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Browser Brave erregt die Verleger-Gemüter

Brave: Ist das Blockieren und Ersetzen von Werbung im Browser illegal?

Kypriani Sinaris

©Shutterstock.com/xiong tianyi

Der quelloffene Browser Brave blockiert unerwünschte Werbung und ersetzt diese durch eigene Anzeigen, die bestimmte Standards erfüllen müssen. Die ausgewählte Werbung soll so unter anderem weniger invasiv als die zuvor gezeigte Werbung und auf Malware geprüft sein. Mit diesem Konzept hat sich die Brave Software Inc. schnell ein paar Feinde gemacht – denn Verleger wie die New York Times und Co. sind von der Verwendung ihrer Werbeplätze nicht begeistert und drohen mit juristischen Konsequenzen.

Anfang des Jahres wurde der quelloffene Webbrowser Brave des Mozilla-Mitgründers und Erschaffers von JavaScript, Brendan Eich, veröffentlicht. Das Konzept: Die standardmäßige Blockierung von sogenannter programmatischer – also vollautomatischer, individualisierter – Werbung im Internet sowie von Tracking-Cookies und weiteren Datensammeltechnologien wie etwa Analyseskripten und Zählpixeln. Im Vergleich zu bereits heute gangbaren Lösungen wie den Browser-Plug-ins Adblock Plus, Ghostery und Co. soll das Surfen mit Brave potenziell schneller und sicherer sein.

Hier liegt das Problem für einige Newsseiten wie der New York Times oder der Washington Post. Denn durch das Ersetzen der durch die Newsseite ausgespielten Werbung durch von Brave definierte Inhalte, verkauft Brave praktisch Werbeplätze, über die der Browseranbieter keine Macht haben sollte, so der Vorwurf. Dieser wurde offiziell durch die Newspaper Association of America (NAA) formuliert. Darin heißt es:

Your plan to use our content to sell your advertising is indistinguish able from a plan to steal our content to publish on your own website. Your public statements demonstrate clearly that you intend to harness and exploit the content of all the publishers on the Web to sell your own advertising.

Klare Worte von der NAA. Bezüglich der möglichen Werbeverluste rief die Brave Software Inc. schließlich ihre Nutzer auf, freiwillige Bitcoin-Spenden abzugeben. Auch dazu gab es in dem offiziellen Statement der NAA einen Kommentar: Dieses Business Modell würde den Schaden nicht annähernd ausgleichen. Als Konsequenz werden der Brave Software Inc. mögliche juristischen Folgen angekündigt:

Brave’s unauthorized activities involving our content and websites also violates our terms of use. By engaging in Brave’s plan of advertising replacement, Brave is liable for breach of contract, unauthorized access to our websites, unfair competition, and other causes of action.

Es geht um mehr, als nur um Brave

Natürlich lässt Brendan Eich die Vorwürfe nicht unbeantwortet. In einem Blogpost nimmt er Stellung zu den Vorwürfen. Hier kritisiert er nicht nur das falsche Verständnis für die Ziele des Brave-Browsers, sondern grenzt auch ab, welche Inhalte durch einen Browser – egal ob hier die Rede von Brave oder Safari sei – definiert werden dürfen und wo tatsächlich die Grenze zum seitenspezifischen Content gezogen werden sollte:

Browsers do not just play back recorded pixels from the publishers’ sites. Browsers are rather the end-user agent that mediates and combines all the pieces of content, including third-party ads and first-party publisher news stories. Web content is published as HTML markup documents with the express intent of not specifying how that content is actually presented to the browser user. Browsers are free to ignore, rearrange, mash-up and otherwise make use of any content from any source. If it were the case that Brave’s browsers perform „republication“, then so too does Safari’s Reader mode. The same goes for any browser with an ad-blocker extension installed, or the Links text-only browser, or screen readers for the visually impaired.

Werbung nervt

Jeder kennt es: Wenn man einen Artikel lesen möchte und die Seite dann durch Pop-ups überdeckt wird oder irgendwo am Rand die ganze Zeit ein Fenster um Aufmerksamkeit buhlt – das nervt. Gleichzeitig finanzieren sich viele Seiten durch genau diese Werbung. Ein Dilemma, schließlich möchte man als Nutzer nicht ständig abgelenkt werden und als Anbieter gleichzeitig seine Inhalte weiterfinanzieren können.

Ad Blocker sind daher so beliebt wie nie zuvor. Mehrere Studien, wie die weltweite Studie der Videowerbeplattform Teads haben gezeigt, dass nicht nur das Interesse an Ad Blockern sehr hoch ist sondern auch, dass acht von zehn Deutschen auf einen Ad Blocker verzichten würden, wenn sie selbst entscheiden könnten, welche Werbung ihnen angezeigt wird. Für 80 Prozent der Befragten sind vor allem Pop-ups ein starker Anreiz für die Installation eines Ad Blockers. Eine Studie des GlobalWebIndex zu Gründen für die Installation von Ad Blockern auf mobilen Geräten hat zudem gezeigt, dass die Nutzer vor allem genervt sind – sie finden die Werbung schlichtweg uninteressant oder zu viel. Andere Gründe, wie längere Ladezeiten oder Sicherheitsbedenken werden zwar auch genannt, erscheinen in der Statistik aber weiter hinten.

Was halten Sie von Ad Blockern oder alternativen Browser-Modellen? Nutzen Sie diese? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren.

Aufmacherbild: A lion is staring ahead into the sky von Shutterstock / Urheberrecht: xiong tianyi

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Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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