Interview mit Caterina Rindi

Was ist nötig, damit Menschen Bitcoin vertrauen?

Gabriela Motroc

Caterina Rindi

In den letzten Monaten ist viel passiert in der Bitcoin-Szene: Der australische Professor Craig Wright versuchte, sich als Urheber von Bitcoin in Szene zu setzen, der Bitcoinpreis überstieg das erste Mal in beinahe zwei Jahren die 500-Dollar-Marke und die Blockchain wurde zu einer eingenständigen Kraft. Wir haben Bitcoin-Evangelistin Caterina Rindi gebeten, einige dieser Entwicklungen einzuschätzen. Dabei kommt auch das anstehende Bitcoin Halving und dessen mögliche Auswirkungen auf den Bitcoin-Kurs zur Sprache.

JAXenter: Der australische Professor Craig Wright hat sich jüngst als Satoshi Nakamoto ausgegeben, den Schöpfer von Bitcoin. Er untermauerte diese Aussage mit einem technischen Beweis, nur um wieder seine Meinung zu ändern und zukünftig keine weiteren Beweise liefern zu wollen. Einige Leute glauben, dass das alles nur eine Täuschung war. Was halten Sie davon?

Momentan scheint es nicht so, dass Craig Wright Satoshi Nakamoto ist.

Caterina Rindi: Momentan scheint es nicht so, dass Craig Wright tatsächlich Satoshi Nakamoto ist, obwohl er vermutlich ein sehr früher „Bitcoin Miner“ war. Mein anfänglicher Eindruck beim Lesen von Wrights Erklärung war, dass sie Nakamotos Personalität nicht entsprach – die Erklärung passte nicht so recht zu vergangenen Konversationen und der Kommunkation auf dem listservZudem schien mir der technische Beweis, für dessen vollständige Analyse ich allerdings nicht qualifiziert genug bin, recht lang und kompliziert zu sein. Für den echten Nakamoto müsste es in meinen Augen hingegen sehr einfach sein, seine Identität zu beweisen. Eine Nachricht von seinem ursprünglichen Account oder die Verschiebung einiger Bitcoins aus dem Genesis Block würden alle Zweifel beseitigen.

Der schwierigste Teil an Craig Wrights Geschichte ist das Nachvollziehen seiner Motivation – Warum hat er sich als Nakamoto ausgegeben? Was hatte er dabei zu gewinnen? Manche haben spekuliert, dass er damit den Bitcoinpreis nach oben drücken wollte, um sich auf diesem Wege zu bereichern, oder dass er eine Art Legitimität brauchte, um seine Steuerprobleme in den Griff zu bekommen. Bis heute ist unklar, inwiefern es sich für ihn gelohnt hat.

JAXenter: Der Bitcoin-Evangelist Andreas Antonopoulos verweigerte sich dem Katz- und Maus-Spiel um die Identität von Satoshi. Ist es wirklich relevant, ob Wright der Schöpfer von Bitcoin ist oder nicht?

Caterina Rindi: Generell stimme ich Andreas Antonopoulos zu, den ich bereits mehrmals getroffen habe und für den sehr viel Respekt empfinde. Es ist nicht wichtig, wer Bitcoin ursprünglich erschaffen hat, denn Bitcoin wurde gemacht, um von allen genutzt und weiterentwickelt zu werden – genauso wie es gerade passiert. Die Tausende von Peer-to-Peer-Knoten überall auf der Welt und die engagierten Entwickler, die die Bitcoin Blockchain verwalten, unterstützen alle das Netzwerk und machen es dieser brillianten Technik so möglich, nicht von Regierungen, Banken oder Unternehmen korrumpiert zu werden.

JAXenter: Was hat dich persönlich an Bitcoin gereizt?

Caterina Rindi: Ursprünglich wurde ich durch das Potential der Peer-to-Peer-Technologie angezogen, auch von ausgeschlossene Personen genutzt zu werden, die herkömmlicherweise keinen Zugriff auf Finanzsysteme wie Banken haben, da ihnen zum Beispiel staatlich vergebene Identifikationsnummern, hochentwickelte Technologien oder Internet-Infrastruktur fehlen, oder weil ihre Transaktionen schlicht zu klein sind, um für Banken profitabel zu sein. Ich bin mir der großen Schere zwischen Arm und Reich sehr bewusst, und sowohl Bitcoin- als auch Blockchain-Technolgien bieten potentiell Werkzeuge, um diese Schere zu bekämpfen.

JAXenter: Kann die Bitcoin Blockchain gezähmt werden? Wie?

Caterina Rindi: Je mehr wir bzgl. der Bitcoin- und Blockchain-Technologie lernen und verstehen, je mehr wir alle uns beteiligen und diese Werkzeuge nutzen und weiterentwickeln, desto nützlicher werden sie für alle werden. Ich denke, das „Zähmen“ einer Technologie besteht aus den Stationen „Information, Inklusion und Partizipation“. Wir werden heutzutage von so vielen Dingen überflutet, die wir nicht verstehen. Im Vergleich dazu sind Bitcoins und Blockchains völlig logisch und sehr einfach nachzuvollziehen. Ich sehe es als meine Aufgabe an, diese Tools noch leichter zugänglich zu machen, sodass noch mehr Menschen sich beteiligen und an deren Wachstum und Weiterentwicklung teilhaben.

JAXenter: Was macht die Bitcoin Blockchain zu so einem revolutionären Werkzeug?

Es ist das erste Mal, dass eine digitale Währung nicht von einer Bank kontrolliert wird.

