Java-Streit: Breite Unterstützung für Google

Streit um Java-APIs: IBM und Red Hat unterstützen Google

Katharina Degenmann

© Shutterstock / Andrey_Popov

Im Streit um die Nutzung der Java-APIs vor dem Supreme Court erhält Google nun weitere Unterstützung. Neben Unternehmen wie Microsoft, Organisationen wie Mozilla, Wikimedia und Einzelpersonen wie den Unix- oder Icann-Gründern ergreift nun auch Red Hat Partei für Google.

Zum wiederholten Male stehen sich die beiden IT-Riesen Google und Oracle vor Gericht wegen der Nutzung von Java-APIs in Android gegenüber. Google hat sich in einem Berufungsverfahren an den Supreme Court gewandt, der sich dieser Sache angenommen hat und im Urheberrechtsstreit entscheiden wird.

Rund eine Woche, nachdem Google seine Eröffnungsschrift für die Verhandlung vor dem Supreme Court eingereicht hat, bekommt der Suchmaschinenriese nun zahlreiche Unterstützung von anderen Unternehmen. So haben diverse Unternehmen, Organisationen und auch Einzelpersonen sogenannte Amicus Briefs beim Supreme Court der USA eingereicht, mit denen Dritte Stellung zu Rechtsfragen beziehen können. Insgesamt handelt es dabei dabei um mehr als 20 Einreichungen im Sinne Googles.

Fair Use vs. Urheberrechtsverletzung

Der Rechtsstreit zwischen Oracle und Google dauert mittlerweile zehn Jahre an und dreht sich um die Frage, ob die reine Nutzung von APIs unter US-Copyright fällt. Während Oracle behauptet, Google hätte seine Technologie bzw. Java-APIs „gestohlen“, kämpft Google für „offene Innovation“.

Seit 2010 zieht Oracle von Gericht zu Gericht, um Lizenzgebühren für alle Android-Geräte von Google einzuklagen. Die zentrale Frage ist dabei, ob Oracle ein Urheberrecht auf APIs beanspruchen und für deren Nutzung Lizenzgebühren verlangen kann. Bzw. ob die Verwendung der Java-APIs durch die Fair-Use-Regeln abgedeckt wird. Nach zahlreichen Runden durch die verschiedenen Institutionen hatte zuletzt das zuständige US-Bundesberufungsgericht gegen Google entschieden. Der Internetkonzern zog daraufhin erneut vor den Supreme Court, der das Verfahren im November 2019 annahm.

Breiter Support für Google

Eigentlich handelt es sich bei diesem Streit um eine Grundsatzdiskussion, dessen Urteil die Softwarebranche maßgeblich verändern könnte: Kann einem Unternehmen der Zugang zu grundlegenden Code-Elementen durch das Urheberrecht verweigert werden bzw. unterliegen APIs dem Urheberrecht?

Wenn Oracle Recht bekommt und APIs zukünftig nicht nur unter Patent- sondern auch unter Urheberrecht fallen würden, würde das die Softwareentwicklung verändern. Damit wäre ein Nachbau von APIs deutlich schwerer und ohne Lizenz wahrscheinlich kaum mehr möglich. Die Möglichkeit verschiedener Softwaresysteme, Informationen plattformunabhängig untereinander auszutauschen, ist die Grundlage vieler heutiger Technologien. Das wissen auch andere Unternehmen und stellen sich nun auf die Seite von Google.

So schreibt etwa der Browserhersteller Mozilla, dass dies bereits der vierte Amicus Brief sei, in dem die Firefox-Macher klar Stellung für Google und gegen Oracle beziehen. Daneben legen sich auch die Creative-Commons-Organisation, der Open-Source-Initiative, der Wikimedia Foundation und der Software Freedom Conservancy sowie die Unternehmen Shopify, Etsy, Reddit, Mapbox, Patreon, Medium und Cloudera für Google ins Zeug.

Wie nun bekannt wurde, ergreift neben IBM und Mircosoft auch Red Hat Partei für den Internetriesen und setzen sich dafür ein, das bisherige Urteil aufzuheben. Der Supreme Court entscheidet nun also über die Frage des Fair Use. Laut CNBC ist mit dem Urteil noch vor Juli 2020 zu rechnen.

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Katharina Degenmann
Katharina Degenmann
Katharina ist hauptberuflich hilfsbereite Online- und Print-Redakteurin sowie Bücher- und Filme-Junkie. Nebenbei ist sie Möchtegern-Schriftstellerin, die heimlich hofft, eines Tages ihr Geld als Kaffee-Testerin zu verdienen. Von Februar 2018 bis Februar 2020 hat sie als Redakteurin bei der Software & Support Media GmbH gearbeitet, davor hat sie Politikwissenschaft und Philosophie studiert.
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Hi, der Artikel ist bissl missverständlich geschrieben. Es geht nicht um Nutzung der APIs sondern um die Reimplementierung dieser. Das hat Google mit der Dalvik-VM nämlich gemacht.

Grüße