Wie aus Informationen Produkte und Servicetools werden

Big Data für den großen geschäftlichen Durchblick

Detlef Eppig

In einem Unternehmen sind Daten ultimative Eigentumswerte. Jede Firma verfügt über eigene Daten zu ihren Märkten, Kunden und Wettbewerbern, die sich zur Schaffung von Wettbewerbsvorteilen und als geschäftliche Antriebskräfte nutzen lassen. Tools zur Interpretation, Absicherung und Verwaltung von Daten definieren ihren Wert für das Unternehmen. Doch es gilt, ausgehend von der Sensibilität der Daten, auch eine angemessene Balance zwischen Datenverfügbarkeit und Datensicherheit zu finden.

Business Technology

Der Artikel „Big Data für den großen geschäftlichen Durchblick“ von Detlef Eppig ist erstmalig erschienen im

Business Technology Magazin 2.2012

Big Data, also große Datenmengen, wachsen stetig an und erweitern damit den Aufgabenbereich des uns bekannten digitalen Universums. Das bringt neue geschäftliche Chancen mit sich, stellt aber die IT auch vor immer größere Herausforderungen. Bei richtiger Handhabung, Absicherung und Nutzung hat der Big Data Bang das Potenzial, geschäftliche Innovation voranzutreiben und neue Einkommensströme zu erschließen. Mit den darin schlummernden Informationen lassen sich bessere Einblicke in geschäftliche Antriebskräfte gewinnen und strategische Chancen entwickeln. Wenn allerdings Unternehmen in der Lage sein sollen, diese Vorteile für sich zu nutzen, muss die Rolle des Chief Information Officer (CIO) einem radikalen Wandel unterzogen werden. Dabei geht es nicht um Informationen als solches, sondern wie sich Informationen in Innovationen transformieren lassen. In Zukunft wird der Chief „Innovation“ Officer das Unternehmenswachstum vorantreiben, indem er den Umgang des Unternehmens mit digitaler Information verändert.

Der Big Data Bang setzt sich fort

In jüngsten Berichten kommt die IDC zu dem Ergebnis, dass die Menge der im digitalen Universum gespeicherten Daten 2011 die Marke von 1,8 Zettabyte (1,8 Billionen Gigabyte) überstiegen hat, Wachstumsfaktor 9 in nur fünf Jahren. Im Zeitalter von Social Media überrascht es dabei kaum, dass 75 Prozent dieser Informationen von Einzelpersonen generiert wurden. Allerdings zeigt sich auch, dass irgendwann im digitalen Lebenszyklus Unternehmen für 80 Prozent dieser Informationen verantwortlich sind, etwa wenn es um Speicherung, Privatsphäre oder sichere Weitergabe geht.

In einer Unternehmensumgebung sind Daten ultimative Eigentumswerte. Jede Firma verfügt über eigene Daten zu ihren Märkten, Kunden und Wettbewerbern, die sich zur Schaffung von Wettbewerbsvorteilen und als geschäftliche Antriebskräfte nutzen lassen. Daten können wertvolle Einblicke in Kundenverhalten und -präferenzen eröffnen, in entstehende Markttrends ebenso wie in stagnierende Märkte. Sie helfen zu definieren, was genau ein Unternehmen wann und wie verkauft. In solchen Daten stecken häufig vertrauliche, firmeneigene Informationen wie etwa Kunden- und Finanzdaten. Sie zwingen das Unternehmen, Regeln einzuhalten, die ihnen Branchengremien oder staatliche Stellen auferlegen.

Ein zunehmend geschäftsentscheidendes Unternehmensziel ist daher die Bereitstellung von Tools zur Interpretation, Absicherung und Verwaltung von Daten, basierend auf ihrem Wert für das Unternehmen. Weiter gilt es, ausgehend von der Sensibilität der Daten eine angemessene Balance zwischen Datenverfügbarkeit und Datensicherheit zu finden.

Die IDC berichtet weiter, dass seit 2005 sich die Investitionen von Unternehmen in das digitale Universum, angefangen bei Hard- und Software über Services bis hin zu Personal zur Generierung, Verwaltung und Speicherung von Informationen, um 50 Prozent auf atemberaubende vier Billionen US-Dollar erhöht haben. Das Big-Data-Volumen nimmt jedoch weiter zu, und manche Unternehmen haben Mühe, auf System- und/oder Personalseite Schritt zu halten. Weit oben auf der Liste der Unternehmensprioritäten steht daher mittlerweile das Auffinden wirksamer Strategien, mit denen man große Datenmengen effizient handhaben und ihren Wert extrahieren kann – ohne allerdings unnötige Kosten zu verursachen.

