Big Data rettet Leben

Hartmut Schlosser

MIT Professor Deb Roy stattet seine Wohnung mit 11 Kameras und 14 Mikrophonen aus. Damit zeichnet er die kompletten ersten drei Jahre seines Sohnes auf und übergibt das Material an das MIT Media Lab. 250.000 Stunden Videomaterial, 200 GB pro Tag, die derzeit ausgewertet werden. Das Forschungsziel: Mittels Big-Data-Technologien soll herausgefunden werden, wie wir Menschen unsere Sprache erlernen.

Special Agent der U.S. Homeland Security Jaime Zapata wird im Februar 2011 an der mexikanischen Grenze erschossen. Die Behörden nutzen Palantir, die Datenauswertungssoftware von PayPal, um Massen an abgehörten Telefongesprächen, Videos und Verhören mit dem mexikanischen Drogenkartell auszuwerten. Eine Woche später wird der Hauptverdächtige „Tweety Bird“ festgenommen. Mittels Palantir wurden seitdem 700 eines kriminellen Vergehens verdächtige Personen festgenommen, 467 Kilo Kokain, 64 Pfund Amphetamine und 282 Waffen konfisziert.

US-Amerikanische Farmer nutzen iPads, um ihre Felder optimal zu bestellen und zu düngen. Eine spezielle Software überwacht die Feldbeschaffenheit und kombiniert Daten von Bodenproben und Wetterstationen. Das Ziel: Die Verdoppelung des Ertrages bis zum Jahr 2030. Die Firma „The Climate Corp“ analysiert Wetterdaten und errechnet 10.000 Szenarios, die zeigen, was einem Farmer in den nächsten 2 Jahren passieren könnte. 34 Billionen Simulationen sind die Basis für die Festlegung von Versicherungssummen bei Wetterschäden. Als einmal Regen massive Ernteausfälle verursachte, zahlte die Versicherung einem Farmer 45.000 US-Dollar Entschädigung – ohne dass dieser überhaupt einen Antrag stellen musste.

Diese Beispiele zeigen eines ganz deutlich: Big Data ist nicht nur ein Schlagwort der IT-Industrie. Big-Data-Technologien sind heute bereits massiv im Einsatz und verändern unseren Alltag nachhaltig. Dieser quasi „menschlichen“ Seite von Big Data hat sich der Journalist und Fotograf Rick Smolan angenommen. Er präsentiert in seinem Buch „The human Face of Big Data“ bebilderte Fallbeispiele, wie Big Data unsere Welt verändert. Ein Auszug aus dem Buch ist jetzt auf CNN Money zu sehen.

Big Data in Zahlen: Von Beginn der Geschichtsaufzeichnungen an bis zum Jahr 2003 produzierte die Menschheit 5 Milliarden GB an Daten. Im Jahr 2011 wurde dieselbe Datenmenge alle zwei Tage produziert. Im Jahr 2013 soll sich dieser Zeitraum auf 10 Minuten verkürzt haben.

Ob in Forschung, Ökologie, Gesundheitswesen, Telekommunikation, Verkehrsführung oder Kriminologie – heute werden nicht nur immer größere Datenmengen produziert. Worauf es bei Big Data eigentlich ankommt sind die neuen technologischen Möglichkeiten, aus den massiven Datenmengen sinnvolle Rückschlüsse zu ziehen.

Fotograf Smolan stellt sein Projekt in dem unteren Video vor. Smolan eröffnet eine Perspektive auf Big Data, die dessen wahres Potenzial erahnen lassen. Denn Big Data ist nicht nur ein Mittel, Menschen und deren Vorlieben, Gewohnheiten und Konsumverhalten zu überwachen. Big Data rettet heute schon Leben.

Wer die menschliche Seite von Big Data um die technologische Seite ergänzen möchte, dem sei der Artikel „Kreativität aus rohen Daten“ von Christian Meder empfohlen.

Rick Smolan – The Human Face of Big Data from Steven Dean on Vimeo.

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Hartmut Schlosser
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