Interview mit Umashankar Lakshmipathy

Public, Private & Hybrid Cloud vs. Bare-Metal-Server: „Beide Ansätze haben Stärken und Schwächen“

Dominik Mohilo

Umashankar Lakshmipathy

Die Cloud ist in aller Munde. Doch bedeutet das auch, dass keiner mehr auf Bare-Metal-Server setzt? Wie sieht es mit der Sicherheit aus und wer verdient eigentlich an der Cloud? Umashankar Lakshmipathy, Senior Vice President and Regional Head – EMEA, Cloud, Infrastructure and Security Services bei Infosys, gibt auf diese Fragen im Interview Antworten. Er erklärt zudem, welche Lösung sich für welche Arten von Anwendungen am besten eignen und wie Serverless Computing die Softwarewelt in Zukunft beeinflussen wird.

JAXenter: Hallo Umashankar und danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Cloud, Cloud, Cloud, von allen Dächern und aus allen Ecken erschallt das Thema: Was ist aus dem guten, alten Bare-Metal-Server geworden? Hat er ausgedient?

Umashankar Lakshmipathy: Das stimmt – die Cloud ist wahrscheinlich eines der wichtigsten Themen in Unternehmen weltweit. Die Cloud ist mittlerweile ein integraler Bestandteil unseres Alltags und für Organisationen ergeben sich mit dieser Technologie immer mehr Möglichkeiten, um sich zukunftssicher aufzustellen. Denken wir an die aktuelle, durch die COVID-19-Pandemie geprägte Situation: Die Cloud unterstützt Unternehmen aller Größen weltweit dabei, ihre Geschäfte störungsfrei voranzutreiben und macht diese somit, gerade in herausfordernden Zeiten, belastbarer. Doch auch die traditionellen Bare-Metal-Server sind noch im Einsatz und verarbeiten in Rechenzentren spezielle Workloads. Abgesehen davon ist die Wahl zwischen Bare-Metal-Servern mit Hypervisor und der Cloud eine reine Frage der Geschäftsanforderungen sowie der Prioritäten. Viele Unternehmen setzen heutzutage auf Bare-Metal-Server für Single-Tenant-Umgebungen mit nativen Cloud-Kapazitäten – diese sind definitiv nicht veraltet.

Viele Unternehmen setzen heutzutage auf Bare-Metal-Server.

Generell haben sowohl die Cloud als auch Bare-Metal-Server ihre starken, aber auch ihre schwachen Seiten. Die Cloud bietet eine beispiellose Rechenleistung und zahlreiche Vorteile wie Skalierbarkeit, Flexibilität, niedrigere Kosten, einfache Migration und Bereitstellung – die meisten Punkte davon können im Bare-Metal-Sektor nicht umgesetzt werden. Bare-Metal hingegen gewinnt bei der Leistung, die für spezielle Workloads und Branchen von entscheidender Bedeutung ist: Hier schlagen dedizierte, nicht gemeinsam genutzte Ressourcen, überlegene Rechenleistung, hohe Verfügbarkeit, Sicherheit und konsistente Leistung zu Buche. Aktuell gibt es verschiedene interessante Trends, die durch Container- und Microservices-basierte Lösungen in Richtung Bare-Metal getrieben werden und die ähnliche Funktionen wie ein Hypervisor bieten, darunter Microservices, die am Edge direkt auf kostengünstigen Bare-Metal-Geräten wie etwa Raspberry Pi laufen. Solche Geräte eliminieren den Hypervisor-Overhead und sind ideal für Edge-Rechenzentren, wo kritische Geschäftstransaktionen stattfinden.

JAXenter: Die Cloud bietet natürlich unglaubliche Vorteile. Kostenreduzierung wird dabei häufig genannt. Aber amortisiert sich Cloud Computing nicht ab einem gewissen Level vor allem für den Cloud-Anbieter und nicht für den Cloud-Nutzer?

