Interview mit Eugene Kyselev

Die Blockchain als Universallösung für Geschäftsprobleme – oder: Wie aus einem Java- ein Blockchain-Entwickler wird

Dominik Mohilo
Blockchain

© Shutterstock.com / Sashkin

Dieser Tage ist die Blockchain-Technologie in aller Munde. Viele Softwareentwickler aus allen möglichen Bereichen beschäftigen sich mittlerweile mit den Möglichkeiten, die die Blockchain mit sich bringt. Im Interview spricht Eugene Kyselev, Blockchain Software Developer bei Mobilunity, über seine ersten Schritte im Bereich der Blockchain-Entwicklung und den Einfluss der Blockchain auf das Geschäft.

JAXenter: Hallo Eugene und danke, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast! Erzähl uns doch zunächst ein wenig über deine Erfahrung in der Blockchain-Entwicklung. Wie bist du darauf gekommen?

Eugene Kyselev: So prosaisch das auch klingen mag: Alles kommt zu seiner Zeit und für mich persönlich war die Blockchain-Entwicklung eine logische Weiterenwicklung. Ich fing mit JavaScript und verschiedenen Frameworks an und wollte mich eigentlich weiter in diese Richtung entwickeln. Vor ein paar Jahren dann, als dieser Trend von ICOs und Mining begann, kam ich ohne Bedenken zu der Entscheidung, mich in der Blockchain-Entwicklung versuchen zu wollen. Die Evolution der Blockchain schreitet jetzt in Riesenschritten voran. Die Blockchain-Technologie hat in den letzten Jahren auch zunehmend an Interesse von Seiten der Regierung und der Zentralbanken gewonnen – kurz gesagt: alles spricht dafür, dass Blockchain die Zukunft ist.

JAXenter: Wie lange glaubst du, wird die „Ära der Blockchain“ anhalten?

Eugene Kyselev: Schwer zu sagen, eine ähnliche Frage wäre „Wie lange wird das Zeitalter der Globalisierung andauern?“ Ich bin der Ansicht, dass solange eine steigende Nachfrage nach den Kryptowährungen und anderen Blockchain-Lösungen besteht, wird das Ganze fortlaufen. Absolut alles und jeder macht eine eigene Entwicklung durch. Und selbst wenn das Ende für Kryptowährungen und verschiedene ICOs eines Tages kommt, bin ich mir ziemlich sicher, dass während des „Blockchain Zeitalters“ noch viele wichtige Entdeckungen gemacht werden, die dann in der ganzen Industrie den Ton vorgeben.

JAXenter: Wie sieht es mit dem technischen Hintergrund der Blockchain aus? Gibt es irgendwelche Gründe, bestehende Technologien auszutauschen?

Eugene Kyselev: So etwas wie einen Transfer technischer Fähigkeiten gibt es jedenfalls nicht. Bei der Arbeit mit der Blockchain werden gewöhnliche Programmiersprachen wie C++, Java, Python und Go eingesetzt. Derzeit entstehen aber neue Technologien wie Solidity, eine objektorientierte Programmiersprache zum Entwickeln von Smart Contracts für die Ethereum-Blockchain-Plattform, oder Hyperledger, eine Blockchain-Plattform auf Open-Source-Basis. Mit Hyperledger lassen sich zum Beispiel Distributed Ledgers oder eigene Blockchain-Frameworks erstellen.

Lesen Sie auch: Ellcrys: Eine Alternative zu GitHub auf Blockchain-Basis

JAXenter: Derzeit fragen sich viele Entwickler, was man tun muss, um Blockchain- oder Krypto-Entwickler zu werden. Welchen Rat würdest du ihnen für den Anfang geben?

Eugene Kyselev: Mit einem starken Willen kann man alles erreichen und lernen. Eine praktische Kurzanleitung für den Start in die Welt der Blockchain ist der Kurs IBM Blockchain 101. Der Kurs richtet sich allerdings an fortgeschrittene Entwickler, die schon fundierte Kenntnisse von Algorithmen und Datenstrukturen haben. Kenntnis von kryptographischen Algorithmen sind definitiv ein Muss. Wenn man ein Blockchain Engineer werden will, sollte man sich mit einem der Pakete bestehend aus Java/C oder Python/Go sehr gut auskennen. Wenn man sich allerdings auf die Entwicklung von Smart Contracts spezialisieren möchte, benötigt man eher Erfahrung in Sachen JavaScript. Der nächste Schritt ist dann, sich Kenntnisse in Solidity zu verschaffen.

