von Siegfried Kaltenecker

Buchtipp: Selbstorganisierte Teams führen

Michael Müller

Selbstorganisierte Teams entwickeln sich häufig zu Hochleistungsteams. Insofern ist es gut und richtig, auf diese Organisationsform zu setzen. Sind aber Selbstorganisation und Führung nicht Gegensätze, die einander ausschließen? Nein, erläutert der Autor, sofern Führung nicht in die Selbstorganisation eingreift und die äußere Leitung vornimmt. Und überhaupt, es gebe unterschiedliche Stufen der Selbstorganisation, von managergeführten Teams bis hin zu autonomen Teams, je nachdem, ob die Teams nur die Durchführung der Aufgaben selbst organisieren oder aber auch die Arbeitsprozesse selbst gestalten, den Organisationskontext selbst festlegen bis hin zur eigenverantwortlichen Vorgabe von Zielen.

Autor(en)

Siegfried Kaltenecker

Titel

Selbstorganisierte Teams führen

Untertitel

Arbeitsbuch für Lean & Agile Professionals

Seiten

244

Preis

32,90 Euro

Verlag

dpunkt

Jahr

2015

ISBN

978-3-86490-332-8

Kaltenecker erläutert ein Modell zur Führung solch selbst organisierter Teams. Dabei kann der Manager eher die Rolle eines Coachs einnehmen, so wie beim Fußball der Trainer. Diese Analogie nutzt der Autor mehrfach. Das beschriebene Modell besteht aus drei Ebenen: Werte, Kompetenzen und Werkzeuge zur Führung. Bei den Werten hat der Autor Commitment, Einfachheit, Respekt und Mut ausgewählt. Diese Auswahl sei subjektiv begründet, und er erläutert auch warum. Die Fokussierung auf Werte bringt ihn in die Nähe von Mike Burrows, der bei seiner Beschreibung von Kanban ebenfalls sehr stark auf Werte, wenn auch teilweise etwas andere, fokussiert.

Während er die Werte im Kapitel des Modells beschreibt, widmet Kaltenecker den unterschiedlichen Führungskompetenzen jeweils ein eigenes. Konkret geht es um das Fokussieren, Designen, Moderieren und Verändern. Der Bezug zum Team lässt sich aus der dritten Kompetenz wörtlich herauslesen. Am schwierigsten erscheint dies beim Designen. Hier geht es nicht um Kunst oder ein Architekturmodell. Hier geht es um das Design des äußeren Rahmens, des Kontexts selbst organisierter Teams, Schaffung der Grenzen, innerhalb derer sich das Team frei bewegen kann, Hilfestellung beim Modellieren der Arbeitsabläufe, z. B. Unterstützung agiler Methoden wie Scrum oder Kanban.

Bei den Veränderungen unterscheidet der Autor zwischen Veränderungen auf der persönlichen Ebene, auf der Teamebene sowie auf der Organisationsebene. Mindestens bei Letzterem wird klar, dass dies den Kontext eines einzelnen Teams überschreitet und hier Managerqualitäten gefragt sind.

Zu jedem Kompetenzkapitel folgt im letzten Teil des Buchs ein korrespondierendes Werkzeugkapitel. Beispielhaft für Designwerkzeuge seien hier die Abschnitte zu Mikromanagement, Teamcharter, Teamentwicklung, Standortbestimmung oder Makromanagement genannt. Werkzeuge stellt der Autor meist stichwortartig oder in tabellarischer Form vor. Noch häufiger als im Rest des Buchs wird dies von farbigen Fotos realer Situationen unterstützt. Während sich die ersten Teile des Buchs flüssig lesen lassen, ist dies durch die genannte Form im Werkzeugteil weniger der Fall. Hier geht es aber auch nicht darum, konzentriertes Wissen zu vermitteln. Vielmehr ist dies eher ein Nachschlagewerk für die praktische Durchführung bestimmter Aktionen.

Auch wenn viel von Führung die Rede ist, so wendet sich das Buch nicht (nur) an Führungskräfte, sondern auch an Personen, die dem Team fachlich und organisatorisch zur Seite stehen, wie Scrum Master oder Coaches. Lesenswert ist es aber auch für Teammitglieder, die nicht nur performen, sondern auch ihre Umgebung kennen lernen wollen.

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Michael Müller
Michael Müller
Michael Müller verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in Softwareentwicklung, Training und Consulting, davon rund 25 Jahre im Gesundheitswesen. Er leitet den Bereich Softwareentwicklung bei der InEK GmbH. Daneben betätigt er sich als freier Autor und Blogger. Er ist Mitglied der JSF Expert-Group, des NetBeans Dream Team sowie der JUG Cologne.
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