Buchstabenketten in Eclipse Ganymede

Marc Teufel

Die IT-Welt steckt voller Akronyme. Und auch im aktuellen Eclipse Simultanrelease finden sich eine Vielzahl solcher kreativer Wortschöpfungen. Grund genug also, eine kleine, ironische Reise durch die Welt der Eclipse-Abkürzungen zu nehmen.

Abkürzungen sind etwas Tolles. Durch intensiven Einsatz solcher Akronyme, für den Außenstehenden oft höchst unverständliche Buchstabenketten, will man Professionalität ausdrücken. Abkürzungen sind in vielen Berufszweigen beliebt, so beliebt sogar, dass für das Wort „Abkürzung“ selbst schon eine Abkürzung existiert. Interessant auch, dass sich die Abkürzungen dem allgemeinen Normierungswahn nicht entziehen konnten, mit der DIN-Norm (man achte auf die Nummer)  2340 steht ein entsprechendes Richtlinienwerk zur Verfügung. Selbstverständlich ist es auch in unserem Berufszweig ganz üblich, massiv in Akronymen zu denken, zu sprechen, zu schreiben. Oder entwickeln Sie Ihren nächsten Build nicht auf Basis von EJB und/oder mit DI? Das dazugehörige GUI entsteht doch vermutlich mithilfe der RCP oder JSF? Ach, und Sie planen den Einsatz einer SOA? Und haben sich in diesem Zusammenhang auch schon mit ESB, BPEL oder WS-* befasst? Na wunderbar.

BA&D

Akronyme sind allgegenwärtig und auch Eclipse steckt voller solcher netter, kreativer Kurzwörter. Grund genug also, sich Ganymede anzusehen und einmal hinter die ganzen Akronyme zu blicken und zu erklären, was hinter diesen vielen Buchstabenketten steckt. Fangen wir mit Buckminister an. Obwohl das Projekt unter dem Namen „Buckminister Component Assembly“ firmiert, habe ich noch nirgendwo eine Abkürzung im Sinne von BCA oder so etwas entdeckt. Bei Buckminister handelt es sich um ein Set von Werkzeugen und Frameworks zum automatischen Erzeugen, Zusammenführen und Ausrollen von Anwendungen in großen, komplexen, verteilten, komponentenbasierten Projekten. Und da haben wir es wieder, das Akronym (BA&D, build assemble & deploy).  

Von Vögeln und Überfliegern

Das nächste Projekt scheint ein echter Überflieger im Ganymede-Kosmos zu sein. Nein, BIRT steht nicht für Vogel (mal abgesehen davon, dass wir es dann mit einem waschechten Rechtschreibfehler zu tun hätten). BIRT steht für „Business Intelligence and Reporting Tools“ und steht in direkter Konkurrenz beispielweise zu Jasper Reports. Mit BIRT bekommt der Entwickler aber nicht nur eine Runtime für Berichte und Diagramme an die Hand, sondern zugleich auch ausgeklügelte Werkzeuge für Design und Entwicklung von Reports. Ein mit BIRT erzeugter Bericht ist im einfachsten Fall eine Liste, er kann Diagramme enthalten oder aber komplexer werden und mit so genannten „Crosstabs“ ausgestattet werden. Vergleichbar ist dieses Feature mit den beliebten Pivottabellen aus Excel. Dass BIRT ein eigenes API zum Einbetten mitbringt, dürfte selbstverständlich sein. Da macht BI gleich wieder Spaß.

Jetzt geht’s zur Sache

In Anlehnung an die JDT, den Java Development Tools, gibt es schon seit längerer Zeit die CDT für C/C++ Entwickler. Ganz dem modernen Zeitgeist entsprechend, ist außerdem das Dynamic Language Toolkit – kurz DLTK – enthalten, das eine Grundlage bietet, um dynamische Sprachen wie PHP, Perl, Tcl, Ruby und sogar Python ihren Weg in die Eclipse-Welt zu ebnen. JDT, CDT DLTK, eigentlich ganz easy.

