Workarounds für die Online-Shopsoftware Magento

Magento: Was (noch) nicht passt, wird passend gemacht

Ralf Lieser

©Shutterstock / 3dmask

Magento bietet für den E-Commerce umfangreiche Funktionen und Möglichkeiten. Doch manchmal fehlt eine bestimmte Funktion für den eigenen oder für den Shop eines Kunden. Magento-Experte Ralf Lieser (netz98) stellt fünf hilfreiche Workarounds vor, um die Onlineshop-Software für gängige Anforderungen anzupassen.

Alles aus einer Hand? Auch wenn Magento zu den leistungsstärksten Shopsystemen gehört und Shopbetreibern beinahe uneingeschränkte Möglichkeiten der Individualisierung bietet, kann es bei bestimmten Anforderungen an seine Grenzen stoßen. Hier gilt es, um die Ecke zu denken und für jedes Problem eine passende Lösung zu finden. Mit diesen fünf Workarounds können die Hindernisse einfach umgangen werden.

1) Single-Sign-On

Ein zentraler Login für Mitarbeiter oder den Kunden – immer wieder braucht man eine dieser Konfigurationslösungen. Beim sogenannten „Single-Sign-On“ (SSO) meldet sich der User mit nur einem Zugang bei mehreren Diensten an. Dafür benötigt dieser keine separaten Accounts in den verschiedenen Softwares. Auch wenn Magento diesen Ansatz nicht ohne weitere Anpassungen unterstützt, kann ein Single-Sign-On durch die Benutzerverwaltung der eigenen Datenbank ermöglicht werden.

Workaround: Standards wie der Lightweight Directory Access Protocol (LDAP) oder der Security Assertion Markup Language (SAML) sowie dezentrale Authentifizierungssysteme wie OpenID helfen dabei, diese Anforderung in Magento zu realisieren. Die SSO-Lösungen sind auch mit Produkten von SAP und Microsoft kompatibel.

2) Kundenindividuelle Live-Preise

Kunden, Rahmenverträge oder länderspezifische Steuern – neben dem Produkt und der Menge können im B2B-Geschäft weitere Faktoren Auswirkungen auf den Preis haben. Der unter diesen Einflüssen erzeugte Preis soll live generiert und ausgegeben werden. Ist der Datentransfer zu langsam oder die Rechenleistung des Servers zu gering, kann es zu Problemen bei der Ausgabe kommen.

Workaround: Mithilfe von REST API-Anfragen kann die Magento-Preisberechnungslogik ersetzt werden. So muss diese nicht mehrfach entwickelt und gepflegt werden. Dabei bleibt das ERP das führende System. Damit bei Live-Abfragen nicht jedes Mal auf das ERP-Kernsystem zugegriffen werden muss, können mithilfe einer modernen NoSQL-Datenbanktechnologie die „Preis-Produkt-Kunde“-Beziehungen als Dokumente abgelegt werden.

3) IoT-Integration

Internet of Things – darunter werden intelligente Geräte eingeordnet, die mithilfe einer Internetverbindung selbstständig Aktionen ausführen können. Ein Beispiel hierfür wäre ein Drucker, der erkennt, dass die Patrone fast leer ist und eigenständig und automatisch Ersatz bestellt. Die Integration von IoT-Technologien ist bei Magento keine Out-of-the-box-Leistung und muss nachträglich ins System implementiert werden.

Workaround: Um IoT-Technologien in Magento zu integrieren, kann eine Magento-Extension helfen, die mit den Protokollen HTTP, XMPP, CoAPP und MQTT kompatibel ist. Mit dieser können IoT-spezifische Adapter für verschiedene Gegenstände programmiert werden. So könnte beispielsweise eine Baumaschine in das Shopsystem integriert werden, die selbstständig ihre Betriebsstunden an den Kundenserver meldet, das Wartungsintervall berechnet und so automatisch Ersatzteile und Werkezeuge bestellt, wenn diese benötigt werden.

4) OCI PunchoutOpen Catalog Interface

OCI PunchoutOpen Catalog Interface – darunter versteht man die standardisierte Katalogdatenschnittstelle, die für den Austausch von Katalogdaten im B2B-Umfeld verwendet wird. Über die OCI Punchouts wird mittlerweile ein großer Teil des Umsatzes generiert. Ein OCI Punchout wird durch Magento standardmäßig nicht unterstützt, da das Shopsystem keine Möglichkeit bietet, die E-Commerce-Plattform für Einkäufe durch andere Systeme zu öffnen.

Workaround: Mit einem speziell entwickelten OCI Modul kann das Hindernis umgangen und der Austausch von Katalogdatensätzen zwischen ERP-System und Magento ermöglicht werden. Mithilfe des entwickelten OCI Punchout Moduls findet der Kauf nicht mehr zwingend im Webshop statt und die Produktdaten landen stattdessen mit allen benötigten Informationen im ERP-System des Endkunden. Dort werden die Daten über Bestellungen und Vorbuchungen an das entsprechende Kundenlager verknüpft. So können die Bestände des Webshops durch den Kunden des Shopbetreibers wie die eigenen Bestände im ERP-System behandelt werden.

5) Produktdatenmanagement

Die hohe Qualität der Produktdaten ist ein wesentlicher Faktor für den langfristigen Erfolg im E-Commerce. Damit diese erreicht wird, sollte ein Produktdatenmanagement oder ein Product Information System (PIM-System) eingesetzt werden. Durch diese Systeme werden vollständige und qualifizierte Produktdaten generiert. Magento unterstützt zwar die Verwaltung von Produktinformationen, verfügt jedoch nicht über ein Produktdatenmanagement in der Ausprägung eines PIM-Systems.

Workaround: Für das Produktdatenmanagement empfiehlt sich die Verwendung eines dedizierten PIM-Systems. Bei der Evaluation, Installation und dem Betrieb kann ein Dienstleister zur Hilfe gezogen werden.

Fazit: Die Beispiele zeigen, dass Magento zwar nicht alle genannten Anforderungen Out-of-the-box erfüllt, diese jedoch mit den richtigen Workarounds einfach umsetzbar sind.

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Ralf Lieser
Ralf Lieser
Ralf Lieser kommt ursprünglich aus der Software-Entwicklung, daher ist seine Rolle bei netz98 zweigeteilt. Zum einen hat er die „Head of“ Position des Technologie Managements inne. Zum anderen unterstützt er als Technologie Consultant die netz98-Kunden im Aufbau von Systemarchitekturen, digitalen Infrastrukturen in der Cloud und beim Zusammenfügen von Systemen und Workflows. Er konstruiert für Kunden Cloud-Lösungen, welche die Digitale Transformation unterstützen und hält regelmäßig Vorträge auf Fachkongressen.
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