Bye bye Eclipse? Xtext-Unterstützung in IntelliJ IDEA angekündigt

Redaktion JAXenter
© shutterstock.com/Peter Gudella

Xtext ist ein Vorzeigeprojekt unter den Technologien, die den Vornamen „Eclipse“ tragen. Seit sechs Jahren wird das Open-Source-Framework für domänenspezifische Sprachen unter dem Dach der Eclipse Foundation entwickelt. 2010 gewann es den Preis „Most Innovative New Feature or Eclipse Project“ bei den Eclipse Community Awards, und auch außerhalb der Eclipse-Welt findet es samt der aus ihm hervorgegangenen JVM-Sprache Xtend begeisterte Anhänger. Die Bandbreite an Xtext-Anwendungsfällen ist mittlerweile so groß, dass die ambitionierten Xtext-Entwickler, Mitarbeiter der itemis AG, im Mai diesen Jahres eine erste Konferenz rund um Xtext veranstalten konnten (siehe xtextcon.org). Ein italienischer Xtext-Nutzer, Lorenzo Bettini, widmete dem Framework und der Sprache Xtend im vergangenen Jahr ein ganzes Buch

Auf zu neuen Ufern!

Jetzt, so scheint es, ist das verflixte siebte Jahr angebrochen: Wie der Projektleiter Sven Efftinge heute in einem Blogpost mitteilt, wird sich Xtext von Eclipse als Entwicklungsumgebung emanzipieren und in Sachen IDE-Unterstützung eigene Wege einschlagen. Seit Sommer arbeite man an der IntelliJ-IDEA-Unterstützung für Xtext und Xtend und bemühe sich um eine möglichst nahtlose Integration mit dem Eclipse-Konkurrenten aus dem Hause JetBrains, ist darin zu lesen. Dank Dependency Injection seien Optimierung und Anpassungen innerhalb der IntelliJ-IDE möglich. Eine öffentliche Beta-Version soll es dem Blogpost nach Anfang 2015 geben.

Weitere Plattformen werden ebenfalls angepeilt. So soll Xtext als nächstes Einzug in den Webbrowser halten und sich somit für eine breitere Zielgruppe, darunter auch DSL-Nutzer ohne Programmierkenntnisse, öffnen.

Adé, Eclipse-IDE?

Die Frage, die sich unmittelbar aufdrängt, lautet: Wird Xtext der Eclipse-IDE mittel- oder langfristig ganz den Rücken kehren? Zwar erwähnt Efftinge zweimal, dass auch weiterhin am Eclipse-Tooling gearbeitet und man „natürlich“ auch zukünftig sein Augenmerk auf Eclipse richten werde. Doch die „geringere Aktivität in der [Eclipse-]Plattform“ habe für eine „auffällige Abnahme der Begeisterung“ gesorgt, weswegen immer mehr Java-Entwickler IntelliJ für die geeignetere IDE hielten. Diese unverhohlene Kritik am Eclipse-Plattform-Team klingt ein wenig wie der Aufruf zu einem Exodus – nach dem Motto „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“.

Man ahnt es schon: Mit der Neuorientierung dieses wichtigen Eclipse-Projekts dürfte die Debatte um den Zustand der Eclipse-Plattform, die vor einem Jahr recht hitzig geführt wurde, erneut entflammen. Widerworte legte Lars Vogel, langjähriger Plattform-Committer, bereits auf Twitter ein:

Eclipse-Bashing, reloaded?

An der IDE-Frage scheiden sich nach wie vor die Geister. Fest steht, dass jede der drei großen Java-IDEs – Eclipse, IntelliJ IDEA und NetBeans – ganz individuelle Stärken und Schwächen hat, die sich, wie Äpfel und Birnen, schwerlich miteinander vergleichen lassen: Aus einem JAXenter-Quickvote zum Thema ging jedenfalls kein klarer Sieger hervor – auch Eclipse nicht. So gesehen ist das Bestreben des Xtext-Teams, sich breiter aufzustellen, nur pragmatisch und konsequent. Allerdings fragt sich, wie viele weitere Projekte es ihm nun gleich tun werden – und wie sehr sich die vielerorts verbreitete Wahrnehmung von Eclipse als vermeintlich desolater Plattform dadurch verstärkt. Nach dem Luna- und dem Kepler-Release war die Kritik an Eclipse verstummt – wird sich das nun wieder ändern? 

Aufmacherbild: Exit Sign von Shutterstock.com / Urheberrecht: Peter Gudella

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2 Kommentare auf "Bye bye Eclipse? Xtext-Unterstützung in IntelliJ IDEA angekündigt"

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Sven Efftinge
Gast

Wieso by bye Eclipse? Eclipse ist super und wird sicher auch noch lange seine Stellung als Marktführer behalten. Und wie Lars richtig feststellt bessert sich die Situation in der Platform aktuell. Wie machen *zusätzlich* IntelliJ und Web (und mal sehen was noch).

logik
Gast

Aktivität != Begeisterung
da helfen auch nicht Hunderte Commits