How to be agile

Business Agility ist kein Scrum im Anzug – der Business Agility Day auf der JAX 2012

Judith Lungstraß

„Business Agility ist kein Scrum im Anzug“ – mit dieser Aussage eröffneten Moderator Konstantin Diener und Valentino Pola von der COINOR AG den ersten Business Agility Day der JAX. Business Agility ist aber auch keine agile Methode im klassischen Sinne und noch viel weniger ist sie (leider!) eine Wunderwaffe. Liebhaber von Definitionen klären Diener und Pola darüber auf, was Business Agility denn nun wirklich ist, indem sie das Konzept beschreiben als Mittel, „um ungewissen internen und externen Veränderungen proaktiv oder reaktiv mit dem Ziel zu begegnen, Wettbewerbsvorteile durch erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit zu erlangen“. Vereinfacht ausgedrückt: Wer Erfolg haben will, muss schnell und flexibel sein – eben agil.

Nachdem die ersten begrifflichen Unklarheiten beseitigt waren, ging es ans Eingemachte. Vorausgesetzt, Business Agility ist tatsächlich ein Mittel zum Erfolg, wie kann man die Agilität eines Unternehmens steigern? Um das zu verstehen, benötigen wir zuerst einmal weitere Abstraktionen. Nehmen wir den Business Agility Need (BAN), die Notwendigkeit zur Agilität, und stellen ihn der Business Agility Readiness (BAR), der bestehenden Agilität eines Unternehmens, gegenüber. Aus diesem Vergleich entsteht eine Kluft – die Business Agility Gap (BAG). Hauptziel jeglicher Agilitäts-Bestrebungen muss sein, diese Kluft zu überwinden.

Diener und Pola listeten einige Kochrezepte auf, mit denen man ein gesundes agiles Gericht zubereiten kann. So sollte man stets die Fachdomäne kennen, für die man eine Strategie entwickelt, und auch in deren Fachsprache zu kommunizieren wissen. Statt strengen und oft nur schwer nachvollziehbaren Regularien und Verordnungen sind ausführbare Artefakte zu erzeugen – all das begleitet von einem regelmäßigen und gründlichen Feedback.

Weitere Taktiken zur Schließung des agilen Grabens zogen sich wie ein roter Faden durch den Verlauf des Business Agility Day. In seinem Vortrag „Games for the Masses – Wie DevOps die Entwicklung von Architektur verändert“ erläuterte Jesper Richter-Reichheim vom Spieleentwickler Wooga, wie das Zusammenspiel der einzelnen Abteilungen eines IT-Unternehmens die Agilität verstärken und dadurch Wettbewerbsvorteile schaffen kann.

Die klassische Rollenverteilung sieht nämlich folgendermaßen aus: Es gibt Architekten, Entwickler und den Betrieb. Diese Gruppen arbeiten getrennt voneinander in verschiedenen Abteilungen, ja teilweise sogar in verschiedenen Ländern – „die Arbeitskräfte in China sind ja so schön billig“. Doch innerhalb eines Unternehmens kann sich keine Abteilung isolieren. Früher oder später wird ein Kontakt nötig. Und war der Austausch im Vorfeld eher mangelhaft, resultiert das oft in der Klage: „Was soll ich denn damit machen? Das hat doch mit der Realität nichts zu tun!“. Die DevOps-Bewegung hingegen kombiniert Development und Operations, Entwicklung und Betrieb, verlangt dabei von beiden Abteilungen eine verstärkte Flexibilität und hilft dem Unternehmen im Großen und Ganzen, agiler zu werden.

Konstantin Diener auf dem Business Agility Day

Doch die Business Technology Days auf der JAX würden ihrem Namen nicht gerecht, würden sie nicht neben Geschäftsmethoden auch noch deren technologische Umsetzung demonstrieren. Diesen Part übernahm der Moderator Konstantin Diener selbst in der Session „In 60 Minuten von der Excel- zur JEE-Anwendung“.

Ohne Zweifel hat eine Excel-Anwendung einige Vorteile – beispielsweise kann man Elemente mit Hilfe von Formeln einfach und erstaunlich „untechnisch“ miteinander verknüpfen, und die Umsetzung von Masken macht GUI-Frameworks und -Designer überflüssig. Allerdings sind Änderungen an Formeln und Daten häufig nur mehr schwer nachvollziehbar. Welche Entscheidung basierend auf welcher Version getroffen wurde, ist meist unmöglich herauszufinden. Und auch die Datenhaltung sowie die Steuerung der Zugriffsrechte lassen in Microsoft Excel stark zu wünschen übrig. Die Lösung? Eine Migration der Excel-Anwendung zu JEE! Wie das geht, führte Diener in seiner Session vor.

Abgerundet wurde der Business Agility Day durch Vorträge von Markus Schärtel aus der Firma Bosch Software Innovations und Markus Gärtner von it-agile. Während Schärtel über die Auswirkungen von Geschäftsregeln auf die Business Agility sinnierte, präsentierte Gärtner einen Leitfaden mit dem Titel „Von Benutzerzielen zur ausführbaren Spezifikation“. Dass Teilnehmer der diesjährigen JAX den Business Agility Gap in ihrem Unternehmen überbrücken können, bleibt zu hoffen. Der Grundstein dazu ist gelegt.

Sehen Sie in folgendem Video, wie Moderator Konstantin Diener den Business Agility Day Revue passieren lässt.

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Judith Lungstraß
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