Umashankar Lakshmipathy: Cloud-Technologien sind von Natur aus teuer in der Bereitstellung und Wartung, denn eine rechtzeitige Skalierung ist kritisch und beeinflusst die Profitabilität. Sowohl für Unternehmen als auch für Endanwender reduzieren sich die Kosten auf den Verbrauch. Je mehr Optionen zur Verfügung stehen, um den Verbrauch zu steigern und zusätzliche Services mit Mehrwert zu nutzen, desto mehr Vorteile entstehen für beide Seiten. Cloud ist eine lukrative, gewinnbringende Geschäftssparte – deshalb entscheiden sich viele große Unternehmen für einen Cloud-Anbieter. Einige bieten eine echte Public Cloud an (Azure, Amazon, Google), während andere den Aufbau einer „Infrastructure as a Service“ von privat gehosteten Rechenzentren aus anbieten. Es stimmt zwar, dass die Cloud den Anbietern mehr Kostenvorteile bringt, jedoch tragen diese auch das Risiko, dass sie abschreibungsbedürftige Assets aufrechterhalten müssen, die stetig erneuert werden müssen – und natürlich müssen sie in der Lage sein, eine nahtlose geografische und regionale Geschäftskontinuität zu gewährleisten. Wir sollten die Cloud nach ihrem Mehrwert beurteilen. Im Zeitalter der schnellen Innovationsgeschwindigkeit, die von digitalen Technologien angetrieben wird, bietet die Cloud die perfekte Plattform für Innovationen und den nahtlosen Aufbau von Geschäftslösungen. Die wahre Wertschöpfung durch die Cloud ist viel höher als nur der monetäre Nutzen, den der Kunde durch den Verzicht auf die Cloud erzielt. Letztendlich ist es sowohl für Cloud-Anbieter als auch für Cloud-Anwender eine WIN-WIN-Situation.

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JAXenter: Public Cloud, Hybrid Cloud, Private Cloud: Man kann bei dem Angebot an Services schnell durcheinander kommen. Für welche Anwendungen sind die jeweiligen Cloud-Typen besonders lohnenswert?

Die meisten großen Unternehmen tendieren dazu, sowohl Public als auch Private und Hybrid Clouds einzusetzen.

Umashankar Lakshmipathy: Eines ist klar: Es gibt keinen allgemeingültigen Ansatz. Die meisten großen Unternehmen tendieren dazu, alle drei Modelle anzuwenden, basierend auf spezifischen Anwendungsszenarien und Applikationen. Jede Technologie kommen mit spezifischen Leistungsversprechen daher, die verschiedene Technologie- oder Geschäftsanforderungen adressieren. Wenn wir trotzdem auf Unterschiede eingehen sollen, so erstreckt sich die Eignung der jeweiligen Technologie auf verschiedene Umgebungen.

  • Public Cloud: Anwendungen, die in großem Maßstab und mit reduzierten Kosten betrieben werden müssen, täglicher Betrieb, Software-Anwendungsentwicklung usw. Darüber hinaus bietet die Public Cloud eine Plattform für beschleunigte Innovation durch die Nutzung von nativen Cloud-PaaS-Lösungen. Die geografisch verbreitete Public Cloud bietet eine dezentrale Anwendungsbereitstellung, die die Anwendererfahrung an jedem geografischen Standort verwaltet.
  • Private Cloud: Funktioniert am besten für Anwendungen und Branchen, die reguliert sind, mit hochsensiblen Daten umgehen, geringe Latenzzeiten sowie hohe Leistung und Effizienz erfordern – und wenn Kontrolle wichtiger ist als Kosten.
  • Hybrid Cloud: Vereint das Beste aus Private und Public Cloud mit einigen zusätzlichen Integrations- und Governance-Anforderungen. Die Hybrid Cloud eignet sich am besten für den Betrieb von Anwendungen unter unterschiedlichen Anforderungen. Darüber hinaus liefert sie Anwendungen mit passender Security, bringt ein Gleichgewicht zwischen den Vorteilen beider Investitionen, hält die Kosten unter Kontrolle und gewährleistet gleichzeitig die Sicherheit.

Wir haben viele dieser Szenarien innerhalb unseres Kundenstamms gesehen und wir nutzen Infosys Cobalt, um nahtlose Erfahrungen in Public, Private und Hybrid über PaaS-, SaaS- und IaaS-Landschaften hinweg zu schaffen.

JAXenter: Welche Anwendungen sind besser auf einem lokalen on-premises-System aufgehoben?

