hinter dem typischen Fantasy-Setting von Codespells verbirgt sich ein Lernspiel der ganz besonderen Art: Im Gegensatz zu herkömmlichen Spielen, in denen die Fähigkeiten der Spielfigur(en) von den Entwicklern mehr oder weniger fest vorgegeben werden, schlüpft man in CodeSpells in die Haut eines Magiers, dem neben einem kleinen Repertoire von Standard-Zaubersprüchen eine JavaScript-basierte Sprache zur Verfügung steht, mit der man per Drag-and-Drop-Interface quasi beliebige Effekte erschaffen kann – was auch den Hauptsinn des Spiels ausmacht.

Herzstück von CodeSpells ist nämlich ein Kreativ-Modus, in dem die Spieler in einer prozedural erstellen Spielumgebung mit Hilfe von Magie allerhand Unfug treiben können. Dank einer sauber arbeitenden Physik-Engine versetzen beispielsweise per Zauberspruch durch die Gegend gefetzte Gesteinsbrocken andere Objekte in Bewegung, wenn sie auf diese treffen. Oder man zieht per Telekinese Mauern hoch und erbaut rudimentäre Gebäude.

Abgesehen von diesen Physik-Spielereien bietet CodeSpells ein Feature, das selbst heute noch bei den meisten Spielen – abgesehen von Ausnahmen wie Minecraft oder Red Faction – eine Seltenheit darstellt: Die Spielumgebung ist durch den Spieler veränderbar. So können dank Erdzaubern beispielsweise Hügel eingeebnet oder kleine Täler erschaffen werden. Die Elemente der Spielumgebung müssen dabei mit der jeweils richtigen Magieart manipuliert werden. Will man etwa eine Riesenwelle erschaffen, muss man auf Wassermagie zurückgreifen. Geplant sind insgesamt fünf Magieschulen: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Leben. Bislang sind allerdings nur Erde und Wasser implementiert, die restlichen sollen im Rahmen der regelmäßig erfolgenden Updates nachgereicht werden.

Ambitionierte Pläne

A propos Updates: Mit Abschluss des Kreativ-Modus ist das ambitionierte Projekt der Entwickler noch lange nicht beendet. Als nächstes soll ein Multiplayer-Sandbox-Modus realisiert werden, im dem man anhand des selben Interfaces, das auch bei den Zaubern zum Einsatz kommt, eigene Spiel-Szenarien erstellen kann. „Magier-Sportarten“ à la Quidditch sollen dadurch ebenso möglich sein wie Kooperations- oder Survival-Modi und last but not least klassische Deathmatches. Im Vordergrund steht bei all dem jedoch nach wie vor, spielerisch die Grundlagen der Programmierung zu erlernen.

Nach Ende des derzeitig stattfindenden Summer Sale soll das Spiel nicht nur länger den Kickstarter-Backern zu Verfügung stehen, sondern auch als Early-Access-Version auf Steam veröffentlicht werden. Im Rahmen von wöchentlichen Reports wollen die Macher zudem ab sofort regelmäßig Auskunft über den Fortschritt von CodeSpells geben.

Einen Einblick in die Entwicklung des Spiels bietet folgendes Video des CodeSpell-Teams:

Ein Video über die frühe Alpha-Version zeigt noch einige mehr der möglichen Zaubereffekte:

Aufmacherbild: Chalk drawing of a ringing alarm clock on a used blackboard as a concept for time management or keeping time von Shutterstock / Urheberrecht: yyang

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Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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