CoinDesk stellt Studie vor

Blockchain – Ein Lagebericht zu Kryptowährungen

Marcel Richters
Cryptocurrencies

© Shutterstock.com / Sashkin

Das Jahr 2017 war das wohl eines der bewegendsten in der bisherigen Geschichte der noch jungen Kryptowährungen. Extrem volatile Märkte, weitreichende Änderungen im Bereich der gesetzlichen Reglementierungen und immer mehr interessierte User. Der Branchendienst CoinDesk hat eine Umfrage durchgeführt, um den Entwicklungen nachzuspüren und kommende Trends zu erkennen.

Die Blockchain ist inzwischen in aller Munde und nicht nur Kryptowährungen bauen auf der Technologie auf. Aber noch immer stellen digitale Zahlungsmittel den Großteil der Transaktionen. In einer Erhebung mit mehr als 70 Fragen unter über 3000 Nutzern hat die Branchenseite CoinDesk einige grundlegende Trends ausgemacht. Wir stellen sie vor und ordnen sie ein.

Eine Blase? Und wenn ja, eine ungewöhnliche?

Die laut CoinDesk wichtigste Feststellung der Umfrage ist die Tatsache, dass alles andere als klar ist, ob es sich bei der enormen Wertsteigerung der Kryptowährungen um eine Blase handelt. 49 Prozent der Befragten beantworteten dies mit „ja“, 39 Prozent mit „nein“, 11 Prozent stehen der Aussage „neutral“ gegenüber. Wenn es sich um eine Blase handeln sollte, dann wäre es laut CoinDesk eine sehr ungewöhnliche, denn nur 19 Prozent der Befragten hatten ihre Kryptokäufe mit Krediten finanziert, die Hälfte von ihnen hatte die Kredite bereits wieder zurückgezahlt.

Allerdings: lediglich 7 Prozent der Teilnehmer kamen aus Asien, dabei stellten nach dem US-Dollar Japanischer Yen, Koreanischer Won und Chinesische Yuán die wichtigsten Währungen, in denen Kryptogeld gehandelt wurde. Entsprechend ist nicht klar, inwiefern dieser Teil der Umfrage als valide anzusehen ist.

Der König ist (noch nicht) tot

Das zweite wichtige Ergebnis der Umfrage ist CoinDesk zufolge, dass sich der Markt für Kryptowährungen stark diversifiziert hat. Noch im Januar 2017 machten Bitcoin rund 90 Prozent des Transaktionsvolumens aus, bis Ende 2017 war der Anteil an Ether, Ripple und anderen Kryptowährungen rapide gewachsen. Im Dezember lag der Anteil von Bitcoin bei lediglich noch bei 38,7%.

Ethereum Rise

Deutlich zu sehen das zunehmende Handelsvolumen von Ether (ETH). Quelle: CoindDesk

Während Ethereum für die Teilnahme an vielen ICOs notwendig ist, werden auch immer mehr Währungen für einen ganz bestimmten Nutzen geschaffen. So zum Beispiel beim Projekt Ellcrys. Aber auch die wachsende Aufmerksamkeit durch institutionelle Anbieter hat laut CoinDesk zu der Diversifizierung des Marktes beigetragen. Viele Banken und Finanzinstitutionen arbeiten inzwischen selbst an Kryptowährungen, auch können seit einiger Zeit Futures auf verschiedene Währungen gehandelt werden, was die jeweiligen Währungen ebenfalls interessanter macht.

Sind Ether die neuen Bitcoin?

Wie bereits erwähnt, sind Ether für viele ICOs notwendig, was die Nachfrage an dieser Kryptowährung besonders wachsen ließ. Aber es gibt noch diverse andere Use Cases für die Blockchain und ganz besonders für Smart Contracts wie die von Ethereum. Ein eher ausgefallenes Beispiel, das CoinDesk nennt, sind die CryptoKitties: ein Spiel, bei dem Token mit automatisch berechneten Bildern von Katzen versehen werden. Die Bilder lassen sich tauschen und rekombinieren, die Eigenschaften – etwa blaues Fell, ausgefallene Frisuren – bestimmen den Wert der digitalen Felidae. Einzelne Exemplare wurden schon für den Gegenwert von rund 100.000 € gehandelt.

