Buchtipp: Microservices – Grundlagen flexibler Softwarearchitekturen

Michael Müller

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Microservices sind derzeit hip. Doch sind sie mehr als ein Hype? Wolff beantwortet diese Frage im letzten Kapitel des Buchs klar mit Ja. Doch was sind eigentlich Microservices? Eine neue Form der SOA mit stark verkleinerten Services?

Autor(en):

Eberhard Wolff

Titel:

Microservices

Untertitel:

Grundlagen flexibler Softwarearchitekturen

Seiten:

386

Preis:

36,90 Euro

Verlag:

dpunkt.verlag

Jahr:

2015

Sprache:

Deutsch

ISBN:

978-3-86490-313-7

Der Autor erwähnt, dass es wohl Personen gibt, für die es keinen Unterschied gebe. Und wer bisher seine Services nach fachlichen Gesichtspunkten getrennt  erstellt und in Betrieb gebracht hat, der hat bisher schon ansatzweise das gelebt, was der Autor als Microservices definiert.

Für Wolff jedoch kommt eine SOA meist in Form eines Monolithen daher, der einfach verschiedene Dienste exponiert. Er definiert Microservices als Dienste, die fachlich geschnitten sind, von einem Team betreut und unabhängig voneinander deployt werden. Ihre Größe dagegen spiele eine eher untergeordnete Rolle. Insofern wird bei der Annäherung an das Thema bereits klar, dass es hier nicht um etwas Revolutionäres geht, sondern eher um eine evolutionäre Weiterentwicklung des serviceorientierten Ansatzes.

Microservices müssen also nicht mini sein. Viel entscheidender ist der Bounded Context unter Verzicht auf den horizontalen Schnitt der Anwendung. Ein Microservice kann und sollte nach Meinung des Autors alle Schichten – von der Präsentation bis hinunter zur Persistenz – umfassen, darf aber nicht die eng gesteckten Grenzen einer definierten Fachlichkeit überschreiten. Somit können die einzelnen Services weitgehend unabhängig voneinander und bei Bedarf auch mit unterschiedlichen Techniken entwickelt und betrieben werden. Als Gegensatz dazu sieht der Autor den Deployment-Monolithen, also eine Anwendung oder Sammlung von Services, die gemeinsam installiert werden.

Microservices sind mehr als nur ein paar ausgelagerte Dienste. Da sie auch das User Interface umfassen, können komplexe Anwendungen aus einzelnen Services komponiert werden. Der Autor nennt hier Größenordnungen von 50 bis 100 unabhängigen Komponenten. Damit gehen Fragen nach der Kommunikation der Dienste untereinander einher, nach dem Test des Gesamtsystems, nach Architektur, Ausfallsicherheit oder Monitoring. All diese Fragen beleuchtet der Autor in seinem Buch.

Nachdem er sich so eher theoretisch – aber ohne langweilig zu werden – der Entwicklung, Funktion und dem Betrieb der Dienste angenähert hat, zeigt er in einem der hinteren Kapitel dann auch eine Beispielanwendung auf. Um diese kurz zu halten, ist sie nicht optimal gestaltet. Der Autor weist auf die entsprechenden Schwachstellen sowie deren Vermeidung hin. Das gesamte Buch zeigt wenig konkreten Code, auch nicht bei der genannten Anwendung. Und so empfiehlt es sich, diese unbedingt herunterzuladen, um sie zu untersuchen und zu testen. Überhaupt fordert der Autor den Leser an vielen Stellen zu eigener praktischer Arbeit auf, aber auch zu vertiefenden Überlegungen.

Insgesamt bietet Wolff eine sehr umfassende Darstellung der Microservices bis hin zu ihren kleineren Verwandten, die wirklich klein daherkommen und nur Teilaspekte der jeweiligen Fachlichkeit realisieren. Diese bezeichnet er zur Abgrenzung als Nanoservices. Dabei diskutiert er viele Themen, zeigt Vor- und Nachteile auf und macht darauf aufmerksam, dass es nicht nur den einen Weg gibt. Vielmehr müssen jedes Team und jedes Unternehmen ihren eigenen Weg finden. Und hier bietet der Autor eine sowohl umfassende als auch lesenswerte Hilfestellung.

Geschrieben von
Michael Müller
Michael Müller
Michael Müller verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in Softwareentwicklung, Training und Consulting, davon rund 25 Jahre im Gesundheitswesen. Er leitet den Bereich Softwareentwicklung bei der InEK GmbH. Daneben betätigt er sich als freier Autor und Blogger. Er ist Mitglied der JSF Expert-Group, des NetBeans Dream Team sowie der JUG Cologne.
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