Cloud Application Management for Platforms

CAMP: Interview zum API, das PaaS-Dienste vereinen soll

Elliot Bentley

Schluss mit Vendor Lock-in! Das Einheits-API CAMP soll die Verwaltung von Cloud-Apps standardisieren. Doch nur wenige Firmen stehen Oracle hierbei zur Seite. Im Interview sprechen drei der CAMP-Befürworter über wirtschaftliche Vorteile und ihre Ratlosigkeit, ob die Konkurrenz aus dem Hause AWS, Google und Microsoft gleichziehen will.

Im Gespräch mit Jeff Mischkinsky, Oracles Senior Director für Fusion Middleware und Web Services Standards, Duncan Johnston-Watt, CEO der Cloudsoft Corporation, und Steven Harris, Senior Vice President bei CloudBees, erfuhr unser britischer Kollege Elliot Bentley weitere Hintergründe zu CAMP, einem gemeinsamen Cloud-Management-API.

Die Anfänge von CAMP

„Die ersten Bemühungen dazu unternahmen wir vor eineinhalb Jahren. Wir glauben, dass dies der erste Versuch ist, die Anwendungsverwaltung, ja die Cloud -Plattformen zu standardisieren“, erklärt Mischkinsky den britischen Jaxenter-Kollegen am runden Tisch. „Es dient als einheitliche Basis, um Applikationen zu verwalten. Wir haben bislang nur grundlegende Operationen definiert, um Anwendungen zu managen und zu deployen. Dazu zählen Operationen wie ‚Start‘, ‚Stop‘, Sleep‘, ‚Deploy‘ und solche Sachen.“

Nur die Grundlagen sind definiert

Bei der Standardisierung musste man darauf achten, dass mit CAMP nicht ein Korsett erschaffen wird, das potenzielle Teilnehmer in ihren Freiheiten einengt. „Ich glaube, die größte Herausforderung war, dass wir es einfach halten, damit wir etwas gestalten, was ich gerne als ‚Framework für Innovation‘ bezeichne.“, sagte Mischkinsky.

„Ein paar von uns kennen das schon“, fügt Johnston-Watt hinzu. „[Wir werden] in Standards einbezogen, und manchmal können diese als Innovationsbremse empfunden werden. Einen Satz, den ich dazu liebe, den Steve [Harris] oft benutzt, ist: ‚Spanne nicht den Standard-Wagen vor das Innovations-Pferd.‘ Doch denke ich, dass wir uns in diesem Fall viel mehr auf Kernfunktionen konzentrieren, auf gemeinsame Server-Operationen, gegen die man nur schwer argumentieren kann. Die wohl interessanteste Reaktion bekamen wir von einer anderen Arbeitsgruppe namens Open Data Center Alliance, die uns sofort lobte.“

CAMP: Chance oder Risiko für den Wettbewerb?

Eine der entscheidenden Auswirkungen eines universellen APIs wäre, dass es Kunden leichter gemacht wird, den Provider zu wechseln. Bentley fragt, ob dies nicht die Konkurrenz zwischen Anbietern verschärfen würde, die sich für die Implentierung von CAMP aussprechen.

Johnston-Watt verneint und sagt: „Von meinem Standpunkt aus betrachtet werden wir eher mit einem PaaS-Provider arbeiten, wenn er standardkonform ist. Wenn man es von der anderen Seite betrachtet, werden die Kunden sich eher für die Provider entscheiden, die den Standard unterstützen. Statt von einem Wettbewerbsnachteil würde ich daher eher von einem -vorteil sprechen.“

Anstatt dass jeder PaaS-Anbieter ein etwas unterschiedliches API für das Cloud-Management verwendet, erklärt Mischkinsky, ist es viel sinnvoller, zu standardisieren. „Der Mangel an einem universellen Standard verursacht Reibung und er begrenzt das Marktwachstum. Also ist einer der Gründe, warum sich Oracle für die Standardisierung einsetzt, weil man darin Wachstumschancen sieht. Und dieses Wachstum ist in der Regel besser für alle Player am Markt. Im Anschluss gibt es dann natürlich Wettbewerb in Bezug auf die Implementierungen.“

Jeder kann mitmachen…

Es bleibt also abzuwarten, ob die großen Fische im PaaS-Teich, sprich AWS, Google, Windows Azure und andere, diese Philosophie teilen. Trotzdem: Wenn die Spezifikation von OASIS abgesegnet werden sollte, wird es mehr als die Laune weniger Anbieter sein.

„Wenn man sich die Charta mal anschaut, wird man feststellen, dass da noch jede Menge Platz ist für Änderungen. Sobald mehr Firmen mit an Bord kommen, kann man die Spezifikation finalisieren.“, sagt Mischkinsky.

… doch wer will mitmachen?

„Wir sollten betonen, dass dies nicht irgend eine Intrige ist“, sagt Harris. „Wir sind nicht bloß sieben Kerle, die sich mal zusammengesetzt haben – das ist ein echter Vorschlag. Und wir suchen eifrig nach Teilnehmern von anderen Leuten aus der Industrie, die wir kennen.“

„In dieser Phase können wir noch nicht sagen, wer“, fügt er kryptisch hinzu, „weil wir uns darüber noch Gedanken machen, aber es gibt gewiss viel Interesse jenseits der ursprünglichen Ankündigung. Man sollte es als Anfang und nicht als Ende betrachten.“

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Elliot Bentley
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