JAXenter: Nehmen wir an, dass ich über die erforderlichen Kenntnisse verfüge. Wie beginne ich nun damit, Java Chaincode zu schreiben? Wie könnte ein grundlegender Enwicklungs-Stack aussehen?

Eugene Kyselev: Das ist wirklich total einfach. Für Anfang braucht man genau drei Tools:

  1. Gradle
  2. JDK
  3. Vagrant

Das Chaincode Deployment startet man dann auf diese Weise:

peer chaincode deploy -l java -n map -p /opt/gopath/src/github.com/hyperledger/fabric/core/chaincode/shim/java -c '{"Function": "init", "Args": ["a","100", "b", "200"]}'

Dann muss man die Transfer-Transaktion abrufen:

	   /opt/gopath/src/github.com/hyperledger/fabric/core/chaincode/shim/java$ peer chaincode invoke -l java \
    -n 6d9a704d95284593fe802a5de89f84e86fb975f00830bc6488713f9441b835cf32d9cd07b087b90e5cb57a88360f90a4de39521a5595545ad689cd64791679e9 \
    -c '{"Function": "transfer", "Args": ["a","b", "20"]}'

Und nach dem Init werden "a" und "b" abgerufen:

/opt/gopath/src/github.com/hyperledger/fabric/core/chaincode/shim/java$ peer chaincode query -l java \
    -n 6d9a704d95284593fe802a5de89f84e86fb975f00830bc6488713f9441b835cf32d9cd07b087b90e5cb57a88360f90a4de39521a5595545ad689cd64791679e9 \
    -c '{"Function": "query", "Args": ["a"]}'
    {"Name":"a","Amount":"80"}


    /opt/gopath/src/github.com/hyperledger/fabric/core/chaincode/shim/java$ peer chaincode query -l java \
    -n 6d9a704d95284593fe802a5de89f84e86fb975f00830bc6488713f9441b835cf32d9cd07b087b90e5cb57a88360f90a4de39521a5595545ad689cd64791679e9 \
    -c '{"Function": "query", "Args": ["b"]}'
    {"Name":"b","Amount":"220"}

JAXenter: Kannst du uns ein wenig mehr zu Hyperledger, R3 DLT, Solidity und deren jeweiliger Funktion sagen?

Eugene Kyselev: Starten wir mit Hyperledger. Wie bereits oben erwähnt, ist es eine Open-Source Plattform (Hub) für Blockchain-Anwendungen. Hyperledger unterstützt Bitcoin und andere Kryptowährungen nicht wirklich. Es ist eher ein Set von Projekten, die erschaffen wurden, um die Entwicklung von Blockchain-Anwendungen zu erleichtern. Seit der Entstehung des Internets gab es keine so zukunftsträchtige Technologie wie die Blockchain. Zusammen können diese beiden revolutionären Erfindungen verwendet werden, um eine neue Generation von Transaktionsanwendungen zu erstellen, die im Kern von Geschäftsprozessen Vertrauen, Rechenschaftspflicht und Transparenz schaffen.

Seit der Entstehung des Internets gab es keine so zukunftsträchtige Technologie wie die Blockchain.

Kommen wir zu R3 DLT, was keine Technologie ist. R3 DLT ist ein Konsortium, dem mehr als 100 Banken, Finanzinstitute, Regulierungsbehörden, Berufsverbände, Dienstleistungsunternehmen und Technologieunternehmen angehören. Das Ziel dieser Gruppierung ist es, die Möglichkeiten der als innovativ geltenden Blockchain-Technologien zu erforschen und gleichzeitig die Ideen und Daten der etablierten Player zusammenzufassen bzw. internationale Zahlungen schneller und zuverlässiger zu machen.

