Zu Besuch beim CloudFoundry Summit Europe 2016

CloudFoundry: Auf dem Weg in die Cloud-Avantgarde

Hartmut Schlosser

Der Cloud Foundry Summit Europe versammelte vergangene Woche über 700 Nutzer der PaaS-Lösung von Pivotal auf der Community-Konferenz in Frankfurt. Deutlich wurde dabei vor allem eines: Cloud Foundry ist auf dem Weg, sich zu einem Industrie-Standard für Cloud-Anwendungen zu entwickeln.

Wer mit Cloud Foundry noch eine Java-basierte Platform-as-a-Service-Lösung – eine unter vielen anderen – assoziiert, wurde auf dem Summit eines Besseren belehrt. Die ursprünglich 2008 von Chris Richardson entwickelte Cloud-Foundry-PaaS, die dann 2009 von SpringSource übernommen wurde, gibt es nicht mehr.

Und das ist gar nicht metaphorisch gemeint. Das heute vom SpringSource-Nachfolgeunternehmen Pivotal geführte Cloud-Foundry-Projekt wurde komplett auf einer neuen Codebasis aufgebaut, für die vor allem ein Google-Team unter der Leitung von Derek Collison verantwortlich zeichnet. Geschrieben ist das „neue“ Cloud Foundry in Ruby und Go. Ein erstes Release auf der neuen Quellcode-Basis wurde 2011 vorgestellt.

Seitdem hat sich viel getan. Ein wichtiger Meilenstein war die Gründung der Cloud Foundry Foundation im Dezember 2014, mit der das Projekt in eine Anbieter-neutrale Stiftung übertragen wurde. Unter dem Dach der Foundation schmieden seither IT-Riesen wie IBM, SAP, HP, VMware und Cisco eine Allianz mit dem Ziel, Cloud Foundry gemeinsam zu einer PaaS-Plattform auszubauen.

Cloud Foundry Summit

Sam Ramji, CEO der Cloud Foundry Foundation, eröffnet den Cloud Foundry Summit Europe 2016

Community

Abby Kearns, VP Industry Strategy der Cloud Foundry Foundation, betonte im Gespräch mit JAXenter die Mission der Foundation, gemeinsam an Grundlagen-Technologien für Cloud-Anwendungen zu arbeiten, auf deren Basis eigene Lösungen entstehen können. Zentral dabei sei die Bereitstellung der Codebasis unter der Apache-2.0-Open-Source-Lizenz, der Copyright-Schutz der APIs und die Vermeidung eines Vendor-Lock-ins.

Heute zählt die Foundation über 60 Mitglieder, die sich durchaus als Gegengewicht zum schier übermächtigen Amazon (AWS) und dem ebenfalls sehr aktiven Nachzügler Microsoft (Azure) verstehen lassen. Als Collaborative Project der Linux Foundation positioniert sich die Cloud Foundry Foundation zudem im Herzen der Open-Source-Bewegung.

Was auch auf dem Summit deutlich wurde: Cloud Foundry ist nicht nur ein Produkt mit vielen Nutzern, sondern eine Community, die neben der Technologie auch gewisse Werte teilt. So stellten etwa Cornelius Schumacher (SUSE Linux) und Michael Trestman (Pivotal Cloud Foundry) das Cloud Foundry Dojo-Programm vor, in dem Teilnehmer existierende Cloud-Foundry-Core-Teams über mehrere Wochen begleiten. Die Entwickler werden via Pair Programming in die Technologie, Kultur und Community eingeführt, mit dem Ziel, schnell neue Cloud-Foundry-Contributoren zu gewinnen.

Im Panel „Cloud Foundry in the Community“ stellten Kim Bannerman (IBM), Lukas Lehmann (Swisscom) und Paula Kennedy (Pivotal) ihre Meetup-Gruppen in Seattle, London und Zürich vor. Auch die Pivotal Labs promoten nicht Technologie, sondern eine „neue Art der Softwareentwicklung“ – Prallelen etwa zur Eclipse Foundation und dem „Eclipse Way“ drängen sich auf.

Big Player

Natürlich kamen auch die Big Player der Szene zu Wort, um ihre Cloud-Foundry-basierten Lösungen zu präsentieren. So stellte Rui Nogueira die Cloud-Foundry-Komponenten in der SAP Hana Cloud Platform vor, wobei er bekannt gab, dass die SAP Cloud Fabrik Open Source zur Verfügung gestellt wurde – weitere CF-Komponenten sollen folgen.

IBM präsentierte mit OpenWhisk sein Projekt für Serverless Applications, das auf der Cloud Foundry basierten IBM-Bluemix-Plattform eine Alternative zu AWS Lambda darstellen soll.


Pivotal kündigte an, ebenfalls an einem Serverless-Ansatz für Cloud Foundry zu arbeiten, und stellte einen Benchmark-Test vor, mit dem sich die Performance der verschiedenen Ansätze vergleichen lassen soll.

Cloud Avantgarde

Insgesamt ergab sich auf dem Summit ein Bild einer jungen Technologie-Community, die in Aufbruchstimmung ist und gemeinsam das Thema Cloud-Entwicklung voranbringen möchte. Ein Motto der Konferenz war denn auch „Define your Multi-Cloud Strategy“, mit dem das Ziel ausgegeben wurde, Cloud-Anwendungen ohne große Aufwände auf den unterschiedlichsten Infrastrukturen betreiben zu können. Cloud Foundry schickt sich hier mit Tools wie BOSH an, in die Avantgarde der Cloud-Bewegung vorzurücken.

Wer den Summit verpasst hat, findet auf dem YouTube-Channel zahlreiche Sessions zum Nachverfolgen. Hier die sehenswerte Eröffnungskeynote von Sam Ramji, CEO der Cloud Foundry Foundation.

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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