Umashankar Lakshmipathy: Einige der Geschäftsanwendungen – einschließlich Engineering sowie Forschung und Entwicklung –, die durch regionale und Bundesgesetze geregelt sind sowie unstrukturierte Datenanalyse und andere Applikationen, die unbedingt ohne Unterbrechung laufen müssen, sind Kandidaten für on-premises. Mit dem Fortschritt digitaler Technologien wie dem Internet of Things (IoT), Augmented / Virtual Reality (AR/VR), Blockchain oder Enterprise Edge werden diese immer kritischer und erfordern eine Datenverfügbarkeitslösung ähnlich der Cloud. Die Enterprise-Edge-Private-Cloud wird immer relevanter für die Bereitstellung von Geschäftsanwendungen.

JAXenter: Die Sicherheit spielt eine große Rolle in der Softwareentwicklung: Sind Cloud-Lösungen heutzutage wirklich genauso sicher wie lokale Server?

Die Sicherheits- überlegungen zwischen Private Cloud und Public Cloud verschwimmen.

Umashankar Lakshmipathy: Gartner veröffentlichte vor Kurzem, dass „die Workloads in Public Cloud Infrastructure as a Service als Service (IaaS) bis 2020 mindestens 60 Prozent weniger Sicherheitsvorfälle erleiden als in traditionellen Rechenzentren.“

  • Das Hauptgeschäft von Cloud-Providern ist die Bereitstellung von Cloud-Diensten für Unternehmen. Und um sicherzustellen, dass sie profitabel bleiben, muss der Sicherheit die gebührende Bedeutung beigemessen werden. Um dies zu gewährleisten, beschäftigen Anbieter Tausende von Mitarbeitern mit unterschiedlichen Sicherheitskenntnissen.
  • Dezentrale Standorte: Cloud-Endgeräte werden an mehreren Standorten mit dedizierten Sicherheitsumgebungen eingesetzt, um den physischen Zugang zu erschweren.
  • Kontinuierlich aktualisieren und testen: So wird sichergestellt, dass das System nur minimale Schwachstellen aufweist, die Daten jederzeit geschützt und Patches in Ordnung sind und die neuesten Technologien eingesetzt werden. Regelmäßige Audits gewährleisten darüber hinaus die Einhaltung der Vorschriften.
  • Verfügbarkeit: Failover-Systeme stellen sicher, dass Cloud-Systeme konsistent verfügbar sind.

Einige unserer Kunden setzen Infosys Cobalt ein, um Sicherheit in der Cloud zu gewährleisten, darunter die Einhaltung von Vorschriften und Security Compliance sowie technische und finanzielle Governance, sicherer Zugriff auf Cloud-Funktionen und Innovationen.

Ein weiterer Hinweis: Die Sicherheitsüberlegungen zwischen Private Cloud und Public Cloud verschwimmen. Eine Sicherheitsbedrohung kann innerhalb der Organisation entstehen, die sowohl in der Private Cloud als auch in der Public Cloud ähnliche Schäden anrichten kann. Die Zeit, um sich von einem solchen Angriff (z.B.  Ransom Malware) zu erholen, ist in der Public Cloud im Vergleich zur Private Cloud viel schneller und mit geringeren Kosten verbunden.

JAXenter: Ein Blick in die Zukunft: Wird „Serverless“, also das pure Cloud Computing per se, in absehbarer Zeit der Standard werden?

Umashankar Lakshmipathy: Serverless Computing verlagert den Schwerpunkt auf die Entwicklung und nicht auf den Betrieb – und gibt Unternehmen damit die Freiheit, neue Dinge zu tun. Neuere Technologien wie etwa das IoT können davon wirklich profitieren. Es wird einige Zeit dauern, bis serverlose Anwendungsfälle zum Standard werden. Diejenigen Unternehmen, die frühzeitig in serverloses und ereignisgesteuertes Computing investiert haben, sehen Produktivitäts- und Geschwindigkeitsgewinne sowie geringere Kosten und einen reduzierten Ressourcenbedarf. Serverlos ist eine vielversprechende Lösung und bietet Entwicklern Flexibilität und Schnelligkeit, indem es ihnen den DevOps-Overhead bei der Bereitstellung und Verwaltung der Plattform abnimmt. Sie erfordert jedoch erhebliche Verbesserungen in den Bereichen Sicherheit, Reporting und Governance. Wir haben schon erlebt, dass Kunden aufgrund schlechter Kosten und Nutzungskontrolle viel Geld für Serverless ausgeben.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Umashankar Lakshmipathy ist Senior Vice President and Regional Head – EMEA, Cloud, Infrastructure and Security Services bei Infosys.
 
 
 
 
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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