The Art of Programming

Bin ich ein guter Programmierer?

Hartmut Schlosser

(c) Shutterstock/musicman

Maler, Bildhauer Architekten, Sänger, Schriftsteller, Regisseure, Photographen sind weithin als Künstler anerkannt – weshalb aber Entwickler nicht?

Dass der Vergleich zwischen Software-Programmierung und Vorgehensweisen in der Kunst den Blick auf das Wesentliche in der Arbeit eines Entwicklers schärft, führt Ruby-Aktivist Matt Aimonetti in seinem Blogeintrag The Ruby movement – art & programming aus. Zugespitzt lautet Aimonettis Argument: Das, was einen „guten Künstler“ ausmacht, macht auch einen „guten Programmierer“ aus.

Gutes Programmieren

Die Welt der Softwareprogrammierung liegt viel näher an der Welt der Kunst, als man gemeinhin denkt, beginnt Aimonetti seinen Vergleich. Bei der Kunst gehe es darum, Gefühle auszudrücken oder zu erzeugen. Nicht selten liege es einem Künstler daran, ein persönliches Wertesystem, eine Weltsicht zu vermitteln. Künstlern gelinge es, inspiriert durch vorangehende Werke und Künstler, etwas Eigenes, Unverwechselbares zu schaffen.

Genauso seien auch Erfinder neuer Programmiersprachen beeinflusst von anderen Sprachen, von denen sie ein bestimmtes Wertesystem ableiten, das sie in die eigene Sprachkreation einfließen lassen.

Für Ruby-Erfinder Matsumoto Yukihiro sind die Einflüsse beispielsweise Perl, Smalltalk, Python, Eiffel, Dylan und Lisp gewesen. Sein Wertesystem entwickelte sich anhand der Grundidee, dass Sprachen das menschliche Denken stark beeinflussen und deshalb „gute“ Programmiersprachen dem Entwickler dabei helfen sollten:

  • besser zu programmieren,
  • klarer zu denken,
  • die Arbeit schneller zu erledigen.

Darauf aufbauend sind für das Wertesystem von Ruby folgende Leitprinzipien geltend:

  • Prinzip der kleinsten Überraschung: Entwickler sollten vom Verhalten eines API nicht überrascht werden.
  • Prinzip der Knappheit: Kurzer Code ist einfacher zu schreiben, zu lesen und zu pflegen.
  • Prinzip der Menschlichkeit: Eine Sprache sollte für den Entwickler, nicht für die Maschine geschrieben sein.

Wertesysteme

Genauso wie Künstler oft einem Manifest folgen, in dem das Wertesystem einer Kunstströmung beschrieben wird, haben es auch Entwickler bei den verschiedenen Programmiertechniken und -Sprachen mit dezidierten Wertesystemen zu tun, die sie von anderen Techniken abgrenzen.

Gute Programmierer verstehen laut Aimonetti nun genauso wie gute Künstler das Wertesystem, in dem sie sich bewegen. Genauso kennen sie auch die anderen Wertesysteme, auf denen alternative Techniken und Sprachen gründen. Nur so ist es einem Entwickler möglich, zu entscheiden, welche Werte zum aktuellen Projekt und Team passen.

Ein „guter Programmierer“, so lautet das Fazit Aimonettis, hackt demnach nicht nur geistlos Wörter in eine Tastatur, um zu einem Ergebnis zu gelangen. Ein „guter Programmierer“ versteht auch das „warum“ hinter dem „Know How“.

Sind Entwickler Künstler?

Ob ein „guter“ Entwickler damit zu einem Künstler wird, sei einmal dahingestellt. Dass ein guter Programmierer aber den Blick über den Tellerrand wagen muss, um sich ständig mit neuen Ansätzen bzw. Wertesystemen auseinanderzusetzen, ist ein Hinweis darauf, dass „gutes Programmieren“ nicht nur mit der Beherrschung einer Technik zu tun hat, sondern auch mit menschlicher Charakterbildung und Reife: Schließlich scheint die Tugend der Neugier und Offenheit zu den Grundvoraussetzungen eines „guten Entwicklers“ zu gehören. Eine Neugier, die sich dann durchaus auch über die Domäne der Softwareentwicklung hinaus erstrecken sollte – und warum nicht beispielsweise in den Bereich der Kunst?

Aufmacherbild: Abstract portrait  von Shutterstock / Urheberrecht: musicman

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. #java #eclipse #devops #machinelearning #seo. Zum Lächeln bringen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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