Ausgebrannte IT

Burnout bei Entwicklern: eine Branchenkrankheit?

Kypriani Sinaris

©Shutterstock/lassedesignen

In einem Blogpost spricht Jeremy Kratz das Tabuthema an: Burnout ist die Ermüdung, Frustration oder Apathie, die aus lang andauerndem Stress, Überarbeitung oder instensiver Aktivität resultiert. Er beschreibt das, was anscheinend viele Entwickler tagtäglich erleben, denn er ist nicht der einzige im Netz, den die Stressignale des Körpers eingeholt haben.

Jeremy Kratz beschreibt in seinem Blogpost, dass sein erstes Gefühl der Überarbeitung bei einem großen Projekt auftrat, welches von einem kleinen Team durchgeführt wurde. Aus anfänglicher Motivation und Euphorie seien nach Monaten Deadlines geworden, deren Einhaltung unmöglich schien. So schlichen sich Überstunden in seinen Alltag ein und es wurden doch immer wieder neue Bugs im Code entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt fragte sich der Entwickler, wofür die Euphorie gut sei, wenn das Projekt sowieso zum Scheitern verurteilt war.

Über dieses Gefühl zu sprechen schien zu diesem Zeitpunkt undenkbar: Es hätte sich wie ein Eingeständnis angehört, so Jeremy Kratz. Stattdessen habe er sich gefragt, ob er nicht selbst hätte besser arbeiten können, ein besserer Programmierer hätte sein können. In einem Umfeld, welches oftmals dominiert würde von introvertierten Persönlichkeiten, sei dieses Gefühl des Alleinseins mit diesem Problem besonders stark. Mit dem Ziel, das Tabu zu brechen und anderen Programmierern die Scham zu nehmen, Überforderung und übermäßigen Stress bei der Arbeit zu thematisieren, widmet sich der Entwickler auch in vielen weiteren Blogeinträgen dem Thema Burnout.

The more we talk about the problem, the easier it becomes for others to speak up, and to ultimately take steps to address the causes of burnout in their workplaces.

Ein Einzelfall?

Alleine scheint Jeremy Kratz keineswegs zu sein. In einem Reddit Thread tauschen sich Entwickler über das Tabuthema Burnout aus: Was bei der Arbeit nur schwer geäußert werden kann, dafür finden die Teilnehmer des Threads hier, beispielsweise im Kommentar von rogue780 sehr klare Worte:

You know what? I’m burned out. I’ve basically given my life to this poorly managed project for 2 and a half years. Poor management that lead to poor performance and delivery (they literally made use rewrite the app when we were on our 2nd RC).

Und auch auf anderen Portalen, wie Hacker News, tauschen sich Entwickler über das Thema aus. In einem Kommentar von wobbleblob verdeutlicht sich, welches Ausmaß der Druck auf die eigene Leistung nehmen kann: Er thematisiert das Schweigen rund um ein Burnout und beleuchtet dabei den Kern des Problems, denn seiner Meinung nach kann ein öffentliches Bekennen eines Betroffenen auch negative Konsequenzen haben:

I don’t mean to be a jerk or anything, but a burnout is something you better not blog about or write about on facebook or speak about in any way that can be traced back to your real name, if you ever want to find another job again.

Work Life Balance

Im Netz finden sich zahlreiche Artikel, in denen Tipps gegeben werden, wie man einem Burnout entgegenwirken kann. Die Huffington Post stellt beispielsweise 7 Tipps zusammen, wie Betroffene oder von Burnout gefährdete Arbeitnehmer dem Stress entgegenwirken können. Hier wird zwar nicht darauf eingegangen, dass viele Arbeitnehmer erst gar nicht über ein Burnout sprechen, so wie es Jeremy Kratz in seinem Blogpost anregt, es werden aber kleine Veränderungen im Alltag vorgeschlagen, durch die sich der Stress im Job vermindern kann.

An der Technischen Universität Dortmund wurde schon 2010 eine Online-Befragung mit IT-Freelancern durchgeführt. Diese hat gezeigt, dass 52% der Freelancer von vermutlich arbeitsbedingtem psychischen Stress berichten, mehr als die Hälfte würde unter Ängsten, negativen Emotionen und weiteren, als typische Burnout-Symptome kategorisierten Erscheinungen leiden. Als Reaktion auf dieses Ergebnis hat die TU ein Konzept für ein Burnout-Präventionszentrum entwickelt.

Auch manche Unternehmen haben bereits auf wachsende Unzufriedenheit von Mitarbeitern reagiert: Das Münchner Unternehmen Cobe beispielsweise hat einen sogenannten „Chief Happiness Officer“. Zu den Aufgaben dieses Happiness Officers gehört die Mitarbeiterbindung, das Recruiting und natürlich: Kommunikation.

Fazit

Auch wenn Burnout offiziell nicht als Krankheit anerkannt wird, scheint sie nicht nur bei IT-lern, sondern bei Arbeitnehmern im Allgemeinen ein verbreitetes Problem darzustellen. Die Tatsache, dass ganze Portale auf diesem Thema aufbauen zeigt außerdem die Dringlichkeit, dass darüber gesprochen werden sollte. Mit seinem Blogpost scheint Jeremy Kratz daher ein wichtiges Problem im Arbeitsalltag vieler Menschen anzusprechen. Ob mit einem Happiness Officer oder nicht: Eine Reaktion von Arbeitgeberseite ist notwendig.

Aufmacherbild: Broke von Shutterstock / Urheberrecht: lassedesignen

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Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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