Big Brother Oracle gegen Freiheitskämpfer Gosling?

Hartmut Schlosser

Am Rande der aktuell stattfindenden JavaOne-Konferenz schießt Java-Veteran James Gosling Pfeile in Richtung Oracle. Ein gratis Abendessen in der Bay Area biete er jedem, der eine vernünftige Antwort von Oracle erhalte, warum die früher an Sun gestellte Forderung, Java in eine unabhängige Foundation zu überführen, heute von Oracle nicht in die Tat umgesetzt wird.

Mit dieser und anderen Aktionen wie seine T-Shirt-Kampagne positioniert sich Gosling als moralischer Vertreter der Java-Community im Kampf um ein „freies Java“. Gosling malt das Schreckensbild einer Zukunft an die Wand, in der Softwaregiganten wie Google und Oracle die absolute Kontrolle über den Markt erhielten und immer stärker auch das Alltagsleben der Menschen beeinflussten. Vor die Wahl gestellt, in einer Welt à la Star Trek oder à la Blade Runner zu leben, zieht Gosling die zukunftsoptimistische Star-Trek-Variante vor. Allerdings weise die aktuelle Entwicklung eher in die andere Richtung:

With every line of code we engineers write, we have to ask ourselves: does this move us closer to the world of Star Trek, or of Blade Runner? I, for one, would rather not live in the Blade Runner universe, and yet that’s what we’re sliding into building. James Gosling

„We engineers“ gegen „die Geschäftemacher von Oracle“ – eine Metapher, die Gosling in den letzten Wochen immer gerne wieder hervorholt, um seine Opposition gegen Oracles Java-Strategie auszudrücken – eine Matapher allerdings, die sich bei ernsthafter Prüfung den Vorwurf der Vereinfachung aktueller Tatbestände nicht entziehen können wird. Allzu oft wird derzeit etwa Oracles Engagement im Open-Source-Bereich übersehen, genauso wie die Tatsache, dass Sun vor der Übernahme ebenfalls gerne eine protektionistische Hand über seinen Java-Sprössling aushielt. So kommt Skepsis auch in den Kommentaren zu Goslings Blogpost zum Ausdruck:

James – not that I disagree with you but can you explain why you didn’t free java in the many years you were in charge? Frank

Stellt sich also die Frage: Ist die Selbststilisierung Goslings als „Freiheitskämpfer für Java“ glaubwürdig?

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Hartmut Schlosser
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