Cheerleader retten die IT-Welt?

Weibliche „Programmier-Cheerleader“ sollen Entwickler in chinesischen Startups motivieren

Natali Vlatko

© Shutterstock.com/William Perugini

Ein weiterer Tiefschlag für mehr Diversität in der Tech-Branche: Chinesische Startups haben offenbar damit begonnen, zur Motivierung ihrer hauptsächlich männlichen Belegschaft „Programmier-Cheerleader“ anzuheuern. Von allgemeinem Geplauder bis hin zu Tischtennis wird allerhand Ablenkung geboten.

Die Mitarbeitermotivation ist ein Dauerthema der modernen Unternehmensführung und kann die unterschiedlichsten Formen annehmen. Chinesische Startups verfolgen in dieser Hinsicht nun einen neuen Ansatz und haben „Programmier-Cheerleader“ eingestellt, die die überwiegend männliche Belegschaft während der Bürozeiten bespaßen soll. Der Grund? Offenbar sind die meisten, dem alten Programmierer-Klischee folgend, echte Nieten, was die Geselligkeit betrifft.

Wie die Facebook-Seite „Trending in China“ berichtet, haben Internet-Unternehmen in ganz China damit begonnen, „schöne und talentierte Frauen, die eine spaßige Arbeitsumgebung schaffen sollen“ einzustellen. Ihre Aufgaben umfassen dabei etwa, den männlichen Entwicklern das Frühstück zu bringen, oder mit ihnen Tischtennis zu spielen.

Diese eklatant sexistische Praxis dürfte dem Ziel, für mehr Divesität in der Tech-Branche zu sorgen, nicht besonders zuträglich sein. Darüber hinaus zeigen die Fotos, die den Bericht bebildern, eindeutig, dass auch eine Frau ein Mitglied des Programmiererteams ist. Ob für sie ebenfalls Cheerleader angeheuert wurden, wird nicht erwähnt.

Quelle: Trending in China

Quelle: Trending in China

Das im Fokus des Berichts stehende Unternehmen preist derweil seine neuen Mitarbeiter dafür, die Job-Effizienz verbessert zu haben:

According to the HR manager of an Internet company that hired three such cheerleaders, its programmers are mostly male and terrible at socializing, and the presence of these girls have greatly improved their job efficiency and motivation.

Die Online-Community „Tech in Asia“ ist ebenfalls auf die Praxis, Cheerleader für „Brogrammer“ anzuheuern, aufmerksam geworden und findet klare Worte:

Fuck this startup for creating that kind of leering atmosphere for the woman who appears to be the sole female dev in the room.

Quelle: Trending in China

Quelle: Trending in China

Unglücklicherweise scheint es so, als ginge die Problematik des Ganzen an vielen Kommentatoren komplett vorbei. So fragt Anand Kunal von der Indian Times in seinem entsprechenden Bericht etwa, ob die indische IT dem Beispiel folgen wird:

Reportedly, productivity has improved – you listening, Indian IT?

Die Frage, was Entwickler motiviert, scheint wieder einmal ein Thema zu sein, das die Meinungen und Ansichten polarisiert. Aber das Anspornen der eigenen Mitarbeiter ist eine Aufgabe, die den Vorgesetzten und dem Management zufallen sollte. Das wesentliche, unausgesprochene Problem bei der Sache ist nicht nur der Sexismus, der durch diese Praxis offenbart wird, sondern die kulturelle Bedeutung dessen, wer für sie verantwortlich ist.

Obwohl die Ansage an die Expo-Mitarbeiter der diesjährigen RSA Conference lautete, sicherzustellen, dass ihre Kleidung „einem professionellen Umfeld angemessen“ ist, kein Teil der „Cheerleader-Affäre“ ist, hallt die entsprechende Grundstimmung wider.

Der Versuch, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das offener für mehr Diversität ist und sich dem Ziel verschrieben hat, Sexismus auszumerzen, weckte in der Vergangenheit die Hoffnung, dass sich die IT-Industrie von den männerzentrierten Klischees entfernen würde, die viele Menschen mit ihr assoziieren. Praktiken wie die hier vorgestellte verhindern allerdings genau diesen Fortschritt, den die Industrie machen muss.

Aufmacherbild: Group of Cheerleaders in the Field von Shutterstock / Urheberrecht: William Perugini

Geschrieben von
Natali Vlatko
Natali Vlatko
An Australian who now calls Berlin home, via a two year love affair with Singapore. Natali was an Editorial Assistant for JAXenter.com (S&S Media Group).
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