Natürlich sind die CryptoKitties ein sehr ungewöhnlicher Fall, aber die Möglichkeiten, welche die Ethereum-Blockchain bietet, unterstreichen sie doch sehr anschaulich. Die Vielfältigkeit der Anwendungsmöglichkeiten erklärt auch, wieso Ether inzwischen laut CoinDesk die meistgehandelte Kryptowährung ist.

Lesen Sie auch: Die Blockchain als Universallösung für Geschäftsprobleme – oder: Wie aus einem Java- ein Blockchain-Entwickler wird

Wichtigster Markt bleibt Ostasien

Kryptowährungen bedeuten private Geldschöpfung. Ob dieser Umstand der Regierung der Volksrepublik China ein Dorn im Auge war, ist natürlich rein spekulativ. Fakt ist allerdings, dass dort im September vergangenen Jahres ICOs vollständig verboten wurden, kurz darauf wurden die Bitcoin-Börsen geschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt war China bedeutendster Markt für Kryptowährungen weltweit, aber auch die Maßnahmen der chinesischen Regierung konnten Bitcoin und Co. (global gesehen) nichts anhaben. Im Gegenteil: im dritten Quartal 2017 kam es zum größten Run auf das digitale Geld seit dessen Erfindung. Bei dieser Entwicklung hat vor allem Südkorea eine entscheidende Rolle gespielt. So verzeichnete der Koreanische Won in der zweiten Jahreshälfte 2017 teilweise das höchste Handelsvolumen für Kryptowährungen, insbesondere für Ripple und Ether.

Das Handelsvolumen von Chinesischen Yuan (gelb) und Japanischen Yen (violett) macht zweitweise den größten Anteil aus. Quelle: CoinDesk

Forks und Airdrops wichtiger als ICOs

ICOs spielen bei der Einführung neuer Kryptowährungen eine entscheidende Rolle, aber Aufteilungen bestehender Währungen, so genannte Forks, und die Ausgabe von freien Token als Marketinginstrument für neues digitales Geld, bezeichnet als Airdrops, sind wichtiger. So zeigt es die Umfrage von CoinDesk. Entscheidend dafür ist, dass Forks und Airdrops direkt eine Userbase haben, für ICOs dagegen erstmal ein Kundenkreis erarbeitet werden muss.

Während der Fork von Bitcoin in Bitcoin und Bitcoin Cash für viele Börsen und Anleger eher überraschend kam, erwarten laut CoinDesk inzwischen einige Investoren, dass die Einführung neuer Währungen aufgrund der genannten Vorteile zukünftig öfter mit einem Airdrop verbunden sein wird.

Der komplette Report sowie die zentralen Punkte sind auf der Website von CoinDesk zu finden.

Geschrieben von
Marcel Richters
Marcel Richters
Marcel hat Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und danach als E-Commerce-Manager gearbeitet. Seit Februar 2018 unterstützt er das Team von JAXenter als Redakteur. Daneben arbeitet er als freier Journalist in der Mainmetropole.
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1 Kommentar auf "Blockchain – Ein Lagebericht zu Kryptowährungen"

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Egon Schmierer
Gast

Persönlich finde ich das Thema Blockchain echt ein tolles Konzept, jedoch wurde es zu viel von Kriminellen benutzt und hat einen richtig schlechten Ruf bekommen. Wenn ich mit Freunden über Crypto rede, dann weiß ich manchmal nicht so recht was die von mir halten. Vermutlich das selbe wie in diesem Meme: https://www.it-madness.com/posts/719/

Ich glaube das Crypto eher eine PR-Offensive benötigt.