Caterina Rindi: Satoshi Nakamoto hat eine dezentrale ‚Peer-to-Peer‘ Technologie entwickelt, die weltweit angenommen wurde. Es ist das erste Mal, dass ein solch global nutzbares Instrument nicht von einer Regierung oder einer vergleichbaren Institution initiiert wurde und auch das erste Mal, dass eine digitale Währung nicht von einer Bank kontrolliert wird. Zusätzlich war Nakamoto in der Lage, einige komplizierte Herausforderungen der kryptographischen Währungen zu lösen, wodurch die Bitcoin Blockchain einzigartig und sicher wurde.

JAXenter: Nun steht in Kürze das „Halving“ der Bitcoin-Produktion an. Was bedeutet das für Bitcoin? Wird es den Preis der digitalen Währung beeinflussen?

Caterina Rindi: Das Halving des „Bitcoin Mining Rewards“ findet im Juli statt und wird interessant werden. Es gibt Spekulationen, dass die Miner dadurch an Motivation verlieren könnten, da die Kosten gleich bleiben, während die Belohnungen (Rewards) sinken. Dadurch könnten sich Mining-Organisationen noch weiter auf China und andere Länder, in denen Elektrizität und andere Ausgaben niedriger sind, konzentrieren und dadurch die dezentrale Natur der Blockchain potentiell destabilisieren.

Auf der anderen Seite wird das abnehmende Angebot von Bitcoins dessen Knappheit und damit dessen Preis erhöhen. Die zentralen Bitcoin-Entwickler und die Community arbeiten zudem sehr hart daran, die Bitcoin Blockchain skalierbarer und einsatzfähiger zu machen – z.B. indem die Blockgröße erhöht wird. Es wird in den kommenden Monaten sehr spannend werden, das Zusammenspiel dieser verschiedenen Faktoren zu beobachten. Ich persönlich habe Vertrauen in das System, und ich werden mehr Bitcoins kaufen.

JAXenter: Stellen wir uns vor, eine Unternehmerin möchte Kapital in ein Projekt investieren. Weshalb sollte sie in ein Bitcoin-Projekt investieren und nicht in ein Projekt, aus dem „echtes“ Geld herausspringen könnte?

Caterina Rindi: Die einfachste Antwort auf diese Frage ist, dass Bitcoin echtes Geld ist – es hat Wert, kann zum Einkauf genutzt werden, ermöglicht Kredite und die Spekulation auf Finanzmärkten. Und jede intelligente Geschäftsfrau weiß, dass es eine gute Idee ist, ein gestreutes Portfolio zu haben, besonders eines, das zukunftsorientierte Technologien unterstützt.

JAXenter: Was ist nötig, damit Menschen Bitcoin vertrauen?

Je mehr Menschen Bitcoins verwenden, desto nützlicher wird die Währung.

Caterina Rindi: Je mehr Menschen Bitcoin verstehen und wissen, wie man damit umgeht, desto mehr werden sie Vertrauen schöpfen. Und je mehr Menschen Bitcoins verwenden, desto nützlicher wird die Währung für alle – ein positiver Kreislauf.

JAXenter: Vitalik Buterin, der Schöpfer von Ethereum, glaubt, dass seine dezentrale Plattform ein Bitcoin 2.0 ist. Stimmen Sie zu?

Caterina Rindi: Ethereum wurde entwickelt, um Funktionen zu unterstützen, die in der Bitcoin Blockchain nicht gut bewältigt werden, z.B. das Ausführen von Programmen, Smart Contracts oder nicht-währungsbezogenene Anwendungsfälle. Das „Benzin“ für diese Funktionen nennt sich hier „Ether.“ Obwohl Ethereum von ziemlich vielen Menschen aus Investment-Gründen gekauft wird, wurde es ursprünglich nicht unbedingt als digitale Währung bzw. zum Zweck des Handels konzipiert. Ich bin sehr neugierig, welche Tools Buterin und das Ethereum Team künftig noch entwickeln werden, und ich bin stolz darauf, ihr initiales Fundraising im Jahre 2015 und ihre weiteren Aktivitäten unterstützt zu haben.

JAXenter: Die bekannten Winklevoss-Zwillinge haben einmal behauptet, dass Bitcoin größer als Facebook werden wird. Könnte es dazu kommen?

Caterina Rindi: Obwohl es wenig sinnvoll ist, die soziale Plattform Facebook mit einer digitalen Währung zu vergleichen, hat Bitcoin den Vorteil der dezentralen, globalen Technologie, wohingegen Facebook zentrale Fehlerstellen und einen beschränkten Nutzungsrahmen hat. Darüber hinaus kommt Bitcoin in seiner idealen, verteilten Form dem gesamten Netz zugute, während Facebook ausschließlich seine Aktionäre bereichert. Wenn jeder diese Dynamiken versteht und anstelle von bspw. Facebook selbst aus den eigenen Daten und Inhalten profitieren möchte, werden sich die Leute aktiv Plattformen zuwenden, die Eigentumsrechte und Aktien gerechter verteilen und nicht von einem einzigen Unternehmen kontrolliert werden. In diesem Szenario werden Bitcoin und andere dezentrale Technologien dann in der Tat „größer“ und nützlicher sein als Facebook.

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Caterina Rindi has been involved in the bitcoin/blockchain ecosystem since late 2013, educating and introducing non-technical audiences to the bitcoin currency and underlying blockchain protocol, organizing Bitcoin Meetups and events, and working with crypto-currency startups, as well as other fintech clients. Her background is in education, project management, and community engagement, and she is a Certified Bitcoin Professional. Caterina is a consultant and multilingual speaker, traveling frequently between Europe and the United States, and worldwide.

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Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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