Cay Horstmann: Offener Brief für eine JCP-Reform

Hartmut Schlosser

Die Serie der öffentlichen Stellungnahmen für eine Reform des Java Community Process (JCP) reißt nicht ab. Auch Cay Hostmann wendet sich in seinem jüngsten Blogeintrag an Oracle und bekundet seine Unterstützung für die Reformvorschläge von Dan Allen und Lincoln Baxter, in denen er drei Punkte herausstechen sieht:

  1. Die Spezifikationen des JCP müssen frei implementierbar sein
  2. Die Diskussionen des Spezifikationskomitees müssen transparent sein
  3. Der Prozess der Specification Requests muss reformiert werden, um die iterative Natur des Software-Entwicklungsprozesses widerzuspiegeln.

Horstmanns Kommentare:

Nr. 1 wird schwer zu erreichen sein, da es hier um bares Geld geht. Die Technology Compatibility Kits (TCK), mit denen die Kompatibilität einer Implementierung mit der Spezifikation nachgewiesen werden kann, liegen in Oracles Händen. TCKs zu entwickeln und aktuell zu halten, sei aber auch kostenintensiv – Kosten, die man zukünftig besser verteilen sollte, meint Horstmann.

Im Spiel ist hier auch die „Field of Use“-Beschränkung, die Sun seinerzeit verhängt hatte, um alternative Java-Implementierungen im Mobile-Bereich zu verhindern (weshalb Google gezwungen war, Android auf der Dalvik-JVM und nicht auf Java zu bauen). Oracle werde kaum auf diese Einnahmequelle verzichten, sodass man hier warten müsse, bis Java ME endgültig keine Rolle mehr spiele. Und das sollte angesichts der Stagnation bei Java ME nicht mehr allzu lange dauern, prognostiziert Horstmann.

Nr. 2 sei einfacher realisierbar: Offene Mailing-Listen und allgemein zugängliche Archive seien ein Schritt in die richtige Richtung. Um eine stärkere Community-Partizipation zu erreichen, müsste dringend auch die technische Infrastruktur des JCP aufgebessert werden, denn beispielsweise nutze das öffentliche Forum die „schlechteste Forum-Software in der Menschheitsgeschichte“.

Nr. 3 sei vielleicht der wichtigste Punkt überhaupt: Bisher formiert sich ein JSR einmal zur Spezifizierung und löst sich nach „getaner Arbeit“ auf. Bei vielen Projekten – wie Client-seitige UIs – gehe dabei die nötige Kontinuität verloren:

Look at client-side UI. Is anyone in charge? Is there any vision for the future? Any mechanism for deprecating what is no longer useful? Java is now old enough that some serious deprecation needs to happen for it to move forward. Cay Horstmann

Reform-Optimismus

Horstmann versprüht verhaltenen Reform-Optimismus, wobei seine Kommentare von folgenden Grundaussagen geprägt sind:

  • Der JCP hat Probleme
  • Realistisch gesehen wird der JCP nicht durch etwas anderes ersetzt werden
  • Geben wir also den reformwilligen Kräften die nötige Community-Unterstützung, um Verbesserungen durchsetzen zu können.

There are people in the JCP who want to make things better, and they need the backing of the community to move forward. Cay Horstmann

Cay Horstmann hat die Reformvorschläge von Dan Allen und Lincoln Baxter in der zugehörigen Online-Petition unterschrieben.

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Hartmut Schlosser
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