Für besseren Code

Der verkabelte Entwickler: Biometrische Sensoren sagen Fehler im Code voraus

Melanie Feldmann

© Shutterstock/riedjal

Code-Qualität messen während der Entwickler noch tippt? Den Grundstein dafür legten Schweizer Forscher, indem sie Entwickler mit biometrischen Sensoren verkabelten und anhand der gemessenen Daten herausfanden wo die Knackpunkte im Code liegen.

Die Forscher Sebastian Müller und Thomas Fritz von der Universität Zürich setzten unter anderem auf die biometrische Messung der Herzfrequenz und der elektrodermalen Aktivität. Die elektrodermale Aktivität bezeichnet das Absinken des elektrischen Leitungswiderstandes der Haut. Denn wenn Menschen durch Stress oder Emotionen mehr schwitzen, nimmt die Hautleitfähigkeit zu. Die biometrischen Werte lassen sich dazu nutzen, schwierige Aufgaben zu identifizieren, bei denen sich menschen kognitiv mehr anstrengen müssen. Die Forscher gingen davon aus, dass sie mit biometrische Messungen schwierige Code-Stellen identifizieren können und damit auch die fehleranfälligsten Stellen. So könnten sich Code Reviews lediglich auf die Zeilen beschränken, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Fehler enthalten.

Sehe Sie auch im JAX TV: Wie jede Zeile Code ein Review bekommt

Der verkabelte Entwickler

Dazu vernetzten sie über einen Zeitraum von zwei Wochen zehn Entwickler. Außerdem sammelten sie auch klassische Daten, zum Beispiel zur Code-Komplexität, und Daten zu den Fehlern, die in traditionellen Code Reviews später auftauchten. Dabei fanden sie heraus, dass die biometrischen Sensoren besser darin abschnitten die Komplexität  von Code-Elementen vorherzusagen als klassische Messungen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Sensoren 50 Prozent der Fehler automatisch fanden, die später in den Code Reviews auftauchten. Dementsprechend ist es möglich diese Code-Stellen zu markieren und später in der Review gezielt zu untersuchen. Außerdem konnten die Forscher in den Daten erkennen, dass Code-Elemente, die als schwieriger empfunden wurden, auch dazu tendierten mehr Fehler zu erhalten. Eine auf den ersten Blick recht logische Verknüpfung, die von den Daten untermauert wurde.

Die beiden Forscher stellten ihre Studie auf der International Conference on Software Engineering vor. Sebastian Müller stand in einem Interview Rede und Antwort:

Was wir gelernt haben

Warum die biometrischen Sensoren erfolgreicher darin waren die Code-Komplexität vorherzusagen als klassische Methoden, führten die Forscher darauf zurück, dass sich die Sensoren an den individuellen Skill der Entwickler anpassen. Den wie schwierig eine Aufgabe ist, hängt stark vom individuellen Wissen und Erfahrung der einzelnen Entwickler ab. Was in einem entsprechenden Stresslevel messbar ist.

Auch wenn die Daten der Studie an sich in Echtzeit – während die Entwickler programmierten –aufgenommen wurden, fand die Auswertung erst im Nachhinein statt. Die beiden Forscher gehen jedoch davon aus, dass auch Echtzeitauswertung bald möglich sein wird. Vor allem, weil die biometrischen Sensoren immer besser und weniger invasiv (kleiner und einfacher zu tragen) werden. Ob sich Entwickler wirklich dermaßen stark überwachen lassen wollen, ist jedoch eine andere Frage.

Also, liebe Leserinnen und Leser: Wer von Ihnen würde sich für besseren Code verkabeln lassen?

Aufmacherbild: nerdy programmer get stressed von Shutterstock / Urheberrecht: riedjal

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Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
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