Cloud-Computing: gekommen um zu bleiben

Mirko Schrempp

„Spätestens seit der CeBIT kann ich das Wort Cloud einfach nicht mehr hören!“ Vielen der gut 150 registrierten Teilnehmern am Cloud-Ops Summit 2011 war anzumerken, wie sehr arago-Vorstand Chris Boos ihnen mit diesem Eröffnungsstatement aus dem Herzen sprach. Trotzdem sollte sich am Donnerstagnachmittag im Hörsaalzentrum der Universität Frankfurt natürlich alles um Cloud-Computing drehen, aber eben „um das, was heute machbar ist und nicht um irgendwelche Marketing-Hypes.“ Schließlich sei Cloud-Computing eine wirtschaftlich und nicht technisch getriebene Transition, die „gekommen ist, um zu bleiben“, wie es Florian von Kurnatowski vom Industrieverband ENX auf den Punkt brachte. In diesem Sinne fokussiert die Veranstaltung praxisorientert das Thema auf Cloud-Einführung und Betrieb und stellt zudem Cloud-Start-ups vor.

Kein Start-up mehr ohne Cloud

Diesen Gedanken griff Keynote-Sprecher Jean-Paul Schmetz auf, Gründer und CEO der 10betterpages GmbH, Berater der Geschäftsleitung von Hubert Burda Media und außerdem Mitglied des Investoren-Netzwerks HackFwd. Der Moment seiner Cloud-Erkenntnis war gekommen, als ihm sein Technik-Team vorschlug, den vorhandenen Hardware-Park von 389 Computern wegen der Ausfallsicherheit um eine identische Konfiguration in einem anderen Landesteil zu ergänzen. Heute sei für ihn „auch die Hardware Software“, wobei sich der größte Teil des erheblichen Einsparpotenzials nur dann erzielen ließe, wenn man auch für die Cloud entwickelt. Das passiere allerdings ganz automatisch, da heute kein Start-up mehr zwei Drittel seiner Investitionssumme in den Aufbau eines Rechenzentrums stecken könne. „Das gibt es einfach nicht mehr, für Start-ups sind Cloud-Services längst Standard.“

In Erfüllung des Veranstalterversprechens zur „Druckbetankung“ mit neuen Ideen folgten acht sogenannte Lightning Talks, kurze Impulsreferate mit visionärem Charakter. Vom Rechenzentrumsanbieter Interxion, der gemeinsam mit der Universität Frankfurt und der Deutschen Bank eine „Frankfurt Cloud“ betreibt über die Dänische nationale IT- und Telko-Agentur, die bereits drei eigene Dienste in die Cloud migriert hat und 50 Prozent Einsparungen vorweisen kann, bis zu den Frankfurter Automatisierungsexperten von arago, die mit Cloudansätzen die wenigen IT-Experten beim Systembetrieb entlasten – die Referenten ließen keinen Zweifel daran, dass Cloud-Modelle nicht nur technisch sondern vor allem auch wirtschaftlich längst funktionieren.

Das Land der Bedenkenträger?

Trotz allem hat Cloud-Technologie zumindest in Deutschland noch mit erheblichen Vertrauensdefiziten zu kämpfen. Unverkennbar war dies bei den Zuschauerfragen an das Panel, die sich fast durchgehend in den Themenkomplexen Sicherheit, Standardisierung und Zertifizierung bewegten. Analog zu den USA, wo die Cloud-First-Politik der öffentlichen Hand von einer verlässlichen und rechtsverbindlichen Herstellerzertifizierung begleitet wird, erwarten potenzielle Cloud-Anwender auch hierzulande Unterstützung bei den offenen rechtlichen und Sicherheitsfragen. Hierfür laufen auch bereits eine Reihe von Initiativen, beispielhaft wurde TrustedCloud vom Bundesministerium für Wirtschaft genannt, während genau wie bereits im klassischen Rechenzentrum der Markt für die notwendige Standardisierung und Interoperabilität sorgen soll – so der Konsens im Panel.

Chris Boos, arago-Vorstand, moderiert die Panel-Diskussion

Dass Deutschland eben kein Land der Bedenkenträger ist, zeigten im weiteren Verlauf neben praxisnahen Workshops in den Schwerpunkten Management, Operations und Architecture vor allem die Präsentationen der Start-ups. Erstmals hatten Gründer die Möglichkeit, ihre Geschäftsideen und Anwendungen von Cloud Services vorzustellen, wovon acht ausgesuchte Unternehmen Gebrauch machten. „Die Geschäftsideen dieser jungen Unternehmen können wirklich begeistern“, sagt Boos, der selbst als Business Angel aktiv ist. „Und wenn Start-ups dank Cloud das selbe wie etablierte Unternehmen zum halben Preis tun können, braucht man nicht lange nach dem Business Case zu suchen.“

Der Unterschied zum klassischen Computing und mögliche Migrationspfade beschäftigten die Teilnehmer auch noch am Abend beim gemeinsamen Erfahrungsaustausch und Networking und sicher noch darüber hinaus. Womit die Veranstaltung dann ihrem selbst gesetzten Anspruch, weiterführende Impulse zu geben, auf alle Fälle gerecht geworden ist.

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Mirko Schrempp
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