Solidity ist zu guter Letzt eine stark an JavaScript angelehnte Sprache, die dafür entwickelt wurde, Smart-Contracts zu entwickeln, die in der Ethereum Virtual Machine (EVM) laufen. Da Solidity eine JavaScript-ähnliche Syntax hat, war es für mich relativ leicht, diese Sprache schnell zu meistern. Der größte Nachteil von Solidity ist, dass es bislang noch keine Vollversion der Sprache gibt. Aus diesem Grund ist die Funktionalität noch sehr eingeschränkt und die Sprache selbst beinhaltet noch zahlreiche Bugs.

JAXenter: Heutzutage gibt es einen großen Hype um die Blockchain. Aber welche Geschäftsprobleme kann man mit dieser Technologie letztendlich lösen?

Eugene Kyselev: Zunächst kann man die Sicherheit von Bankeinlagen gewährleisten
. Jedes Jahr verlieren Banken wegen Betrugsfällen riesige Geldbeträge. Die Blockchain mit ihrer fast tadellosen Sicherheit könnte ihnen helfen, dieses Problem zu lösen. Bankkunden, die zu einer Blockchain-Wallet wechseln, werden durch eine eindeutige Identifikationsnummer anstelle eines Namens identifiziert. Darüber hinaus wird ein privater Schlüssel verwendet, um auf das Geld zuzugreifen. Mithilfe dieser Absicherung können nur die Besitzer der Wallet über die hinterlegten Gelder verfügen – selbst die Bank hat keinen Zugang zu ihnen. Solche Maßnahmen gewährleisten die Sicherheit von Bitcoin und anderer Kryptowährungen, sodass sich Einlagen leicht schützen und ablegen lassen.

Zudem werden Speicherlösungen in der Cloud, die auf der Blockchain aufsetzen, Hackerangriffen zukünftig besser standhalten können. Cloud-Anbieter verwenden zentralisierte Server zum Speichern von Daten. Aus diesem Grund steigt das Risiko, dass Hacker Informationen von ihnen stehlen können, denn durch den Zugriff auf einen einzigen Server dringen Hacker automatisch in das gesamte Netzwerk ein. Cloud-Speicher, die auf einem Block liegen, schützen die jeweiligen Daten durch Dezentralität und ihre Knoten sind nicht verbunden. Daher sind sie weniger anfällig für Angriffe, und selbst das Hacken eines einzigen Knotens führt nicht zum gleichzeitigen Zugriff auf das gesamte Netzwerk.

Wahlmanipulation und das Fälschen von Unterschriften könnten dank der Blockchain bald der Vergangenheit angehören.

Ein weiteres Problem, das sich durch die Blockchain lösen lässt, ist der zügige Warentransport. 
In der Logistik besteht die Notwendigkeit, den Transport von Gütern richtig und schnell zu organisieren. Der Schlüssel dazu ist die Fähigkeit, die Waren in der gesamten Lieferkette verfolgen zu können. Dank der Blockchain wird dieser Prozess wesentlich sicherer und transparenter – die kontinuierliche Aufzeichnung in dezentralen Registern wird die Rolle des menschlichen Faktors und die Wahrscheinlichkeit von Verzögerungen verringern.

Wahlmanipulation, Unterschriftsfälschungen und das Abhalten von Meetings ohne Benachrichtigung aller relevanten Parteien (eines der Hauptprobleme in der Unternehmensführung) könnten bald der Vergangenheit angehören. Alle diese Probleme werden nämlich teilweise durch die Integration der Blockchain gelöst. Stimmabgaben lassen sich verfolgen und zählen, außerdem kann ausgeschlossen werden, dass eine Stimme nicht gezählt oder gefälscht wird – jeder Stimmberechtigte erhält per Blockchain einen eindeutigen Schlüssel, mit dem er für eine Entscheidung votieren kann.

Eugene Kyselev ist erfahrener Blockchain-Entwickler bei Mobilunity. Er arbeitete für fünf Jahre als Entwickler im Bereich Frontend und bereits seit zwei Jahren beschäftigt er sich mit der Blockchain-Entwicklung. Eugene hilft Unternehmen auf der ganzen Welt, ihre technischen Träume in die Tat umzusetzen. In seiner Freizeit teilt er sein Wissen über Web-Entwicklung und Blockchain-Innvoationen mit einem breiten IT-Publikum.

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: