von Siegfried Kaltenecker

Buchtipp: Selbstorganisierte Unternehmen

Michael Müller

Nach „Selbstorganisierte Teams führen“ nun „Selbstorganisierte Unternehmen“. Besteht hier nicht die Gefahr, dass sich Kaltenecker wiederholt? Sowohl der alte als auch der neue Titel zielen auf die Selbstorganisation, und so findet sich in seinem neuen Buch tatsächlich manches, was er schon früher beschrieben hat. Dennoch, der Fokus ist ein anderer. Der Leser findet viel Neues oder aus anderem Blickwinkel Beschriebenes.

Autor(en)

Siegfried Kaltenecker

Titel

Selbstorganisierte Unternehmen

Untertitel

Management und Coaching in der agilen Welt

Seiten

330

Preis

34,90 Euro

Verlag

dpunkt.verlag

Jahr

2017

ISBN

978-3-86490-453-0

Dabei startet der Autor in Teil 1, Management, erst einmal wieder mit den Grundlagen agilen Handels, insbesondere dem Agilen Manifest, aber auch den Fragen danach, was Selbstorganisation und Management bedeuten. Er versucht mit Mythen und falschen Meinungen aufzuräumen, aber auch mit der Vorstellung, Selbstorganisation sei einfach einzuführen, und geht auf die Entwicklung selbstorganisierter Teams ein.

Teil 2 nennt er Skalierung der Selbstorganisation. Unter Skalierung verstehen wir häufig die Anpassung der Leistungsfähigkeit z. B. eines EDV-Systems an wechselnde, in der Regel wachsende Anforderungen. Kaltenecker meint mit dem Begriff die Ausweitung der Selbstorganisation auf das ganze Unternehmen. Und dies ist kein Selbstläufer. So geht er auf Hilfsmittel wie Kanban ein, spricht von Unternehmensvisionen, Feedback, kundennahen Entscheidungen und verteilten Managementaufgaben. Diese Themen könnten auf dem ersten Blick auch in irgendeinem Managementratgeber stehen, würde der Autor dies nicht stets unter dem besonderen Blickwinkel der Selbstorganisation betrachten. Zum Schluss dieses Teils geht er auf laufende Trainings als Begleitung der Veränderung der Unternehmensorganisation ein.

Damit hat er dann den Übergang zu Teil 3 geschafft, der fast die Hälfte des Buchs ausmacht und sich vornehmlich mit Coaching beschäftigt. Wie soll ein Coach arbeiten? Hier kann Kaltenecker aus dem Nähkästchen seiner langjährigen Erfahrung plaudern. Doch es geht dabei nicht nur um allgemeine Eigenschaften. Vielmehr zeigt er auch konkrete Formen des Coachings auf, auch untereinander in Form kollegialer Beratung und Feedback. Auch Coaching von Managern sowie Manager als Coaches beschreibt er ausführlich.

Kaltenecker visualisiert seine Themen nicht nur mit Grafiken, sondern unterlegt sie mit teils kontroversen Fotos, die manchmal einfach nur ein Schmunzeln hervorrufen, häufig aber auch Denkanstöße liefern. Und er benennt Beispiele aus der Praxis, Unternehmen, die mit mehr oder weniger Selbstorganisation äußerst erfolgreich am Markt agieren. Gemessen an der noch häufig hierarchisch ausgerichteten Unternehmensstruktur, ist es oft ein weiter Weg dorthin. Diesen Weg einzuschlagen, unterstützt das vorliegende Buch.

Natürlich gibt es durchaus größere Überschneidungen mit seinem vorherigen Buch. Es eine zweite Auflage zu nennen, käme der Sache aber zu kurz. Eher ist es ein bedeutendes Upgrade mit leicht veränderter Zielrichtung. Und so haben beide Bücher ihre Berechtigung, je nach Fokus des Lesers. Wer eher in Richtung Unternehmen denkt, dem ist das vorliegende Buch zu empfehlen, ohne dass es erforderlich ist, den Vorgänger zu lesen.

Geschrieben von
Michael Müller
Michael Müller
Michael Müller verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in Softwareentwicklung, Training und Consulting, davon rund 25 Jahre im Gesundheitswesen. Er leitet den Bereich Softwareentwicklung bei der InEK GmbH. Daneben betätigt er sich als freier Autor und Blogger. Er ist Mitglied der JSF Expert-Group, des NetBeans Dream Team sowie der JUG Cologne.
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