Woher kommen die Daten?

Das Datenwachstum begann, als physische Akten durch elektronische Datensätze ersetzt wurden. Heute gibt es zusätzlich geschäftliche Veränderungen, die zur Datenexplosion beitragen.

Technologische Fortschritte: Social Media halten am Arbeitsplatz Einzug und üben zusätzlichen Druck auf die IT-Abteilungen aus, die die entstehenden Daten verwalten müssen. Die Unternehmen erkennen allmählich den Nutzen von Multimedia-Collaboration, darunter Videos, Podcasts, gemeinsam nutzbare Präsentationen und dokumentierte Gespräche. All das trägt zu einer bislang ungekannten, explosionsartigen Vermehrung von Daten bei. Technologische Fortschritte haben geholfen, die Kosten für das Generieren, Erfassen, Verwalten und Speichern von Informationen zu senken. Das wiederum wurde zum Katalysator für vermehrte Nutzung von mehr Content, der sekündlich über das zunehmend mobile Internet geteilt wird. Unsere anhaltende Verliebtheit in Handheld-Endgeräte wie Smartphones und Tablets hält auch in der Büroumgebung Einzug. Und mit diesen Geräten nehmen die Möglichkeiten, Daten zu generieren, exponential zu. Noch größere Volumina sind das Resultat, genauer gesagt, sich rasch entwickelnde Anforderungen an die IT-Infrastruktur und die zuständigen Abteilungen.

Mergers and Acquisitions: Der Trend zur Unternehmenskonsolidierung ist nicht neu, doch hat der stärkere Fokus auf Kostensenkung und Größenvorteile die Zahl der Übernahmen und Fusionen in die Höhe getrieben. Die resultierende Zahl von Systemen und das enorme Datenvolumen machen das Datenmanagement noch komplexer. Die Unternehmen stehen vor der Entscheidung, welche Systeme bleiben, welche integriert werden und welche außer Betrieb genommen werden sollen. Das hat Einfluss auf die Sicherheit und Speicherung von Daten, die von diesen Systemen generiert und gepflegt werden.

Verbreitung von ERP- und CRM-Systemen: Immer mehr Unternehmen implementieren Systeme für wichtige Bereiche wie Kundenservice, Bestandsverwaltung, Vertrieb, HR und Finanzen. Durch die Verbindung von Technologie und neuen Geschäftsprozessen nimmt die Menge der produzierten Daten dramatisch zu. Vieles davon sind sensible Informationen über Kunden, Mitarbeiter, Zulieferer und Partner.

Ausgereiftere Informationsbeschaffungssysteme: Business Intelligence hat sich etabliert und ist gereift. Aus der Ermittlung von Trends entsteht ein verstärkter Zugangsanspruch zu historischen wie aktuellen Daten. In einigen Fällen werden neue Daten erstellt, mit denen sich Businesstrends prognostizieren und nachverfolgen lassen. Zusätzlich werden aktuelle Datenmanagementpraktiken durch die Verwendung unstrukturierter Daten wie Bilder, Video und Audio belastet.

Corporate Compliance: Aufgrund der Anforderungen durch Bestimmungen wie HIPAA, PCI, SOX, BASEL II, Richtlinien der Europäischen Kommission u. v. m. müssen viele Unternehmen mehr Daten für längere Zeiten aufbewahren. In der Lage zu sein, diese Informationen zu einem beliebigen Zeitpunkt für ein Audit bereitzustellen, ist von entscheidender Bedeutung geworden.

Der Aufstieg der Maschine: Ein weiterer, häufig übersehener Einflussfaktor auf das rasche Datenwachstum sind von Maschinen generierte Informationen. IT-Systeme lösen tausende Alarme aus, füllen Logs und schreiben automatisch Berichte, die für Compliance-, Service- oder zahlreiche andere Zwecke verwaltet, dokumentiert, gespeichert und sortiert werden müssen. Sachgerechtes Verwalten und Überwachen von Systemdaten ist entscheidend beim Sichern von kundenunterstützenden Informationen, zur Festlegung von Service Levels und vielem mehr.

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Detlef Eppig
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