Interview mit Steve Poole

„Migration in die Cloud ist wie in ein fremdes Land auszuwandern“

Gabriela Motroc

Wir haben mit Steve Poole von IBM über seine Erfahrungen im Bereich Cloud-Migration gesprochen. Er erklärt, was man dabei beachten und was man besser lassen sollte. Denn die Cloud läuft 24/7. Und das müssen Sie dann auch.

Viele haben bereits versucht ihre Anwendungen in die Cloud zu bringen. Aber das ist kein einfaches Unterfangen. Wir haben uns mit Steve Poole, langjähriger IBM-Java-Entwickler und -Evangelist, über die Do’s und Don’ts der Cloud-Migration unterhalten.

JAXenter: Wie ist deine Erfahrung damit Anwendungen in die Cloud zu migrieren?

Steve Poole: Sie ist ziemlich vielfältig. Ich habe meine eigenen Anwendungen und Anwendungen für ganze Abteilungen migriert. Ich habe eine Reihe an Kunden-Engagements und auch IBM-interne Projekte beraten oder geleitet. Meine Erfahrung umfasst also eine breite Palette, von Anwendungen mit einem Nutzer bis hin zu Anwendungen mit 100.000 Nutzern.

JAXenter: Was sind die Dos and Don’ts?

Steve Poole: Ein wesentliches Do ist: Der Zweck muss klar sein. Man muss klarstellen, was das Hauptziel darin ist die Anwendung in die Cloud umzuziehen. Die Cloud-Migration an sich bringt erhebliche Vorteile, aber gleichzeitig auch Konsequenzen und Zwänge mit sich. Wenn das Ziel dynamische Skalierbarkeit ist, muss man darauf vorbereitet sein, einen nicht unerheblichen Aufwand in Re-Engineering zu stecken. Wenn man dagegen mit einem hybriden Cloud-Modell nur so schnell es geht in die Cloud migrieren möchte, sollten man sicherstellen, dass man Netzwerkkapazitäten und den Traffic zwischen On-premis und Cloud-basierten Komponenten versteht.

Das große Don’t: Nicht alles auf einmal machen.

Die Don’t-Kategorie ist leicht: Nicht alles auf einmal machen. Cloud-Migration erfordert das Erlernen sowohl ein breiten Spektrums an neuen Fähigkeiten und Technologien als auch den inhärenten Alles-läuft-ständig-schief-Aspekt des Cloud Computings zu bewältigen. Versucht man alles auf einmal, scheitert man.

Eine Analogie wäre das Auswandern in ein fremdes Land. Im Normalfall würde man nicht einfach das Flugticket kaufen und loslegen. Man würde sich im Vorfeld informieren und eventuell kleinere Erkundungsreisen durchführen. Man würde mit anderen Leuten reden, die zuvor selbst ausgewandert sind. Man weiß, dass es auf jeden Fall schwierig sein wird und eine Herausforderung, aber man kann es sich deutlich einfacher machen, indem man vor dem großen Schritt Informationen und Erfahrungsberichte sammelt.

JAXenter: Hast du ein paar Tipps und Tricks, die du mit uns teilen würdest?

Steve Poole: Der beste Tipp ist mit Infrastructure as Code herumzuspielen. Was ich damit meine ist, Docker, Vagrant, Chef, Puppet, Ansible oder dergleichen einfach auszuprobieren. Das Wichtige ist dabei, die Konzepte, Vorteile und Einschränkungen von Infrastructure as Code nachvollziehen zu können. Das Deployen in der Cloud erfordert ein gewisses Wissensfundament im Bezug auf die verwendeten Deployment- und Konfigurations-Tools. Ob Entwickler oder IT-Person, man braucht dieses Grundset an Skills.

Der beste Tipp ist mit Infrastructure as Code herumzuspielen. Testen Sie Docker, Vagrant, Chef, Puppet, Ansible, etc.

JAXenter: Wie kann man in der Cloud erfolgreich sein? Was sind die Schlüsselelemente?

Steve Poole: Erfolg bedeutet verschiedene Dinge für verschiedene Menschen. Ein gemeinsamer Punkt liegt jedoch vermutlich in hochverfügbaren Services. Sobald eine Anwendung in die Cloud migriert wurde, muss man sie genau im Auge behalten. Die wichtigsten Erfolgsaspekte sind Logging und Monitoring.

Die Cloud verhält sich anders als lokale Serverumgebungen. Es gibt tagtäglich deutlich mehr Unvorhersehbares und Misserfolge. Man muss immer am Ball bleiben was Workload, Netzwerk-Traffic, Speicher,  kurzzeitige Fehler etc. betrifft. Am besten man überwacht und protokolliert alles und investiert in Systeme, die dabei helfen zukünftige Probleme im Voraus zu erkennen. Die Cloud arbeitet 24/7. Und das müssen Sie auch.

JAXenter: Was sind derzeit deine Lieblings-Tools und -Services?

Steve Poole: Mein Dauerfavorit zur Unterstützung der Migration und des dahinterstehenden IT-Teams ist Dashing. Als ich eine leitende DevOps-IT-Rolle bei IBM übernommen habe, schuf ich ein Team, das eine einzige Aufgabe hatte: Seid die ersten, die es wissen. Sie sollten einen Weg finden sicherzustellen, dass Service-Besitzer die ersten wären, die über Probleme mit ihrem Service Bescheid wissen.

Wir haben einen Weg gesucht, um klare, präzise und umsetzbare Zustandsindikatoren zu präsentieren. Der Luxus immer genügend Zeit zu haben verschwand rasch und gleichermaßen nahm die Toleranz Serviceausfällen hinzunehmen ab. Das Team erstellte einfache und eindeutige Dashboards für Service-Besitzer mit Dashing. Das war so erfolgreich, weil die Dashboards einfach und schnell zu bedienen sind. Wenn man heute durch die IBM Hursley Laboratorien geht, sieht man viele große Bildschirme mit Dashboards, die ihre Existenz allein diesem Team verdanken. Tatsächlich hat sich die Idee rasch verbreitet und man findet heutzutage Dashboards auf denen sämtliche Aspekte eines Entwicklungsprozesses angezeigt werden. Teams, die etwas zuerst wissen wollen und die aufkommenden Probleme anschließend auch beheben können, sind ein fundamentaler Bestandteil der Katastrophenvermeidung.

JAXenter: Vielen Dank!

Steve Poole ist ein DevOps-Fachmann (was immer das bedeutet), leitet ein großes Entwicklerteam, das Cutting-Edge-DevOps-Technologien entwickelt, nutzt und innerhalb von IBM bekannt macht. Er ist seit langer Zeit IBM-Java-Entwickler und -Evangelist. Seit der Anfangszeit von Java arbeitet er an IBM Java SDKs. Er hat außerdem Zeit für andere Dinge gefunden: IBM in verschiedenen JSRs zu vertreten und an Open-Source-Projekten wie Apache, Eclipse und OpenJDK mitzuarbeiten. Außerdem ist er ein Mitglied der OpenJDK-Gruppe, für dafür eintritt die Community mehr teilhaben zu lassen. Steve ist ein erfahrener Speaker und präsentiert regelmäßig auf der JavaOne und anderen Konferenzen zu Themen der Softwareentwicklung.
Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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