Verwirrender wird es da schon bei den Kürzeln EPP, ECF, EMF und EMFT. Auch ganz nett: MDT, M2T und M2M. Aber langsam, immer der Reihe nach. Auch wenn man bei EPP an CPP und damit an ein Dateikürzel denken möchte, so steht dieses Akronym doch für das Eclipse Packaging Project. Dem Team dieses Projekts haben wir nicht nur die verschiedenen Ganymede-Packages (Java EE Developer, RCP/Plugin Developer, C/C++ Developer etc.) zu verdanken, nein, die Entwickler rund um Eclipse Packaging sind auch für den EPP Usage Data Collector verantwortlich, eine neue Komponente in Eclipse, die Informationen über die Verwendung von Eclipse sammelt und an die Foundation übermittelt. Ziel dabei ist natürlich nicht die totale Überwachung, sondern vielmehr die Eclipse-Plattform insgesamt an die Bedürfnisse der Community und Anwender besser anzupassen. Selbstverständlich lässt sich der Usage Collector auch abschalten, die entsprechenden Einstellungen hierzu finden sich im altbekannten Preferences-Dialog.

ECF hat dagegen rein gar nichts mit Packaging zu tun, sondern möchte die Kommunikation, die Zusammenarbeit zwischen Entwickler (und Anwendern) fördern. ECF steht nämlich für Eclipse Communication Framework, herausragendes Feature hier zurzeit sicherlich das Realtime Shared Editing. Interessant insbesondere für RCP-Entwickler, dürfte auch deren Idee sein, ein Werkzeug zur Verfügung zu stellen, mit dem es möglich sein soll, remote eine RCP-Anwendung zu verwalten. Im Detail soll dieses vom ECF-Team in Angriff genommene Tool dann in der Lage sein, Updates oder neue Features in entfernte RCP-Anwendungen einzuspielen oder zu entfernen, eine Administration von Benutzern und Benutzergruppen soll integriert werden und eine Art File Transfer soll möglich werden. Basis all dieser Bemühung ist natürlich – Achtung, jetzt kommt wieder ein besonders kreatives Akronym – das P2-Framework. Letzteres hat in Eclipse 3.4 Einzug gehalten und den alten Update- und Installationsmechanismus abgelöst.

Klar, EMF und EMFT sind sicherlich kürzer als Eclipse Modeling Framework und Eclipse Modeling Framework Technology. Damit wären sind wir dann auch im Terrain der modellgetriebenen Softwareentwicklung angekommen. Bei den Model Development Tools, kurz MDT, handelt es sich im Umfeld von Eclipse um eine fast schon „traditionelle“ Abkürzung ähnlich JDT, CDT usw. Der Hauch des Besonderen geht für mich aber ganz klar von M2T und M2M aus, stehen diese doch für Modell-To-Text und Model-To-Model-Transformation. Das ist typisch für uns Software-Entwickler, das Wort „to“ wäre ja auch wirklich zu lang gewesen. Die „2“ ist in der Tat kürzer und sieht cooler aus. Genauso wie 2K besser aussieht als 2000 und I18N im Gegensatz zu Internationalization richtig etwas hermacht. Ach, ist das schön.

Damit möchte ich mit meiner kleinen Reise durch die wunderbare, kreative Welt der Eclipse-Akronyme zum Ende kommen und hoffe IMHO auch in Zukunft auf viele weitere schöne Wortkreationen und neue coole Buzzwords mit denen wir uns beschäftigen können. In diesem Sinne, HTH und CU.

Marc Teufel arbeitet als Softwareentwickler bei der Firma hama GmbH & Co KG. Hier ist er insbesondere für die Entwicklung von großen Java-Anwendungen für das Logistikzentrum zuständig. Marc ist außerdem Autor zahlreicher Fachartikel und einer der Autoren von „Java Web Service mit Apache Axis“ und „Java Web Services mit Apache Axis2“. Beide Bücher sind bei entwickler.press erschienen.
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Marc Teufel
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